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Midlake
Der Jazz und der PopBand Midlake (tsch) Lassen wir erst einmal jemand anderes sprechen: Jason Lee sagt: "The Trials Of Van Occupanther " ist eine der wichtigsten modernen Rock-Platten, die ich besitze. In einer Zeit, in der alle mit viel Ironie oder mit Nonchalance agieren, bedeutet dieses Album wirklich etwas." Jason Lee ist Schauspieler ("Mallrats", "Almost Famous"), Skateborader, und offenbar so etwas wie der Vorsitzende des Midlake-Fanclubs. Vor allem ist er aber offenbar ein Bescheidwisser, denn Midlake sind eine der spannendsten Bands, die die so umtriebige US-Indie-Szene momentan zu bieten hat. Anzeige
Das wissen auch andere - zum Beispiel die Macher der größten amerikanischen Musikmesse "South By Southwest" im texanischen Austin: Hier spielten Midlake bei der Eröffnungsshow - sozusagen als Headliner, nach den Flaming Lips, was natürlich daran lag, dass andere Bands abgesagt hatten. Sänger Tim erzählt: "Das war schon eine Wahnsinnssache, ziemlich aufregend. Und ich hatte auch ein bisschen Angst, dass wir da verlieren würden - ein paar Leute schrien schon garstige Kommentare, als wir mitten in der Nacht auf die Bühne kamen. Aber ich glaube, die meisten konnten wir im Verlauf der Show überzeugen." Wer die Herren aus Texas einmal live gesehen hat, weiß, warum. Auch wenn Tim sagt, dass ihm Live-Spielen nicht so liegt: Da stimmt jeder Ton, jeder Akkord, da baut sich eine intensive Atmosphäre auf, die die fast leichte Stimmung der Platte in einen schwelgerischen Breitwandklang umsetzt, der irgendwo zwischen Mercury Rev und den oben erwähnten Flaming Lips liegt. Dass da alles so beängstigend perfekt anmutet, mag am Werdegang der Band liegen. Man lernte sich in Denton kennen, an einer der renommiertesten Musikschulen der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Schwerpunkt war freilich ein anderer: "Am Anfang machten wir das, was die meisten auf solchen Schulen machen: Wir spielten Funk und Jazz. Erst nach einer Weile wollten wir auch andere Sachen ausprobieren, interessierten uns für andere Facetten der Musik. Bis zu dem Punkt, an dem wir jetzt sind, war es ein langer Weg. Stell Dir vor - am Anfang habe ich Saxofon gespielt!" Der Weg zurück zur Einfachheit, der Weg zum Popsong, der ja "The Trials of Van Occupanther" charakterisiert, mit zwei, drei, vier Akkorden, war ein langer. "Vor etwa zwei Jahren habe ich angefangen, mich für Rockmusik der 70er-Jahren interessieren - übrigens nachdem ich für 25 Cent in einem Second-Hand-Laden das Album "Isle Of You" von Jimmie Speeris gefunden hatte. Diese Platte hat mich angefixt - seitdem haben wir alle sehr viel Seventies-Sachen gekauft, meistens Second Hand. Auch Joni Mitchell entdeckte ich bald, danach Neil Young, Fleetwood Mac und den frühen Elton John, so ging es eben immer weiter." Verblüffend - auch in seiner Jugend hatte der bescheidene Midlake-Sänger nichts mit Rock oder Pop zu tun, auch die Rebellionsphase, die sich ja meistens in einer Hinwendung zu Grunge oder Punk manifestiert, gab's bei ihm nicht. "Es war Jazz. Immer Jazz. Von der Kindheit an bis zu meiner College-Zeit. Wir hatten halt 'Sergaent Peppers Lonely Hearts Club Band' von den Beatles daheim. Und später, an der Uni, hatte ich noch ein Radiohead-Tape und hörte etwas Björk. Das war's." Der Hörer kann's ihm heute danken. Denn es findet sich durchaus noch eine Spur vom Jazz bei Midlake - weniger in den Songs an sich als in der Arbeitsweise: "Ich hoffe ja, dass ich den Jazz ausgemerzt habe. Man soll ihn nicht mehr hören, ich will nicht irgendwelches Fusion-Zeug machen", lacht Tim, um kurz darauf ernsthaft zu werden: "Aber natürlich hilft mir meine Jazz-Ausbildung, wenn es ums Handwerk geht. Ich weiß, wie Musik funktioniert, wie man eine Melodie schafft, wie einen Akkord setzt. Ich versuche jetzt, das Gelernte ohne diese Jazz-Mentalität umzusetzen." Jochen Overbeck |
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