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Jackie Brown

Jackie Brown

(tsch) Vergessen wir für einen Moment, dass der Regisseur von "Jackie Brown" (1997) Quentin Tarantino heißt. Der Film, eine Kriminalgeschichte, funktioniert nach Genreregeln, die aus den 70er-Jahren bekannt sind: Sorgsame Zeichnungen der Charaktere, die sich im Verlauf der Ereignisse allesamt nicht wesentlich verändern; Konzentration auf markante Dialoge, die durchaus nichtig sein dürfen; unaufwändiges Drumherum. Und er zelebriert die grandiose Pam Grier. Die leider viel zu selten in großen Rollen auftretende Schauspielerin, Jahrgang '49, sorgt gerade auch in der famosen US-Serie "The L Word - Wenn Frauen Frauen lieben" (ProSieben, dienstags, 22.15 Uhr) als Kit Porter für Furore.

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In "Jackie Brown" feierte Pam Grier, schon in den 70er-Jahren eine Art Sex-Ikone, ein großes Comeback. Der nun wieder einmal auf vox ausgestrahlte Film ging 1997 in vielerlei Hinsicht über die Erwartungen hinaus. Der Begriff "tarantinoesk", der nach Tarantinos Filmen "Reservoir Dogs" (1992), "From Dusk Till Dawn" (1996), natürlich "Pulp Fiction" (1994) und zuletzt "Kill Bill" (2003, 2004) zur Definition seines individuellen Erzählstils hergenommen wird, müsse nach "Jackie Brown" weiter gefasst werden, meinte Darsteller Robert Forster bei einer Berlinale-Pressekonferenz 1998. Wohl wahr. "Jackie Brown" hat nichts mit den früheren und späteren Arbeiten des Regisseurs gemein, der offensichtlich um künstlerische Flexibilität bemüht ist und sich dabei größtmögliche Freiheiten nimmt. Als Hommage an die guten, alten Zeiten versteht sich der Film, der es mit seiner Liebe zum Detail manchmal übertreibt.

Es geht um die Stewardess Jackie Brown (Pam Grier), die für den Waffenhändler Ordell (Samuel L. Jackson) Geld über die mexikanische Grenze schmuggelt. Die Handlung setzt ein, als sie von der Polizei (Michael Keaton spielt einen der Cops) verhaftet wird. Jackie fährt fortan zweigleisig. Der Polizei verspricht sie, Ordell ans Messer zu liefern. Dem wiederum sagt sie eine halbe Million Dollar zu: Geld, um das sich in der Folge alles drehen wird. Ihr zur Seite steht der Kautionsmakler Max Cherry (Robert Forster). Ordell wird in seinen Bemühungen, ans Geld zu kommen, durch seinen Freund Louis (Robert DeNiro) unterstützt. Eine weitere Schlüsselrolle im komplex angelegten Verwirrspiel hat schließlich Ordells Freundin Melanie (Bridget Fonda).

Behäbig kommt der Film daher. Und just in dem Moment, als sich die Antwort auf die (nicht allzu) quälende Frage ergeben wird, wer denn nun das Durcheinander am Ende als Sieger verlassen wird, zieht Tarantino ein weiteres Mal die Erzählbremse und schildert den entscheidenden Moment der Geldübergabe nacheinander aus drei Perspektiven. Dennoch entwickelt "Jackie Brown" eine bemerkenswerte Eigendynamik und Individualität, die den Film - auch dank einiger echter inhaltlicher Überraschungen - zu einem Erlebnis werden lässt.

Alexander Franck


Jackie Brown (Pam Grier) spielt Polizei und Gangster gegeneinander aus. Ein gefährlicher Plan, der ihr entweder eine halbe Million einbringt oder ... den Tod.
Jackie Brown (Pam Grier) spielt Polizei und Gangster gegeneinander aus. Ein gefährlicher Plan, der ihr entweder eine halbe Million einbringt oder ... den Tod. (vox)

Der Waffenschieber Ordell Robbie (Samuel L. Jackson, rechts) erklärt seinem Freund Louis Gara (Robert De Niro) das Geschäft. Ordells Freundin Melanie (Bridget Fonda) ist schön, aber desinteressiert.
Der Waffenschieber Ordell Robbie (Samuel L. Jackson, rechts) erklärt seinem Freund Louis Gara (Robert De Niro) das Geschäft. Ordells Freundin Melanie (Bridget Fonda) ist schön, aber desinteressiert. (vox)

Die Stewardess Jackie Brown (Pam Grier) schlägt Agent Mark Dargus (Michael Brown) einen Handel vor.
Die Stewardess Jackie Brown (Pam Grier) schlägt Agent Mark Dargus (Michael Brown) einen Handel vor. (vox)

Datum: 03.06.2006

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Artikel ID 169536

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