Peter Fonda

"Jeder hat seinen großen Moment"

Schauspieler Peter Fonda

(tsch) Mit seinen 66 Jahren kann Peter Fonda auf eine Karriere zurückblicken, die der seines Vaters Henry Fonda nicht nachsteht. Dabei versuchte Peter die längste Zeit seines bisherigen Lebens, sich so weit wie möglich von seinem Vater abzugrenzen. Sein größter Coup liegt Jahrzehnte zurück: Mit "Easy Rider" (ab 29.06. als Wiederaufführung in den Kinos) wurde der New Yorker zum Weltstar. So schillernd seine Rolle des markigen Rebellen war, der mit seinem laut knatternden Motorrad die Freiheit des (wilden) Westens genießt, so schillernd war auch sein Leben: Sein schwieriges Verhältnis zu Henry Fonda hatte ebenfalls Kinoqualitäten. Der Sohn bewältigte es auf seine ganz eigene Weise, wie er im Interview erzählt.

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teleschau: Sie sind das, was man eine Filmlegende nennt. Wie sehen Sie sich selbst?

Peter Fonda: Die Begriffe "Star" oder "Legende" sind Bezeichnungen, die, so glaube ich, nicht so recht bei mir zutreffen.

teleschau: Die meisten sehen das anders ...

Fonda: Man sollte doch eigentlich die Frage stellen, ob ein Schauspieler eine Geschichte darstellen und transportieren kann. Es gilt, diese Illusion so glaubwürdig wie möglich zu verkörpern, sodass der Zuschauer es für bare Münze hält. Vielleicht half mir dabei besonders meine Ausstrahlung, die sofort auf die Leute wirkt, wenn ich den Raum betrete. Es ist wundervoll, wenn man eine friedvolle und liebenswerte Wirkung auf andere hat. Manche haben diese Gabe.

teleschau: Ärgert Sie heute noch, dass Sie für eine breite Öffentlichkeit stets das wandelnde Klischee des "Easy Rider" waren?

Fonda: Das ärgert mich überhaupt nicht. Es war schließlich eine tolle Zeit damals: Wir hatten großartigen Sex an allen möglichen Orten. Es macht mir nichts aus, wenn mich die Leute als wandelndes Klischee betrachten. Diesem Bild entspreche ich gerne.

teleschau: Brachte das Engagement damals denn nicht auch Nachteile?

Fonda: Nun, manchmal hatte ich ein mulmiges Gefühl, weil sich die Leute nie für meine anderen Filmprojekte zu interessieren schienen. Ich war halt der Kämpfer gegen das Establishment, der Marihuana rauchte und sein Motorrad über die Highways jagte. Als jemand anderes taugte ich wohl nicht - auch heute nicht. Aber selbst wenn ich mich um eine Fortsetzung von "Easy Rider" bemühte: Gefallen würde das den Kritikern bestimmt auch nicht.

teleschau: Wie viel Verständnis bekamen Sie von Ihren Kindern, dass Sie "Easy Rider" zu einer Kultfigur gemacht hat?

Fonda: Sie haben sich "Easy Rider" gerne angesehen. Aber es war nicht das beste Beispiel: In "Der weite Ritt" von 1971 zum Beispiel kann man sich ihrer Meinung nach viel besser in die Charaktere hineinversetzen. Aber generell fanden sie es einfach toll, dass Schauspieler so wandlungsfähig sind und mit ihrer Ausstrahlung eine Rolle ausfüllen können. Das ist schließlich ja auch ihr Job - und meiner.

teleschau: Wenn Sie heute auf Dennis Hopper treffen, sprießen Gerüchte, ob Sie sich nun in Freund- oder Feindschaft begegnen. Wie verhält es sich denn nun?

Fonda: Er ist der Überzeugung, dass nur er allein "Easy Rider" geschrieben hat. Das soll ich ihm sogar schriftlich bestätigen. Er piesackt mich damit schon lange. Ich erinnere mich aber noch ganz genau: Ich rief ihn eines Morgens an, weil ich eine Super-Idee für einen Film hatte. Ich dachte, er könnte Regie führen. Ich würde das Projekt dann produzieren. Wir beide könnten das Drehbuch schreiben und dazu noch die Hauptrollen spielen. Mir war von Anfang an klar, dass wir damit eine Menge Geld verdienen würden. Doch Dennis glaubt, ich hätte ihn um Millionen betrogen. Aber vertraglich war es so geregelt, dass er ein Drittel jener Einnahmen erhalten sollte, die ich mit meiner Firma durch den Vertrieb von "Easy Rider" erwirtschaftete. Schlussendlich bekam er sehr viel mehr, als wir eigentlich ausgemacht hatten.

teleschau: War Ihr Vater stolz auf Ihren Erfolg?

Fonda: Ach, er kam einfach nicht aus sich heraus. Sein Blick war voller Sorge: Die Geschichte war ihm einfach zu dünn - vor allem angesichts des vielen Geldes, das ich darin investiert hatte. Er wollte wissen, worum es eigentlich geht, auf welcher Reise sich mein Filmcharakter befindet. Ich erklärte es ihm zwar, aber verstanden hat er es nicht. Er glaubte, das Publikum würde mich mit Ignoranz strafen. Später gab er zu, dass ich ihn, was den Erfolg angeht, übertroffen habe. Doch konnte er es sich nicht verkneifen, den Film als unverständlich zu bezeichnen.

teleschau: Sehen Sie sich selbst gerne auf der Leinwand?

Fonda: Das konnte ich noch nie. Das war natürlich ein Problem, als ich bei "Der weite Ritt" Regie führte und gleichzeitig die Hauptrolle spielte. Ich bin da sehr verhalten, weil die Gefahr groß ist, dass man nach den Dreharbeiten im Schneideraum sitzt und sich in sich selbst verliebt. Dann möchte man unbedingt Szenen im Film haben, die eigentlich sofort herausgeschnitten werden müssten. Was fehlt, ist die Objektivität. Daher zwang ich mich zu einer ganz pragmatischen Haltung: Miese Szene, weg damit! So habe ich mich vielleicht etwas zu oft rausgeschnitten.

teleschau: Können Sie ohne Reue auf Ihr bisheriges Leben zurückblicken?

Fonda: Mir geht's blendend. Aber in jungen Jahren habe ich meinen Namen gehasst. Ein Fonda zu sein, bedeutet ja im Grunde auch gar nichts. Ich hasste meinen Vornamen Peter - für mich nichts weiter als ein schwächlicher Name. Das übertrug sich auch auf mein Selbstbewusstsein. Ich war als Kind außerdem sehr mager, fast schon mädchenhaft. Das machte mir alles schwer zu schaffen. Ich begriff nicht, dass mein Vater ein berühmter Schauspieler war. Ich versuchte nur, ein Teil einer Familie zu sein, die es nicht gab. Meine Freunde wollten mich aufmuntern, meinten, "Peter" bedeute Rock'n'Roll und sei alles andere als schwächlich. Doch was mich dann wirklich aufbaute, war, als ich von der Herkunft des Namens Fonda erfuhr.

teleschau: Wo kommt der Name denn her?

Fonda: Meine Ahnen stammen aus Italien. Der Name hatte seinen Ursprung im 13. Jahrhundert und bedeutete so viel wie "Grundlage", "Boden". Was kann es also Fundierteres geben? Von diesem Moment an gab es für mich nur eine Richtung: ganz nach oben. Ich habe nie mehr daran gedacht, meinen Namen ändern zu lassen. Mein Vater machte den Namen Fonda zu einem Markenzeichen. Ich glaube, ich kreierte mit "Easy Rider" ein noch berühmteres Markenzeichen als Phanal meiner Unsterblichkeit.

teleschau: Wie würden Sie rückblickend Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater beschreiben?

Fonda: Als schwierig. Ich musste ihm doch tatsächlich beibringen, mir sagen zu können, dass er mich liebt. Ich machte das genauso, als wenn ich auf dem Regiestuhl gesessen hätte: Zuerst versuchte ich es am Telefon, gab ihm die nötige Distanz. "Deine Uhr läuft ab", sagte ich, und: "Du hast keine Timeouts mehr." Das ist ja ein geflügeltes Wort im Basketball. Ich meinte damit: Bald würde er sterben. Ich befahl diesem großen Schauspieler also, die bedeutenden Worte "Ich liebe Dich, Sohn" zu sagen. Aber er legte einfach auf. Ganze fünf Mal gingen wir dieses Procedere durch, spielten dieses Spiel. Am Ende presste er es so schnell wie möglich zwischen seinen Zähnen hindurch. Damit gab ich mich aber nicht zufrieden. Es sollte von Herzen kommen. Schließlich hat meine Hartnäckigkeit gesiegt.

teleschau: Klingt fast so, als hätten Sie dabei Spaß gehabt.

Fonda: Es war reines Entertainment. Ich war gerade mit Dreharbeiten beschäftigt, als ich 1981 angerufen wurde, dass mein Vater bald sterben würde. Ich flog natürlich sofort nach Los Angeles ins Krankenhaus. Als ich das Krankenzimmer betrat, standen alle betrübt um das Bett meines Vaters herum. Ich aber sagte einfach: "Was ist denn hier los? Ach, willst du uns etwa vormachen, du hättest ein Herzproblem? Hör' doch auf damit! Deine Schwestern machen sich unnötig Sorgen." Dabei ging ich langsam ums Bett. "Nun sag' schon, Vater: Du willst doch nur die Krankenschwestern verführen. Was für eine Schande! Kaum zu glauben, dass du deine Familie so traurig machst, nur um deinen Spaß zu haben." Dann drückte ich ihm einen dicken Kuss auf die Stirn und verließ den Raum. Ich musste einfach tief Luft holen.

teleschau: Eine Szene wie aus einem Film ...

Fonda: Es war wie bei "Easy Rider". Jeder hat seinen großen Moment.

Leif Kramp


"Easy Rider" - einer der Filme, die Peter Fonda zur Hollywood-Legende werden ließen.
"Easy Rider" - einer der Filme, die Peter Fonda zur Hollywood-Legende werden ließen. (Neue Visionen)

Jack Nicholson (links) und Peter Fonda spielen die Hauptrollen im Filmklassiker "Easy Rider", der am 29.06. als Wiederaufführung in die deutschen Kinos kommt.
Jack Nicholson (links) und Peter Fonda spielen die Hauptrollen im Filmklassiker "Easy Rider", der am 29.06. als Wiederaufführung in die deutschen Kinos kommt. (Neue Visionen)

1996 spielte Peter Fonda (rechts) an der Seite von Kurt Russell in "Escape from L.A." und feierte damit ein eindrucksvolles Comeback auf der Leinwand.
1996 spielte Peter Fonda (rechts) an der Seite von Kurt Russell in "Escape from L.A." und feierte damit ein eindrucksvolles Comeback auf der Leinwand. (Paramount Pictures)

Datum: 29.06.2006

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