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Sportfreunde Stiller
Von Kopf bis Fuß auf Leder eingestelltBand Sportfreunde Stiller (tsch) Dass fußballfiebernde Musiker in diesem Jahr auf die Idee kommen können, einen Song rund um den beliebten Ballsport zu schreiben, ist keineswegs verwunderlich. Bei den Sportfreunden Stiller wurde gleich ein ganzes Album daraus. Anzeige
Bassist Rüdiger "Rüde" Linhof hat es nicht leicht: Als sportlich eher mäßig interessiertes Drittel der Sportfreunde Stiller kann er sich nur selten durchsetzen. So auch diesmal, als seine Kollegen, der Sänger Peter S. Brugger und Schlagzeuger Florian Weber, im unbremsbaren Fußball-Wahn zuerst "nur ein Lied für die WM" schreiben wollten und hinterher gar nicht mehr aufhören konnten. "Ich werde immer überstimmt", klagt er lachend. "Die beiden sind vollkommen wahnsinnig." Flo hält dagegen: "Rüde, das musst du doch verstehen. Das ist die WM bei uns zu Hause, Mann! Das kommt in unserem Leben nicht noch mal wieder!" - "Mir doch egal", brummt Rüde grinsend. Derartige freundschaftliche Kabbeleien sind bei den Sportfreunden Stiller an der Tagesordnung. Und nach mehr als zehn gemeinsamen Jahren beherrschen die drei derlei Rollenspielchen wie ein altes Ehepaar den Streit um die Zahnpastatube. Eigentlich hat Rüdiger auch Spaß an "You Have To Win Zweikampf", dem neuen Album der Band, das eigentlich kein reguläres neues Album ist, sondern sich dem Trio förmlich aufgedrängt hat und deshalb in Rekordzeit eingespielt werden musste. "Ursprünglich wollten wir nur eine Single zur Weltmeisterschaft aufnehmen", erinnert sich Peter. "Eine Hymne", präzisiert Flo. "Eine heimliche Hymne", lacht Peter, "bestenfalls so wie 'Football's Coming Home' damals." Wenn zwei fanatische Kickerfans sich ans Schreiben einer heimlichen Hymne machen, ist das fast so, als würde man die Büchse der Pandora öffnen - schnell waren fünf Songs beisammen. "Da haben wir uns gedacht, wir machen einfach keine Single, sondern gleich eine EP", erklärt Flo. Irgendwann wurden es noch mehr (Peter: "Also doch ein ganzes Album."), schließlich waren es sogar zu viele (Flo: "Mehr als elf Songs durften es logischerweise ja auch nicht sein"), und die Band musste auswählen. Flugs mietete sie sich in einem Hamburger Studio ein (Rüde: "Das ist Otto Waalkes' altes Studio - völlig großartig!") und spielte die elf Stücke in Rekordzeit. Flo war mitten in einer Tour mit seiner Zweitband, den Bolzplatz Heroes, es musste alles schnell gehen. Trotzdem ließen sich die drei nicht unter Druck setzen. "Selten war die Arbeit an einem Album so entspannt", erklärt Peter. "Die Tatsache, dass dies ein Projekt aus Leidenschaft ist, das am allgemeinen Band-Erfolgsdruck vorbeigeht, machte für uns vieles leichter. Mit 'You Have To Win Zweikampf' müssen wir nicht charten. Das machen wir in erster Linie für uns." Flo grinst: "Wir hätten natürlich nichts dagegen, mit dem Album in die Hitparaden zu kommen. Aber es ist nicht so wichtig wie sonst." Rüde war anfangs ein bisschen skeptisch, weil er Angst hatte, eventuelle Fans der Band, die mit dem runden Leder nicht ganz so viel anzufangen wissen, zu verschrecken. Doch es war schnell klar: "Für die kommt dann ja bald das neue reguläre Album." Und so coverte man "Pogo in Togo", schrieb mit "Die Frisur von Björn Borg" ein Lied über die modischen Wirrungen einer Fußballerexistenz, huldigte mit "Dem Fritz sein Wetter" regennassem Rasen und ging den Ballsport von allen Seiten an. "Wir singen aus der Sicht von Fans, von Spielern, von Hobbybolzern", erklärt Flo. Da ist für jeden was dabei. Außerdem erarbeitete sich die Band mit "54, '74, '90, 2006" nicht nur die heimliche Hymne, sondern stellte gleich eine lustige Formel auf: 54 x 74 - 1990 = 2006. Wenn das kein gutes Omen ist. Und selbst Fußballmuffel Rüde schrieb sein eigenes Lied: "Mag Tischtennis!" Eine beinahe herzerwärmende Erklärung, ein Geständnis: "Meine Eltern fanden Fußball schon immer prollig. Sie haben mir das ein bisschen ausgeredet. 'Mach doch einfach Tischtennis', haben sie gesagt." So ist das also. Und in diesem Licht betrachtet ist sein Mitwirken in der fußballfanatischsten Band der Republik nicht nur tapfer, sondern beinahe selbsttherapeutisch. Sonja Müller |
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