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The Sentinel - Wem kannst du trauen?(tsch) Michael Douglas schickt sich an, Amerikas letzte weiße Weste zu beschmutzen. Das bisher von schwarzen Schafen verschonte Gebiet ist der Secret Service. 150 skandalfreie Jahre geben Anlass zur Spekulation. Rein fiktiv, natürlich, im kurzweiligen, Star-besetzten Thriller "The Sentinel". Anzeige Der eindimensionale Held ist ja etwas aus der Mode gekommen. Schade eigentlich. Aber nun haben gleich drei Schauspieler die Möglichkeit, eine der Filmtugenden mit dem meisten Esprit auszuleben: Michael Douglas, Kiefer Sutherland und "Desperate Housewife" Eva Longoria dürfen sich ungeniert im Genre "coole Sau" wälzen. Zuvorderst hat Pete Garrison (Douglas) in seiner Funktion als Secret-Service-Ausnahmeerscheinung Ronald Reagan vor einer Kugel gerettet und ist seither in seiner Abteilung eine lebende Legende. Schneidig sieht er aus. Als seine Integrität angezweifelt wird, kommt Kiefer Sutherland als "Fast so guter" ins Spiel. Ehrgeizig und privat mindestens so unglücklich wie Achtziger-Ikone Mel Gibson in "Lethal Weapon", zieht er die persönliche Fehde gegen Garrison der Wahrheit vor, bis ihn die Umstände zum Gegenteil zwingen. An seiner Seite: Eva Longoria, ein an der Waffe ausgebildetes Geschoss und ambitioniertes Arbeitstier. Drehbuchautor George Nolfi, der Gerald Petievichs Roman bearbeitete, liefert die Präzision, die ein Leben als Leibwächter mitbringt. Anders als "Bodyguard" Kevin Costner und der müde Clint Eastwood in Wolfgang Petersens "In the Line of Fire" wirkt Douglas zu jeder Zeit souverän. Dank seiner schnell zur Kultserie avancierten Echtzeit-Jagd "24" kehrt Sutherland auf die große Leinwand zurück, um seinen alten Lehrer und Freund in die Enge zu treiben - eine Bereicherung für den von Michael Douglas mitproduzierten Edel-Thriller. Schnell und präzise sind die Dialoge, die Streitgespräche und natürlich der Ablauf. George Nolfi hat geübt - und zwar bei Soderberghs "Ocean's Twelve". Dagegen erschien der "Sentinel" vermutlich als Fingerübung, jedenfalls war sich Nolfi - zu Recht - seiner Sache so sicher, dass auch er gleich co-produzierte. Der integere, loyale Bewacher Douglas steht im Verdacht, Informationen weiterzugeben, die in einen Mordanschlag auf den Präsidenten münden. Sein ihn hassender Schüler Sutherland nimmt die Verfolgung auf. Auf der Flucht entwickelt sich der erfahrene, allzeit ins rechte Licht gesetzte Senior zum kleinen McGuyver, der aus einem Fingerhut ein Megaphon bastelt und dem Secret Service immer einen Schritt voraus ist. Das klingt alles nach Standardsituationen. Das stimmt, keiner lehnt sich hier besonders weit aus dem Fenster. Doch die äußeren Umstände stimmen wie die inneren Werte. Die Schauspieler präsentieren Charakter, die Herren hinter den Kulissen bemühen sich um eine fantasievolle Verknüpfung von Realität und spannenden Momenten. Selten stellt Regisseur Clark Johnson die Ereignisse in den Dienst der Optik, aber in Starkino dieser Größenordnung dürfen Scheiben schon mal in einer hübschen Choreografie bersten. Die Longoria, sonst sehr überzeugend, jagt Verbrecher auch in Stöckelschuhen, aber was soll's: Sie sieht aus wie Victoria Beckham, als sie noch Posh Spice war. Nur Kim Basinger trägt einen besorgten Gesichtsausdruck spazieren. Sie wäre der einzige Schwachpunkt, doch ihre Aufgabe als Präsidentengattin geht nicht wirklich über die eines gut bezahlten Statisten hinaus. Das Gelingen von "The Sentinel" ist Clark Johnsons Verdienst, der mit einem kurzen Auftritt als Douglas' Kollege die Geschichte ins Rollen bringt und sich dann auf seinen Regiestuhl zurückzieht. Die Suche nach dem Bösen bleibt immer sekundär, der Weg ist ohnehin das Ziel und das elegante Ende in diesem Sinne ein würdiger Abschluss. Claudia Nitsche |
Credits: Laufzeit: 108 Min. |
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