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Das Haus am See

Das Haus am See

(tsch) Kinos laden zum Träumen ein. Die Flucht aus dem Alltag ist immer noch ein verbreiteter Motivationsgrund, um sich mit hunderten Unbekannten in einen dunklen Saal vor eine Leinwand zu setzen. Da ist es nebensächlich, ob die vorgeführte Geschichte Sinn macht. Bei einer Romanze kommt hinzu, dass in der Liebe sprichwörtlich alles erlaubt ist, sogar Zeitsprünge. So wurde Meg Ryans "Kate & Leopold" zwar von der Kritik abgestraft, fand aber immer noch ein Millionenpublikum, dass gerne miterlebte, wie ein Edelmann aus dem Jahre 1876 in die Gegenwart katapultiert wird und sich in eine taffe Geschäftsfrau verliebt. Nun streben auch Sandra Bullock und Keanu Reeves nach ihrem gemeinsamen furiosen Karrierestart mit der Bus-Action "Speed" wieder zueinander - mit dem geringfügigen Problem einer unüberwindlichen Raum/Zeit-Hürde.

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"Das Haus am See" erzählt die hochemotionale Geschichte einer Ärztin (Bullock), die sich über einen Briefkasten in einen Architekten (Reeves) verliebt. Das Publikum ist zwar gehalten, den Sinn fürs Logische zu Hause zu lassen, doch keineswegs die Taschentücher. Die Paarung Bullock/Reeves verspricht sympathisch-humorvolle und doch hauchzarte Romantik.

So ehrlich die Darsteller, so wenig glaubhaft die Geschehnisse: Kate Forster verlässt ihr Stelzen-Haus an einem See inmitten eines herrlich ursprünglichen Naturparadieses nahe Chicago. Sie möchte wieder in einem Krankenhaus arbeiten, die Zivilisation spüren. Ihrem Nachmieter hinterlässt sie eine handgeschriebene Notiz im typisch amerikanischen Briefkasten mit roter Schwenkfahne - darin die Bitte, ihre Post nachzusenden.

Doch Alex Wyler, Sohn eines Architekturpapstes, findet ein fast verfallenes Haus am See vor, in dem augenscheinlich seit Jahren niemand mehr gewohnt haben kann. Seine Antwort an die "Vormieterin" fällt deutlich aus: Er ist beleidigt, macht sich aber schon mal ans Werk, um sein neues Domizil auf Vordermann zu bringen.

So schreiben sich die beiden kurze Briefchen, stets über den Briefkasten am See. Irgendwann stellt sich heraus: Kate verlässt das Haus im Jahre 2006, doch Alex bezieht es auf den Tag genau zwei Jahre vorher. Mit der Zeit schwinden letzte Zweifel an der Tatsächlichkeit dessen, was geschieht, und der Blick ist frei für wirklich wichtige Dinge: Schließlich entdecken beide im Gegenüber ihren Seelenverwandten. Ihre einzige Verbindung: Ein Briefkasten zwischen den Zeiten.

Der argentinische Regisseur Alejandro Agresti geht in seinem Hollywooddebüt, dem Remake des koreanischen Liebesfilms "Siworae" aus dem Jahr 2000, nicht den einfachsten Weg: Er lässt sich Zeit, möglichst authentisch die wachsende Zuneigung zwischen zwei Menschen, die mit Anfang 40 bislang die große Liebe verpasst haben und nun vor der Entscheidung stehen, eine Vernunftbeziehung einzugehen, zu entwickeln. Die Authentizität ist freilich allein auf die emotionale Annäherung zu beziehen; die Art der Begegnung und der Prozess des Kennenlernens dagegen ist eine schöne Metapher für die zeitversetzte Kommunikation per handgeschriebenem Brief und der Ansicht, man solle nicht auf Äußerlichkeiten achten, wenn es um den Partner fürs Leben geht.

Natürlich verzichtet auch Agresti nicht auf einen Schock-Moment, der kurz vor einem vermeintlichen Happy End noch einmal auf- und dann anrühren soll. Doch dieser berechnenden Attacke auf die Tränendrüsen des Zuschauers steht eine natürliche Darstellung der Lebensumstände beider Liebenden gegenüber: Der aufzehrende Alltag der Ärztin im turbulenten Krankenhausbetrieb auf der einen, der schwierige Stand eines bodenständigen Architekten wider allen Allüren, der sich als Gegenpart seines selbstsüchtigen Star-Papas entwerfen möchte, aber doch nicht ohne seine familiären Bande kann, auf der anderen Seite.

So erzählt der Film eigentlich zwei Geschichten einer besonderen Liaison: Die des Paares und jene zwischen der beeindruckenden Städtearchitektur der Metropole Chicago und dem häuslichen Ruhepol inmitten eines ländlichen See-Idylls. Die schönste Szene des Films, freilich neben dem Kuss der Protagonisten: Der zupackende Alex greift sich einen Jungbaum, lädt ihn auf seinen Pritschenwagen und fährt in das betonierte Herz Chicagos, um ihn direkt vor einen massigen Neubau zu pflanzen, damit das Gewächs zwei Jahre später für seine Liebste blüht. "Das Haus am See" ist also genauso ein Appell an das Neben- und Miteinander von Natur und Urbanisierung, auch wenn die Hauptfiguren sehr viel dreckigen Sprit verfahren, um sich ständig über den Briefkasten in der Wildnis auszutauschen.

Leif Kramp

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Alejandro Agresti, D: Sandra Bullock, Keanu Reeves, Christopher Plummer u.a.

Laufzeit: 98 Min.


Kate Forster (Sandra Bullock) möchte ihr Leben verändern und zieht in die Stadt.
Kate Forster (Sandra Bullock) möchte ihr Leben verändern und zieht in die Stadt. (2006 Warner Bros. Ent.)

Für den Architekten Alex Wyler (Keanu Reeves) hat das Haus am See eine ganz besondere Bedeutung.
Für den Architekten Alex Wyler (Keanu Reeves) hat das Haus am See eine ganz besondere Bedeutung. (2006 Warner Bros. Ent.)

Kate (Sandra Bullock) und Alex (Keanu Reeves) kommen sich näher.
Kate (Sandra Bullock) und Alex (Keanu Reeves) kommen sich näher. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 02.07.2006

Diskussion: "Das Haus am See"

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