Schon die Frage, ob die Welt nun unbedingt noch eine weitere filmische Variation über die amourösen Abenteuer des wohl berühmtesten Liebhabers, Frauenschwarms und Herzensbrechers aller Zeiten braucht, zieht nicht zwingend ein klares "Ja" nach sich. Lasse Hallströms "Casanova" (2005) gibt sich zwar große Mühe, der altbekannten Geschichte neuen Drive zu geben, scheitert aber an einem schwachen Schauspielensemble. Der Regisseur betont vor allem den romantisch-komödiantischen Ansatz und bringt seinen potenten Helden arg in die Bredouille, weil es eine von ihm verehrte Dame doch tatsächlich fertig bringt, ihn abzulehnen. Der Film, der in Deutschland nur knapp 450.000 Besucher in die Kinos locken konnte, ist nun auf DVD erhältlich.
Dieser Giacomo Casanova wird gespielt von Heath Ledger ("Brokeback Mountain"), der sich hier als eklatante Fehlbesetzung entpuppt. Zum einen taugt er nicht als romantischer Held, zum anderen verfügt er nur über ein sehr limitiertes schauspielerisches Talent, was gerade in den vielen komischen Szenen negativ zu Buche schlägt.
Und es fehlt auf ganzer Linie die Chemie zwischen Ledger und einer ebenfalls erschreckend blassen, in der Traumfabrik dennoch hoch gehandelten Sienna Miller, die das unwillige spröde Fräulein Francesca gibt. Hallström übertüncht diesen Mangel geschickt, indem er seinem imposanten Nebendarsteller-Ensemble möglichst viel Platz einräumt. Da wäre zum Beispiel ein hoffnungslos manieriert agierender Jeremy Irons, der als sittenstrenger Bischof dem unkeuschen Hallodri an den Kragen will.
Insgesamt beschränkt sich Hallström auf banales Boulevard. Es kommt zu den üblichen Verwechslungen und Missverständnissen, man wechselt munter die Partner wie die Hemden, es wird ein bisschen frivol bis schlüpfrig, und wenn man schließlich der Obrigkeit ein Schnippchen geschlagen hat, dann sinkt man sich fröhlich glucksend in die Arme. Ganz schön einfach macht es sich da der Regisseur, der doch sonst auf so unnachahmliche Art und Weise Entertainment mit Niveau verknüpfen kann.
Die atmosphärischen Bilder von Venedig überzeugen in der digitalen Aufbereitung durch gute Kontraste und präzise Schärfewerte. Der Sound fängt klar und rauschfrei die Geräuschkulisse der Lagunenstadt ein. Überzeugen kann das Making Of, das den Zuschauer ins 18. Jahrhundert versetzt und Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Kostümfilms gibt. Die Ansichten Venedigs sind mehr als nur aneinander gereihte, statische Bilder: Der mit den Kommentaren der Filmschaffenden unterlegte, kleine Film erzeugt drängendes Fernweh und entpuppt sich als Ode an die im Wasser versinkende Stadt.