(tsch) Bisher zählte Mia Kirshner eher zu den Mauerblümchen Hollywoods. Doch schon bald dürfte ihr Name auch hierzulande in aller (Lesben)-Munde sein. Die zierliche Kanadierin mit dem blassen Teint und dem pechschwarzen Haar ist der Star des neuen US-Serien-Knüllers "The L Word" (ProSieben, dienstags, 22.15 Uhr). Das "L"-Wort steht für vieles - hauptsächlich aber für das lesbische Leben in L.A. Als Noch-Hetero Jenny macht Mia in der Serie sowohl wild mit ihrem TV-Freund Tim (Eric Mabius) als auch mit der Bildschirm-Lesbe Marina (Karina Lombard) herum. Nicht zum ersten Mal wechselt Kirshner im Film das Ufer. In ihrer bisherigen Filmkarriere hat die 31-Jährige schon so manches Mal mit dem weiblichen Geschlecht geliebäugelt.
Anzeige
Mias lesbisches Gezüngel war nicht immer so ansehnlich wie in "The L Word". In "Nicht noch ein Teenie-Film!" (2001) hatte sie es auf die damals über 80-jährige Beverly abgesehen. Beim Zungenkuss-Training auf der Picknickdecke wurde zwischen den beiden reichlich Spucke ausgetauscht. Nicht nur fürs Kinopublikum eine schauerhafte Erinnerung. "Das war eine grausame Szene. Am Abend fragte ich mich: 'Oh mein Gott, wie hab ich das nur über mich gebracht", erzählt Mia. Den Fans gefiel's trotz allen Ekels. "In Restaurants kamen die Leute auf mich zu und sagten: 'Ich liebe diese Kuss-Szene, sie ist so widerlich.' Ich dachte nur: 'Jahrelang besuchte ich die Schauspielschule, und jetzt werde ich dafür berühmt, dass ich diese ältere Frau geküsst habe."
Die Schauspielerin scheint ein Faible für skandalöse Auftritte zu hegen. Schon mit ihrer ersten großen Rolle sorgte Kirshner für Furore. Im zarten Alter von 17 Jahren, also selbst gerade erst in der Pubertät, spielte sie in der düsteren Komödie "Love And Human Remains" (1993) die junge Domina Benita. Nicht weniger brisant war das Engagement, mit dem sie den ersten großen Durchbruch schaffte. Für die Rolle der Christina in dem Drama "Exotica" (1994) tanzte Mia freizügig in einem Nachtclub.
Überhaupt zieht es den Männerschwarm immer wieder in eher düstere Milieus. 1996 verwandelte sie sich in "The Crow - Die Rache der Krähe" in eine geheimnisvolle Gothic-Braut. Wen wundert's da, dass Schock-Rocker Marilyn Manson zu Mias engerem Freundeskreis zählt. Den bat sie damals, für den Soundtrack des Movies "Nicht noch ein Teenie-Film" einen Hit beizusteuern. Manson engagierte Mia daraufhin prompt und praktischerweise auch gleich für den dazugehörigen Videoclip "Tainted Love", in dem das Mädel luderhaft in Schuluniform Party macht.
So zwielichtig es in ihren Filmen auch zugeht, privat mag's Kirshner lieber unspektakulär. "Um eine gute Schauspielerin zu sein, muss man ein normales Leben führen", sagt sie. "Ständig in schönen Hotels zu wohnen, sich dauernd Haare und Make Up richten zu lassen, hat nichts mit der Realität zu tun. In meinem Leben gibt es Bus fahren und Zeitungen. Ich will die Balance zwischen beidem halten." Ihr Privatleben hält die nur 1,63 Meter große Kanadierin denn auch konsequent unter Verschluss. "Bei Interviews bin ich sehr schüchtern. Währenddessen fühle ich mich immer wie eine Karikatur von mir selbst."
Davon wird die 31-Jährige in Zukunft allerdings noch einige geben müssen. Dank der Serie "The L Word", die in den USA bereits in der dritten Staffel läuft, und ihrer erneut reichlich prekären Rolle, ist Mia Kirshner das große TV-Thema. Den plötzlichen Rummel um ihre Person findet sie "ziemlich wild". Auf der Suche nach der wahren sexuellen Identität und dem Glück probiert Jenny so manches aus - Fellatio mit ihrem Freund, Petting mit einer Bar-Besitzerin. Dabei wird nichts so heiß gegessen, wie es am Set gekocht wird. "Sexy Sex-Szenen sind für mich unvorstellbar", betont Mia. "Ich zerstöre die Illusion ja nur ungern, aber es ist einfach nur ein Job. Manchmal entsteht eine wahnsinnig intime Stimmung, und manchmal denke ich einfach nur an den Abwasch oder daran, meine Freunde anzurufen. Das hängt sehr stark davon ab, mit wem ich drehe."
Die Arbeit mit ihren weiblichen Kolleginnen von "The L Word" hat Kirshner auf jeden Fall sehr genossen. "Frauen zu küssen, ist sanft und wunderschön", gesteht die Film-Lesbe. Hilfreich sei für die Schauspielerin, dass sie viele der Erfahrungen im Drehbuch selbst schon einmal gemacht habe. Wider den ganzen Rummel um die heißen Fummeleien in "The L Word", geht es für Mia eigentlich darum, "wen man liebt und von wem man inspiriert wird. Für mich hat das nichts mit dem Geschlecht zu tun."
Nina Hortig
In "The L Word" spielt Mia Kirshner, eine angehende Schriftstellerin, die in L.A. ihre lesbische Seite entdeckt. (Viacom Productions Inc.)
Bei den Szenen zu "The L Word" geht es zwischen Mia Kirshner (links) und Kollegin Karina Lombard ziemlich heftig zur Sache. (Viacom Productions Inc.)
In "Nicht noch ein Teenie-Film!" (2001) schlüpft Mia Kirshner in die Rolle des Luders Catherine Wyler. (ProSieben / Sony Pictures Television)