logo
Anzeige
Ultraviolet

Ultraviolet

(tsch) Für Milla Jovovich läuft es im Moment nicht so gut, obwohl die Zahlen anderes vermuten lassen. Mit ihren 30 Jahren war die gebürtige Ukrainerin bereits Titelheldin in zwei beispiellosen Science-Fiction-Erfolgen; einem davon folgte gar eine gewinnträchtige Fortsetzungsreihe. Der französische Produzent und Kult-Regisseur Luc Besson machte die Jovovich mit "Das fünfte Element" weltweit bekannt - und zu seiner Frau. Die Ehe wurde zwar 1999 nach nicht einmal eineinhalb Jahren geschieden, doch war die Karriere des schauspielernden Models nicht mehr aufzuhalten. So scheint es; denn die Computerspielverfilmung "Resident Evil" war Milla Jovovichs bislang größter Erfolg und gleichzeitig doch auch fatalster Fehlgriff. Seit sie als unverwüstliche Kampfmaschine namens Alice fleischeslüsternen Untoten und fiesen Verbrechern auf meist unappetitliche Weise das Lebenslicht auspustete, scheint sie für andere Rollen verdorben. Und so als störe sie das nicht, legt sie noch einen drauf: Als Mutantin Violet mit dem Beinamen Song jat Shariff kämpft sie in "Ultraviolet" diesmal in einer Pseudo-Leinwandapaption eines fiktiven Comics für eine leidlich gute Sache.

Anzeige

 

Aber das Drehbuch! Was sich Regie- und Drehbuchwunderkind Kurt Wimmer, den seit seinem Coup "Equilibrium" der Hauch eines Genies umgibt, da zusammengedacht, -geschrieben und -gedreht hat, lässt das süßeste Popcorn fade werden: Menschen mutierten durch Biowaffen zu Vampiren. Nicht Soldaten wie Kampfmaschinen wurden geschaffen, sondern bleiche Wesen, denen es nach Blut dürstet. Gelenkig und kampfeslustig sind sie zwar auch, aber eben unerwünscht. Und so tobt ein Bürgerkrieg zwischen Anormalen und Normalen, angeführt von einem ruchlosen Diktator. Als prominentes Opfer der Gewalt wird bald ein argloser Junge ausgemacht, der offenbar die letzte Rettung für die Vampirmenschen in Form eines Blutheilstoffes in sich trägt. Er soll von den Menschen getötet werden, was die Heldin der Geschichte mit dem Kampfnamen Ultraviolet (Milla Jovovich) freilich keineswegs geschehen lassen kann.

Wimmers Science-Fiction-Farce, die dem Zuschauer vorgaukeln soll, es handle sich um eine Comic-Verfilmung, ähnelt einem dehnbaren Kaugummi, dessen Blase schon in den ersten Momenten der am Ende kaum noch erträglichen 88 Minuten Lauflänge flugs an Volumen zunimmt, um dann in Phrasendrescherei, flacher Gefühlsduselei und überstilisierten Bildern merklich, schnell und schmerzhaft zu platzen. Die überzeichneten Charaktere, allen voran die Diktatorenfigur Vicecardinum Ferdinand Daxus (Nick Chinlund), könnten tatsächlich aus einem Comic stammen, doch wohl nur aus einem misslungenen, den kein Studio hätte verfilmen wollen. Auch der 13-jährige Cameron Bright, bekannt aus den Gruselflops "Godsend", "Birth" und "Butterfly Effect", ist kein neuer Haley Joel Osment, der selbst zugegebenermaßen längst kein Kindstar mehr ist und - gerade achtzehn Jahre alt geworden - seit seinem Erfolg mit "The Sixth Sense" auch nicht mehr nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnte.

Es wird viel gehauen, gestochen und geschossen in Wimmers Kaugummi-Träumereien über eine potente Superheldin ohne Witz, Charme und leider mit der Ausstrahlung einer Rundablage. Die vorhersehbaren Handlungsschritte langweilen, die gewollt grelle Visualität, gepaart mit einer horriblen Musikuntermalung, vergraulen. Das US-amerikanische Kinopublikum strafte diese cineastische Zeitverschwendung mit einem Einspielergebnis von etwa 18,5 Millionen Dollar bei geschätzten Produktionskosten von 30 Millionen Dollar.

Milla Jovovich jedenfalls gefällt ihr sprungfeudiges Wechseln zwischen inhaltsleeren Actionstoffen und anspruchsvolleren Werken wie dem Rachedrama ".45", das noch dieses Jahr in die Kinos kommen soll, wohl sehr - ganz nach dem Motto: One for the money, one for the soul.

Leif Kramp

Credits:
V:Sony Pictures, USA 2005, R: Kurt Wimmer, D: Cameron Bright, Milla Jovovich, Nick Chinlund u.a.

Laufzeit: 88 Min.


Violet (Milla Jovovich) profitiert von ihren außergewöhnlichen kämpferischen Fähigkeiten.
Violet (Milla Jovovich) profitiert von ihren außergewöhnlichen kämpferischen Fähigkeiten. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Der neunjährige Six soll von Violet (Milla Jovovich) beschützt werden.
Der neunjährige Six soll von Violet (Milla Jovovich) beschützt werden. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Daxus (Nick Chinlund) will Violet und alle anderen Infizierten auslöschen.
Daxus (Nick Chinlund) will Violet und alle anderen Infizierten auslöschen. (2006 Sony Pictures Releasing GmbH)

Datum: 04.07.2006

Facebook aktivieren

Diskussion: "Ultraviolet"

Um eine Diskussion zu "Ultraviolet" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 171685

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    War on Terror
    Das Zukunftsszenario, das Digital Realitys prachtvoller Echtzeitstrategie-Brocken "War on Terror" zeichnet, geht unter die Haut: In nur zwei Jahren soll die ganze Welt vollends in einen Krieg mit dem Terror ...

    Planet Terror
    Keine Frage: Robert Rodriguez ist ein Multitasker. Oder auch eine One-Man-Show. Er ist Regisseur, Produzent, Drehbuchautor und auch gleich noch sein eigener Komponist. Nach "Sin City", "From Dusk Till ...

    "Planet Terror" erscheint später auf DVD
    Lieber spät als nie: Ursprünglich sollte Robert Rodriguez' Horror-Streifen "Planet Terror" mit Naveen Andrews ("Lost"), Freddy Rodriguez ("Six Feet Under") und Rose McGowan ("Charmed") in den Hauptrollen ...

    Planet Terror
    Sie wollten die billig produzierten Sex-, Karate-, Horror- und Actionfilme aus den Schmuddelkinos ihrer Kindheit wieder aufleben lassen - also taten sich die Regisseure Quentin Tarantino und Robert Rodriguez ...

    The War Within - Vom Opfer zum Attentäter
    Die Täterperspektive hat in Hollywood nicht gerade Konjunktur. In der filmischen Verarbeitung des amerikanischen Terrortraumas brachte etwa Paul Greengrass den gekidnappten "Flug 93" über Pennsylvania ...

    München
    Auch wenn sich Steven Spielberg mit seiner Verfilmung der Biografie Abraham Lincolns einem patriotischen Thema widmet, kann man ihm Angst vor heikleren historischen Stoffen nicht vorwerfen. In "Schindlers ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 31 - id = 1611 - task = view - option = com_content - limitstart= 0