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Stoned

Stoned

(tsch) In den letzten sieben Monaten sah man im Kino eigenartige Biografien. Das Leben sperriger Charaktere auf die Leinwand zu transportieren, seltsamen Männern wie den Autoren Truman Capote (dargestellt von Philip Seymour Hoffman) und Charles Bukowski (Matt Dillon) ein filmisches Denkmal zu setzen, ist nicht leicht. Denn sie sind keine Helden, haben im Großen und Ganzen nicht mal sympathische Charakterzüge. In diese Reihe fügt sich nun Drogen- und Wunderkind Brian Jones ein, Mitbegründer der Rolling Stones. Regisseur Stephen Woolley versucht sich an einer tiefgründigen Erzählung.

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Selbst in den 60er-Jahren im Norden Londons aufgewachsen, beschäftigte sich der Regisseur und Produzent unendlich lange mit den Recherchearbeiten. Er wollte alles wissen, was mit dem Datum des 2. Juli 1969 zusammenhing. In jener Nacht starb Brian Jones, ertrank in seinem Swimming Pool. Das Ende eines Hippie-Traums und der Ausgangspunkt, um die vergessene Welt von Brian Jones ans Licht zu zerren, seinen Hedonismus, die Naivität der Sechziger und die nicht bewiesene Mordtheorie. Woolley will nicht nur Drogenkonsum und Manipulation beleuchten. In dieser Geschichte hat auch eine besondere Form von Optimismus - für den der Charakter von Jones steht - viel Raum. Eine euphorische Jugend, die vom Establishment abgeschliffen wurde, um in der Selbstzerstörung zu enden.

Das wichtigste Kriterium ist in solchen Fällen stets, ob es gelingt, in die Tiefe zu gehen, Einblicke und Zusammenhänge zu schaffen, mehr Informationen zu liefern als der gemeine Musikfan bis dato kennt. Das gelingt Woolley in seinem professionell inszenierten Regiedebüt. Seit mehr als 20 Jahren arbeitet der ehemalige BAFTA-Vorsitzende in der Branche, finanzierte bereits 1986 David Bowies "Absolute Beginners". Derzeit läuft der von ihm co-produzierte "Breakfast on Pluto" in den Kinos. Bereits vor zwölf Jahren befasste sich Woolley, wiederum als Produzent, mit einer ähnlichen Geschichte, nämlich der des fünften Beatles in "Backbeat".

Formal ähnelt "Stoned" allerdings mehr Jonathan Rhys Meyers' Meisterstück "Velvet Goldmine", der auch mehr über eine musikalische Ära als über eine einzelne Band erzählt. Woolley will eher die Persönlichkeit definieren denn über die Tatsache lamentieren, dass Brian Jones Miglied der Stones war. Hilfreich ist der unbekannte Leo Gregory in der Hauptrolle, dessen Ähnlichkeit mit dem jungen Kinski überhaupt nicht stört. Das passt im Gegenteil ganz gut.

Noch recht marktschreierisch ist der psychedelische Einstieg, der den Tod Jones' dokumentiert und mit vielen aufblitzenden Sequenzen die Schlagworte Liebe, Gewalt, Drogen, Blut, Sex und Tiere illustriert. Danach folgt kurz das lieblose Elternhaus. Der restliche Film konzentriert sich auf die letzten drei Monate vor dem Tod des damals 27-Jährigen. Eine mutige Entscheidung, denn je kürzer die gewählte Zeitspanne, desto mehr muss man sich auf seine Recherchen verlassen können. Mit einem schnellen Anstupsen ist da nicht viel.

Tatsächlich gelingt es dem Regisseur auf dem Grundstock einer ansprechenden Deko und authentischen Kostümen aufzubauen. Vorsichtig, fast verschwiegen gestaltet er sein Porträt und malt die Zwischenräume aus. Zunächst irritiert die recht große Rolle des Architekten Thorogood (Paddy Considine), der das Landhaus des Musikers umbaut. Doch nach der Abkehr der übrigen Stones erobert sich der demütige Biedermann, der optisch an Stephen Rea erinnert, einen Platz im Leben von Brian Jones. Beide sind voneinander angewidert und in gleichem Maße fasziniert.

Zwischen den von LSD-Trips ausgelösten Farbverfremdungen und Bewegungsunschärfe entdeckt der Zuschauer kleine Gesten, Selbstreflexion, einsame Momente, die aber wieder in brutalen Egoismus umschlagen. "Stoned" ist letztlich fast zu gleichen Teilen eine Psychoanalyse der Hauptfigur wie auch des Bauingenieurs.

Claudia Nitsche

Credits:
V:3Rosen, GB 2005, R: Stephen Woolley, D: Leo Gregory, Paddy Considine, Ras Barker u.a.

Laufzeit: 103 Min.


1962 gründete der begnadete Musiker Brian Jones (Leo Gregory) die "Rolling Stones".
1962 gründete der begnadete Musiker Brian Jones (Leo Gregory) die "Rolling Stones". (3Rosen)

Brian Jones (Leo Gregory) war ein sehr exzentrischer Typ.
Brian Jones (Leo Gregory) war ein sehr exzentrischer Typ. (3Rosen)

Brian Jones (Leo Gregory, links) bespricht mit Frank Thorogood (Paddy Considine) die Umbauarbeiten an seiner Villa.
Brian Jones (Leo Gregory, links) bespricht mit Frank Thorogood (Paddy Considine) die Umbauarbeiten an seiner Villa. (3Rosen)

Datum: 18.06.2006

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Diskussion: "Stoned"

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