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Sonic Youth - Rather Ripped

Sonic Youth Rather Ripped

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Dass ausgerechnet Sonic Youth, die sich immer durch einen Drang zur Veränderung, durch handwerkliche wie künstlerische Weiterentwicklung auszeichneten, plötzlich auf so einer Art Status Quo angekommen sind, überrascht doch ein wenig. Das 19. Album der New Yorker Indie-Institution ist eine schöne Ansammlung von Popsongs, das seine Wurzeln keine Sekunde lang negiert und ohne Querverweise Richtung Elektronik auskommt. So eine Art-Mini-Trend, immerhin gehen Sebadoh und Yo La Tengo auf ihren bald erscheinenden Alben ähnliche Wege.

Schon auf "Sonic Nurse" waren Harmonie und Melodie die beiden Stützen der Songs, das von John Agnello produzierte "Rather Ripped" geht noch einen Schritt weiter. Bei Sonic Youth scheint die Sonne, Thurston Moore singt gerne und richtig, die Gitarre schrammelt sich durch die weichere Seite der frühen 90er-Jahre, Experimente im Spiel sind natürlich vorhanden, finden aber nur in einem Rahmen statt, der für die Verhältnisse der Band schon fast etabliert wirkt. Schon "Reena" und "I Believe In Rapture", der erste und der dritte Song des Albums, zeigen, wie gut dieser Weg funktionieren kann und im übrigen auch, dass Reduktion auch heilsam ist. Insgesamt sind es dann aber doch 56 Minuten. "Turquoise Boy" besetzt sechseinhalb davon. Melancholischer Pop, in dem Kim Gordon ihre wütende Nonchalence frühere Tage gegen zarte Chanteuse-Klänge ersetzt und der am Ende auch der Gitarre den nötigen Raum gibt. Die will ja auch mal alleine spielen dürfen. Auch "Pink Steam" und "Or" erlauben sich massive Extrarunden - letzteres scheint mit seinen über acht Minuten der längste Song zu sein und gleichzeitig der, der sich am konsequentesten klassischen Songstrukturen verweigert. "Helen Lundeberg" ist ein wilder, roh produzierter Artpop-Song, der Erinnerungen an die "Goo"-Zeit weckt und nicht so recht zum Rest des Albums passen mag. Eine Tatsache, die die Band durch die Deklarierung als "Bonus Track" umgehen möchte. Trotzdem: Nötig wäre er für dieses Album nicht gewesen.

Jochen Overbeck


Datum: 10.06.2006

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