Bob Sinclar - Interview

Die Lyrics müssen "sweet" sein

Produzent Bob Sinclar

(tsch) Bob Sinclar aus Paris, eigentlich Christophe Le Friant (29), ist nicht nur Eigentümer des Labels Yellow Productions, sondern auch der glückliche Künstler, der zur Fußball-WM mit der Goleo-Hymne "Love Generation" den Volltreffer gelandet hat. Doch "Chriss the french kiss", wie er sich früher nannte, kann noch mehr, als mit dem Bären ohne Hose rumalbern. Nämlich ein komplettes Album produzieren: "Western Dreams".

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teleschau: Du feierst gerade mit dem WM-Sing "Love Generation" den größten Erfolg Deines Lebens. Doch "Western Dreams" ist nicht Deine erste Platte. Du hast schon vor 18 Jahren begonnen, Musik zu machen ...

Bob Sinclar: Oh ja, mit elf Jahren fing ich bereits als "DJ" an: Ich spielte im Kinderzimmer an zwei Plattenspielern herum. Im Ernst: So richtig los ging es 1994, als ich das Label "Yellow" startete. Damals gab es in Frankreich keine Spur von Underground, keine kleinen Labels oder umtriebige Clubkultur. Nichts, Leere. Das war ein rein britisches Phänomen. Ich hatte als Franzose natürlich keine Chance auf dem britischen Markt, deshalb startete ich das Label hier. Ich wollte einfach nur Musik machen, Clubmusik, und meine Sachen selbst herausbringen, weil es sonst ja nie jemand getan hätte.

teleschau: Aber nur Producer bist Du nicht lange geblieben ...

Sinclar: Dass ich später Frontmann wurde und mein Gesicht für diese Sachen "hinhielt", war gar nicht geplant. Zuerst hatten wir ein paar Projekte, Gym & Tonic, Mighty Bob, Reminiscence Quartet. Und irgendwann katapultierten uns ein paar Singles in die Clubszene rund um den Globus. Das hätte ich mir niemals träumen lassen, denn als Franzose hattest du per se die schlechtesten Voraussetzungen.

teleschau: Tatsächlich?

Sinclar: Es war einfach furchtbar schwer für uns, Akzeptanz zu finden. Wir wurden andauernd schief angeschaut. Es hat lange gedauert, unseren Stil zu etablieren. Irgendwann aber war der schick, und die Engländer machten unseren so genannten "French Dutch Style" nach.

teleschau: Du wechselst öfter mal stark Deinen Stil, hast TripHop gemacht und bist jetzt, auf der neuen CD "Western Dreams" als baumwollpflückender Latzhosenjunge zu sehen, singst über "Tennessee" und setzt Slide-Guitars und Folkelemente ein. Spekulierst Du mit neuen Moden auf dem Markt?

Sinclar: Nein, das kann man nicht planen. Das kommt einfach durch die Lust am Musik machen. Ich habe nie spekuliert. Ich war stets total von etwas überzeugt, was ich dann umsetzte. Ich habe lange gebraucht, über sechs Jahre, um meinem ersten Penny mit der Musik zu verdienen. Heißt: Ich habe das nie wegen des Geldes gemacht, sondern weil ich es unbedingt wollte! Es ging für mich immer um Leben oder Tod, es war absolut ernst, und ich brauchte Musik wie eine Art Nahrung.

teleschau: Du wolltest nie nach oben?

Sinclar: Nein. Ich hatte mein Leben so geplant, dass ich als DJ halbwegs meinen Lebensunterhalt verdiene, und ich mir es auf die Art leisten kann, als Privathobby sozusagen, meine eigene Musik zu produzieren. So bin ich immer noch. Wenn ich jetzt Geld verdiene, schmeiße ich das sofort in mein Label, gebe es für bessere Produktionen und für meine Videos aus. Ich will einfach nur schöne Sachen machen.

teleschau: Deine Familie wird nicht gerade begeistert gewesen sein ...

Sinclar: Im Gegenteil: Die freuen sich mit mir mit. Mein Leben ist dadurch sehr geregelt, um 8 Uhr bringe ich meinen Jungen in die Vorschule, um 8.45 Uhr bin ich im Label und mache den ganzen Tag Musik, zehn Stunden lang. Und am Wochenende reise ich als DJ rund um die Welt. Ich lebe mit meiner Freundin und den zwei wunderschönen Kindern, fünf Jahre und fast zwei Jahre in Paris, und mir geht es prima.

teleschau: "Love Generation" schlug ein wie eine Bombe. Wie kam die FIFA auf Dich, um den Goleo-Song zu produzieren?

Sinclar: Ich bin derzeit bei "Ministry Of Sound" gesignt, als Künstler Bob Sinclar. Diese wiederum produzierten den Crazy-Frog-Sampler, der Axel-F.-Song mit diesem Klingelton-Frosch. Der super-erfolgreich war. Deshalb hat die FIFA dort und natürlich auch bei vielen anderen Labels mit ähnlichen Comic-Figur-Hits gefragt, ob die ihnen auch einen so knackigen Tune organisieren könnten, für ihren Goleo.

teleschau: Hast Du gleich zugesagt?

Sinclar: Ja, da habe ich natürlich schon die Chance gesehen, für mich endlich einmal den deutschen Markt zu knacken, der sehr hart ist. Inzwischen haben wir 1,2 Millionen Singles verkauft. Das ist unglaublich!

teleschau: Wie funktionierte die Arbeit mit den Studiomusikern?

Sinclar: Ziemlich gut, während der Aufnahmen sind ganz viele Zufälle und "Unfälle" passiert sind, so dass sehr viele Menschen mitwirkten. Zum Beispiel kam ein Gitarrist, Tom Naim, der eine bestimmte Vorstellung von mir einspielen sollte, auf eine ganz andere Idee. Oder der Reggae-Sänger Gary "Nesta" Pine erfindet während des Singens neue Texte. Dann kam Alain Wisniak zufällig ins Studio in New York, wo wir mit Gary Pine aufnahmen, und sagte: "Da fehlt der Chorus." Er begann, eine Sieben-Noten-Zeile zu trällern und genau das hatte gefehlt. So entstehen meine Tracks, ein Sharing-Projekt von Freunden und meiner Musikfamilie. Großer Spaß!

teleschau: Warum schreibst Du nie französische Lyrics?

Sinclar: Ich finde die Sprache nicht gut zum Singen. Gesangslyrics müssen "sweet" sein - so wie Englisch, Brasilianisch oder Créole.

teleschau: Welches ist der beste Song auf Deinem neuen Album?

Sinclar: Die Ballade "Give A Lil' Love" mit ihren fantastischen Emotionen. Ich hatte 15 Kinder im Studio, von vier bis 15 Jahren, die gemeinsam im Chor sangen.

Kati Hofacker


Bob Sinclars Megahit "Love Generation" kann mittlerweile jeder mitsingen.
Bob Sinclars Megahit "Love Generation" kann mittlerweile jeder mitsingen. (edel)

Bob Sinclar hat nie wegen des Geldes Musik gemacht, sondern weil er es unbedingt wollte.
Bob Sinclar hat nie wegen des Geldes Musik gemacht, sondern weil er es unbedingt wollte. (edel)

"Gesangslyrics müssen 'sweet' sein." Dazu zählt Bob Sinclars Muttersprache Französisch anscheinend nicht.
"Gesangslyrics müssen 'sweet' sein." Dazu zählt Bob Sinclars Muttersprache Französisch anscheinend nicht. (edel)

Datum: 12.06.2006

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