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Monsieur Gainsbourg Revisited

Diverse Monsieur Gainsbourg Revisited

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Es gibt kaum Schlimmeres als Cover-Alben, auf denen gescheiterte Größen sich mit fremden Federn schmücken. Schlimmer sind nur noch Tribute-Alben, auf denen gescheitertes Federvieh sich fremden Größen anbiedert. Das war die Regel. Dies ist die Ausnahme: "Monsieur Gainsbourg Revisited". Fast pünktlich zum 15. Todestag der Jahrhundertikone Serge Gainsbourg (2. März 1991) zelebrieren die geistigen Erben den Nachlass des größten aller französischen Dandys. Aber bitte nicht gleich die üblichen Verdächtigen erwarten. Denn diesmal kommt man aus der Verzückung bei der Lektüre des Plattencovers kaum mehr heraus.

Zwar sind Beiträge von Carla Bruni, Marc Almond oder Jane Birkin eigentlich Obligatorien. Dass Letztere hier gemeinsame Sache mit Franz Ferdinand macht, dürfte aber für einen zumindest zweiten Blick auf die Tracklist sorgen. Durch sein Kampfsport-Verständnis von "Sorry Angel" verbleibt das surreal anmutende Tag Team während den Strophen noch in Lauerstellung und zwingt den Hörer erst im Refrain angenehm brutal in die Knie. Ähnlich unvorbereitet trifft einen auf "I Just Came To Tell You That I'm Going" die bizarre Paarung von Downbeat-Tonangeber Kid Loco und Britpop-Intelligenzia Jarvis Cocker. Doch wer außer dem unantastbaren Bohemien könnte dem Genie Gainsbourgs schließlich schon das Wasser reichen? Tricky findet mit "Au Revoir Emmanuelle" zu seiner lange verloren geglaubten Unberechenbarkeit zurück, und Michael Stipes Stimme erklärt ihr Herrchen auf "L'Hôtel" erneut zum Alleineigentümer alles vereinnahmenden Charismas.

Damit nicht genug des Spektakels: Zum ersten Mal erfährt Gainsbourg eine Übersetzung ins Englische. Das führt dann zwar teils zu unnötigen Albereien wie Almonds selbstzentrierter Interpretation von "I'm The Boy", "Boy Toy", schafft aber auch Raum für rundum geglückte Experimente, wie "I Love You (Me Either)" von Karen Elson & Cat Power. Bei dem Versuch, sich der Magie von "Je T'Aime ... Moi Non Plus" anzunähern, sind über Jahrzehnte ganze Generationen von Musikern zu Recht in Schande untergegangen. Doch was diese beiden First Ladies mit dem Melodie gewordenen Koitus anstellen, versprüht schiere Erotik: "I go and I come between your kidneys" stöhnen einem die unzüchtigen Indie-Sirenen entgegen und treffen wie einst das majestätische Original von 1969 genau zwischen die Grenzen von schonungsloser Pornografie und entwaffnender Parodie derselben.

Brian Molko darf dem kettenrauchenden Kultkauz gleich zweimal huldigen: Zuerst wütet er zusammen mit Faultline und Françoise Hardy durch "Requiem For A Jerk", dann intoniert er mit seiner Bandfamilie Placebo das beklemmend intensive "The Ballad Of Melody Nelson".

Gainsbourgs Leben war geprägt von großen Werten (Ordnung, Fleiß, Liebe) und dem noch viel größeren Widerlegen all dieser Werte (Chaos, Exzess, Polygamie). Beth Gibbons von Portishead vermag diese Zerrissenheit in "Requiem For Anna" aufs Authentischste wiederzugeben. Wer das Duo aus Bristol trotz unentschuldbar langer Plattenpause also schon abgeschrieben hat, dem wird dieser grobe Fehler hier gottlob dick angekreidet.

Insgesamt gilt: Der Meister hat seine Meister gefunden. Dieses Album dient zu so viel mehr als zur bequemen, weil zugangserleichterten Aufarbeitung von Popgeschichte.

Stephan Rehm


Datum: 02.06.2006

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