(tsch) Staub, Sarkasmus, rauchende Colts: Robert Rodriguez präsentierte 2003 den letzten Teil seiner "El Mariachi"-Trilogie. Der Start wurde mehrfach verschoben, weil - so geisterte ein Gerücht - selbst die Produzenten "Irgendwann in Mexiko" nicht sonderlich gelungen fanden. Doch bei allen Verrissen im Vorfeld ist die finale Episode um den legendären Revolverhelden El Mariachi (Antonio Banderas) zwar wie erwartet nicht überragend, aber im Grunde recht unterhaltsam. ProSieben zeigt den Streifen nun als Free-TV-Premiere.
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Vorweg: Die dankbarste Rolle darin hat sicherlich Johnny Depp (ab 27. Juli in der Piratensause "Fluch der Karibik 2" im Kino zu sehen). Bei Rodriguez darf er feist Sprüche klopfen - als eigenwilliger und verdammt cooler Geheimagent aus den USA, der sein eigenes Verwirr-Spielchen mit den Mexikanern treibt. So wirklich mag die Handlung dabei gar nicht interessieren. Irgendwer ist böse, sehr böse sogar (der hinterhältig-brutale General aus den vorhergehenden Teilen), und so mancher bewegt sich dazwischen (Johnny Depp). Die Sympathien des Publikums konnten aber nicht nur ihm, sondern vor allem wieder Titelheld Antonio Banderas (schwingt aktuell in "Dance" die Hüften) zufliegen, der leider trotz des hispanischen Sexappeals eine seiner schwächsten Leistungen abliefert.
Zusammen mit Latino-Jodler Enrique Iglesias zieht er scheinbar musizierend durch die Lande, um - wenn die Situation genehm ist - sein Instrument in eine monströse Knarre zu verwandeln, der niemand zu entrinnen vermag. Natürlich geht es um eine gute Sache: Der Präsident soll beschützt werden vor dem putschlüsternen Militär. Bis dahin wird fleißig konspiriert, in der Hitze Mexikos transpiriert und hin und wieder - einfach nur aus Spaß an der Freude - massakriert. Mal überfällt ein mexikanischer Söldnertrupp ein unschuldiges Dörfchen, um El Mariachi zu finden, der doch im Grunde nur mit seiner Akustikgitarre klimpern möchte. Mal erschießt der US-Agent einfach einen Koch irgendwo in einer Eckkneipe, weil ihm das Essen so gut wie noch nie geschmeckt hat.
Rodriguez' Humor ist schwer zu fassen. So verliert der schöne Johnny Depp auch noch seine Augen, was nicht unbedingt umwerfend aussieht, seiner Rolle als Vielschwätzer aber keinen Abbruch tut. Die umso attraktivere Eva Mendes ("2 Fast 2 Furious", "Hitch") spielt nicht nur die taffe US-Ermittlerin, sondern auch die schnippische Überläuferin, die schlussendlich wenig zu lachen hat. All das ist komisch im Sinne des staubtrockenen Steppenhumors der selbsternannten Regie-Legende (arbeitet gerade an "Sin City 2"). War der zweite Teil der Trilogie, "Desperado", noch im gewissen Sinne innovativ und mit seiner Inszenierung von Schusswechseln wegweisend, ist "Irgendwann in Mexiko" ein wenig fade und allenfalls im Ansatz den Vorgängern gewachsen - zumal Salma Hayek nur einen Auftritt als Cameo aus der Retorte hat.
Bernd Fetsch
Ehrbares Motiv für eine blutige Bleischlacht: El Mariachi (Antonio Banderas) will Rache! (ProSieben / Columbia Pictures)
CIA-Agent Sands (Johnny Depp) treibt sein eigenes Verwirr-Spielchen mit den Mexikanern. (ProSieben / Columbia Pictures)
Auch ohne Augen zielsicher: CIA-Agent Sands (Johnny Depp). (ProSieben / Columbia Pictures)
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