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Pet Shop Boys - Fundamental

Pet Shop Boys Fundamental

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Zuletzt war der Ansatz der Pet Shop Boys ein eher künstlerischer: Die Vertonung des "Panzerkreuzers Potemkin" scheiterte auf hohem Niveau - vielleicht, weil das Projekt zu viel Ernsthaftigkeit transportierte, weil der Hedonismus, der tradtionell eine der Hauptantriebsfedern von Neil Tennant und Chris Lowe ist, völlig fehlte und durch eine sofort erkennbare Überambitioniertheit ersetzt wurde. "Fundamental" geht wohl auch deshalb einen Schritt zurück. Gemeinsam mit Trevor Horn entwicken die Pet Shop Boys eine Lautsprache, die ihre Wurzeln wieder stärker sucht, die Disco und Eighties-Pop unmittelbarer und unironischer zitiert, als das zuletzt - zum Beispiel bei "New York City Boys - der Fall war.

Eine neue Ernsthaftigkeit? Nein, nicht unbedingt. Die Pet Shop Boys üben sich lediglich in verschiedenen Stilarten des großen Popsongs. Das beginnt bei der flächigen Ballade, die hier in einer Fremdkomposition durchexerziert wird (vielleicht zu pathetisch: "Numb") und geht bis zum catchy Popsong ("The Sodom And Gomorrah Show"). Die Stärke der Pet Shop Boys liegt dabei immer noch in einer Klarheit, die man so im Pop selten sieht, die sich weigert, übermäßig Zugeständnisse an den Zeitgeist zu machen: So entsteht eine Allgemeingültigkeit, die vielleicht "Luna Park" am besten illustriert. Hier geraten die Pet Shop Boys nah an den perfekten Pop von Prefab Sprout zu "Steve McQueen"-Zeiten, was ihnen zuletzt vor vielen, vielen Jahren mit "Being Boring" gelang.

Moderner ist "I'm With Stupid", erklärtermaßen ein Seitenhieb auf die in England mittlerweile gerne und vergnügt belächelte Männerfreundschaft zwischen Prime Minister Tony Blair und US-Präsident George Bush. Hier zeigen Tenant und Lowe ihr Talent für die perfekt austarierte Hookline, für den perfekten Einsatz des Synthesizers.

Natürlich kann man den Pet Shop Boys vorwerfen, dass das Album in seiner unglaublich sauberen Produktion, in seinem stringenten Pop-Appeal kaum Überraschungen bietet. Andererseits ist genau das seine Stärke. Wie zuletzt Kylie Minogue übersetzen die beiden Briten ihre Kernkompetenzen verspätet, aber absolut überzeugend ins neue Jahrtausend. Kleine Spielereien verkneifen sie sich zudem nicht, ab und zu überschlägt sich ein Synthie, endet eine Strophe im Nichts. Und mal im Ernst: Wenn die Pet Shop Boys jetzt öfter so unglaubliche Bassläufe wie im grandiosen "Minimal" hinkriegen, ist das mit der neuen Klarheit doch eine gute Sache.

Jochen Overbeck


Datum: 02.06.2006

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Diskussion: "Pet Shop Boys - Fundamental"

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