(tsch) Ausnahmsweise darf's in diesem Fall erzählt werden, weil es eigentlich keine tiefere Bedeutung hat: Am Ende des Films geht 'ne Bombe hoch, und sie reißt die Hauptfigur in Stücke. Nichts Besonderes eigentlich, würde es sich bei "American Dreamz" um einen Actionfilm handeln. Ist aber nicht so. Das Hollywood-Debüt von Hugh Grant ist eine Komödie, wäre gerne auch eine Satire und ist alles in allem vor allem eine ziemlich wirre Angelegenheit.
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Der Autor und Regisseur Paul Weitz hat eigentlich Unmögliches versucht: Er nahm sich das Thema Casting-Shows vor und vereinte es mit dem Thema Terrorismus. Wenn man die 107 Minuten gesehen hat, fällt das Fazit klar aus: Das ist wie Schoko-Aufstrich und Gurken. Das passt nicht.
Obwohl auch in den USA Hugh Grant als Zugpferd funktionieren sollte, ist "American Dreamz" in erster Linie ein Ensemble-Stück. Grant ist da eigentlich nur die Randfigur: Er spielt den Moderator einer TV-Casting-Show, eine Art Spengemann oder Schreyl also, nur weit professioneller. Ein charmanter Präsentator, der zudem Bohlen-artig sehr wohl um die Bedeutung des Marketings weiß. Und hier wird er mit einer Idee konfrontiert, die diesem Film ganz und gar nicht gut tut, führt sie ihn doch inhaltlich ad absurdum und nimmt ihm jede Authentizität, die es braucht, um als Mediensatire ernst genommen zu werden: Der Moderator nämlich bekommt ein Angebot vom Weißen Haus , nachdem man doch den amerikanischen Präsidenten in die Jury der Finalshow setzen könnte.
Dennis Quaid, ihn zu sehen, ist zweifellos immer wieder eine Freude, spielt diesen mächtigsten Mann der Welt. Er ist, so will es das Buch, hier mehr dümmliche Marionette, die sich dank ihres Umfelds plötzlich um die Eigen-PR sorgt. Der Präsident soll sich als Mann aus dem Volke zeigen, glauben sein Berater.
Nicht ganz so weit weg von der Realität ist der zweite Handlungsstrang, der die Teilnehmer der Show in den Mittelpunkt rückt. Da ist zum Beispiel Sally (Mandy Moore), die über Talent verfügt, singen kann und sich daher gute Chancen ausrechnet. Vor allem aber ist sie ein karrieregeiles Gör, was in einigen höchst unterhaltsamen Szenen deutlich wird. Da kommt das Team der Show ganz überraschend zu ihr nach Hause, um ihr mitzuteilen, dass sie unter den Kandidaten ist. Sie bricht in hemmungslosen Jubel aus, doch die Kamera läuft nicht. Aber Sally, ganz Profi, macht's freilich nochmal.
Ihr gegenüber steht schließlich der amerikanisch-arabische Sänger Omer (Sam Golzari), der eher versehentlich erwählt wird, dann aber den Auftrag erhält, vor aller Augen bei der Live-Übertragung den Präsidenten in die Luft zu jagen. Geradezu fahrlässig geht das Drehbuch in der Folge mit dieser Idee um, nutzt sie ein ums andere Mal als komödiantische Grundlage und wird damit dem ernsthaften Hintergrund rund um Glaubenskriege, Terror und Vorurteile nicht gerecht.
Keine Frage: Eine Medien-Satire, die hinter die Kulissen des Musikgeschäfts blickt, die den Casting-Wahn samt einer Jugend aufs Korn nimmt, die vom Leben als Superstar träumt, war überfällig und hätte für sich genommen wohl auch funktioniert. Hier aber rückt dieses Thema im Verlauf des Films zunehmend in den Hintergrund, ist nurmehr Bühne für ein terroristisches Bedrohungsszenario. Das wird zwar nie wirklich ernst genommen, beherrscht aber den Fortgang der Handlung. Schade um eine gute Idee ...
Kai-Oliver Derks
Credits: V:UIP, USA 2006, R: Chris Weitz, Paul Weitz, D: Hugh Grant, Mandy Moore, Dennis Quaid u.a.
Laufzeit: 107 Min.
Martin Tweed (Hugh Grant) weiß, dass seiner Show der amerikanische Präsident in der Jury gut zu Gesicht stehen würde. (2006 Universal Studios)
Sally Kendoo (Mandy Moore) träumt davon Superstar zu werden. Und Martin (Hugh Granbt) kann ihr sicher dabei helfen. (2006 Universal Studios)
Der amerikanische Präsident (Dennis Quaid, links) sonnt sich im Glanz der Show, die von Martin Tweed (Hugh Grant) moderiert wird. (2006 Universal Studios)