Die Weiterentwicklung Richtung R'n'B ist natürlich eine sehr schlüssige Angelegenheit. Wenn man schaut, wie ideenlos der Pop-Mainstream agiert, und was für Akzente im Gegensatz die Produzenten im HipHop und Soul setzen, was da für Beats und Hooks gebastelt werden, versteht man Nelly Furtado schnell. Ohnehin, mit einem Bein stand sie da immer mit drin, aber wahrgenommen wurde sie eben als Pop, was sicher an ihrem bisher größten Hit "I'm Like A Bird" lag. "Loose" wurde jetzt über weite Strecken von Timbaland produziert und mit eingespielt. Dass der was kann, ist klar, dass das dritte Nelly-Furtado-Album eine solche Bombe wird, nicht.
Auch wenn der Ausgangspunkt ein anderer ist: Ein wenig erinnert die Entwicklung an die von Gwen Stefani - mit dem Unterschied, dass bei Nelly Furtado der Lifestyle-Faktor tiefer hängt. Wichtig ist hier der Song, wichtig sind hier die handfesten Ergebnisse eines zweijährigen Schaffensprozesses.
Und die generieren sich auf "Loose" erstaunlich homogen. Nelly Furtado wechselt die Geschwindigkeiten, wechselt die Beats. Da finden sich Songs, die ihre Energie aus dem HipHop ziehen, andere zeigen mit viel Vergügen ihre Latin-Roots. Da rappen Timbaland und Attitude, da darf auch Shooting-Star Juanes ran. "Te Busque" heißt der Song, der dem Kolumbianer auf den Leib geschrieben scheint und der wohl heftiger Kandidat für die nächste Singleauskopplung ist. Hier und in "No Hay Igual" wird nicht nur auf Englisch, sondern auch auf Spanisch gesungen. Ohne solche auch geographische Bezüge kommt "Maneater" aus: ein fetter Beat mit Elektro-Samples, Sprechgesang, dazu ein - nicht wirklich neuer, aber verdammt eingängiger - Refrain, so schnell ist der Sommerhit gestrickt. Auf "Promiscoucs" gibt sich Furtado einen hübschen Rap-Kampf mit Timbaland, garniert wird das ganze mit einem netten Querverweis Richtung Eighties-Disco. Die große Ballade kommt an zehnter Stelle: "In God's Hands" zeigt, dass eine Pop-Vergangenheit eben auch für eine R'n'B-Sängerin von Nutzen sein kann: Hier kommt Nelly Furtado ohne das genreübliche Räkel-Gefühl aus, hier wird nicht übertrieben plüschig geklotzt, sondern einfach nur soulfull gesungen. So gelungen der neue Weg Richtung HipHop und R'n'B ist - schon fein, dass Nelly Furtado das auch noch kann.
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