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Kiefer Sutherland
Ein Phönix im SteilflugSchauspieler Kiefer Sutherland (tsch) Mit noch nicht mal 30 Jahren war Kiefer Sutherland Mitte der 90er-Jahre schon so gut wie weg vom Fenster. Noch kurz zuvor schaffte er mit dem Psycho-Thriller "Flatliners" (1990) an der Seite von Julia Roberts den scheinbar endgültigen Hollywood-Durchbruch, eroberte das Herz seiner Filmpartnerin und war auf dem besten Weg ein ganz Großer zu werden. Doch dann scheiterte zuerst seine Hochzeit mit der "Pretty Woman" und danach auch die sicher geglaubte Hollywood-Karriere. Sutherland dreht erst ein paar B-Movies, verdingt sich als Rodeo-Reiter und taucht schließlich völlig ab. Hätte man ihm zu diesem Zeitpunkt gesagt, dass er einmal rund 40 Millionen Dollar für eine Fernsehserie bekommen würde, die ihn gleichzeitig auch wieder zurück auf die große Kinoleinwand katapultiert - derzeit ist er neben Michael Douglas in "The Sentinel - Wem kannst du trauen?" zu sehen (Kinostart: 15.06.) -, er hätte es wohl nicht geglaubt. Anzeige
Dabei fing alles so gut an für den Sohn des berühmten Schauspielers Donald Sutherland. Bereits mit 17 Jahren beginnt der 1966 in London geborene Kanadier - sein Großvater ist ein ehemaliger Premier der Provinz Saskatchewan - seine Filmkarriere. In "Max Dugans Moneten" ist er an der Seite seines Vaters zu sehen. Bereits ein Jahr später gewinnt er mit "The Bay Boy" den "Genie Award", das kanadische Pendant zum "Oscar". Durch das Drama "Stand By Me" (1986), den Vampir-Thriller "The Lost Boys" (1987) und den Western "Young Guns" (1988) avanciert der etwas pummelig anmutende Kiefer zu einer Art Teenie-Idol mit der Optik eines Schulschlägers. Obwohl er sich nicht auf eine Rolle festlegen möchte - seine schauspielerische Bandbreite reicht vom Musketier zum Mörder und vom Cop zum Cowboy - wird er das Image des Bad Boys kaum mehr los und schließlich auf die Rolle des Bösewichts festgelegt. Heute blickt Sutherland gelassen auf diese Zeit zurück: "Ich war niemals ein Karriereplaner. Es gibt einige Filme, die ich lieber vergessen würde. Obwohl ich jeden mit den besten Intentionen begonnen habe. Aber manche Filme funktionieren einfach nicht. Wenn ich etwas mehr darüber nachgedacht hätte, wäre mir das bewusst geworden." 1991 geht schließlich seine Beziehung zur Hollywood-Schönheit Julia Roberts wegen einer angeblichen Affäre mit einer Stripperin kurz vor der Hochzeit in die Brüche. Nach ein paar wenige Lichtblicken wie "Eine Frage der Ehre" (1992) folgt das kollossale Karrieretief. Doch 2001 schaffte Sutherland, der dieses Jahr seinen 40. Geburtstag feiert, ein Comeback das seinesgleichen sucht. Nicht das Kino war das Medium, das ihn wieder ins Rampenlicht beförderte. Nein, Sutherland hat seinen neu gewonnenen Ruhm, einen "Golden Globe" (2002), zwei "Screen Actors Guild"-Awards (2004, 2006) und unzählige andere Preise, mit denen er überhäuft wurde und noch immer wird, einer Fernsehserie zu verdanken. Allerdings einer Sendung, die spannender ist als so ziemlich alles, was man sonst so vorgesetzt bekommt, und die schon heute Fernsehgeschichte geschrieben hat. "24" (RTL II wiederholt derzeit die zweite und dritte Staffel, ab Januar 2007 soll hierzulande Season fünf gezeigt werden), im Grunde ein 24 Stunden langer Thriller, der in Echtzeit erzählt wird, gilt als innovativste und aufregendste Fernsehserie seit "Twin Peaks". Als Jack Bauer, der Chef der (fiktiven) Terroreinheit CTU, durchlebt Sutherland hier an einem Tag Verschwörungen, Anschläge und Entführungen - ein höheres Tempo kann ein fiktives Format nicht gehen. Das Image des ewigen Bösewichts ist er mit der erfolgreichen Echtzeitserie ganz nebenbei auch noch losgeworden und vom einstigen Moppel ist nichts mehr zu erkennen. Mit zunehmendem Alter hat sich Sutherland zum kernigen und attraktiven Action-Helden gemausert, der - die Fans der Kult-Serie haben es mit Freuden vernommen - seinen Vertrag bei "24" bereits um drei Jahre verlängert hat. Das wird die Macher allerdings einiges kosten. Den Deal ließ sich Sutherland mit rund 40 Millionen Dollar vergolden. Wodurch er zum wohl bestbezahlten TV-Darsteller aller Zeiten avancierte. "24" ist's auch zu verdanken, dass Sutherland den Sprung zurück auf die Kinoleinwand geschafft hat. Im Thriller "The Sentinel - Wem kannst du trauen?" ist er als Secret Service-Agent David Breckinridge zu sehen, der den geplanten Mord am amerikanischen Präsidenten vereiteln soll. Wieder einer von den Guten also. Und in der Abwehr von allerlei Anschlägen hat er ja dank "24" mittlerweile reichlich Übung, wenn auch nur vor der Kamera. Vor der Arbeit der wahren Agenten hat Sutherland allerdings gehörigen Respekt: "Ich werde nie den Agenten des Secret Service vergessen, der sich links vor Präsident Reagan stellte, seine Augen schloss und wartete. Er blieb in dieser Situation, um die Schüsse abzuwarten. Hätte ich diesen Mut und diese Geistesgegenwart besessen?", fragt sich der Film- und Fernsehheld, an dessen Seite in "The Sentinel" Michael Douglas als sein Lehrer und alternde Geheimdienst-Legende Pete Garrison agiert. Der Hollywood-Star ist ein guter Bekannter aus alten Zeiten, denn Douglas, Mitproduzent des aktuellen Streifens, hatte 1990 bereits "Flatliners" produziert. Sutherland erinnert sich: "Ich hatte das Vergnügen mit ihm zu arbeiten, als ich noch sehr jung war, und er war gütig und freundlich zu mir." Das macht sich heute bezahlt, denn der TV-Kult-Star ist ein echter Gewinn für Douglas' Thriller. Der wahrscheinlich ganz große Coup steht Sutherland, dem Veteranen aus über 50 Filmen, aber noch bevor. Denn demnächst soll sich Jack Bauer auch auf der Kinoleinwand dem Kampf gegen die Zeit stellen. Am Drehbuch wird derzeit getüftelt. Gerüchten zufolge werden die Dreharbeiten im Frühjahr 2007 beginnen, direkt nach der Arbeit an der mittlerweile sechsten Staffel "24", die schon im Januar 2007 in den USA ausgestrahlt werden soll. Da bleibt Sutherland wenig Zeit zum Verschnaufen. Aber nach Pausen steht ihm wohl nicht mehr der Sinn. Ute Nardenbach |
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