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John Huston
Genialer FlegelRegisseur John Huston (tsch) Er war nicht nur einer der profiliertesten Regisseure der USA, John Huston verfügte auch über eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die ebenfalls einem Drehbuch entsprungen sein konnte. An dem genialsten Flegel unter allen Hollywood-Regisseuren, der durch schlampiges Äußeres provozierte, den Alkohol, Pferderennen und das Glücksspiel liebte und nicht selten eine nette Schlägerei anzettelte, schieden sich die Geister. Als "First-Class-Charakter mit eingeschlagener Nase, leichenhaftem Aussehen, hängenden Schultern, einem zerknitterten Gesicht und wirren Haaren" beschrieb ihn die Zeitschrift "Look" 1948. John Huston wurde vor 100 Jahren, am 5. August 1906, geboren. Anzeige
"In der Umgebung meines Vaters zu sein und von ihm zu lernen, kam mir manchmal rau und barsch vor, war aber sehr nützlich. Es war ein Umfeld voller Intelligenz, Humor und Freude, aber auch mit Problemen", sagte Hustons aparte Tochter Anjelica, die sich als Schauspielerin auf skurrile Charaktere ("The Royal Tenenbaums", "Die Tiefseetaucher") spezialisiert hat. Dilettantismus und Müßiggang waren verpönt. "Meinem Vater war es egal, wer ihm gegenüberstand: Hauptsache, die Person hatte Charakter" - so wie Huston selbst eben. Ehe er seinen Weg zum Film fand, tobte er sich in vielen Gassen aus. Gerne unterstrich der Sohn des irischen Schauspielers Walter Huston seine unkonventionelle Lebenseinstellung. Mit 15 Jahren besuchte er die Militärschule, zwei Jahre später wurde er kalifornischer Meister im Box-Leichtgewicht. John Huston diente in der mexikanischen Armee, schrieb Kurzgeschichten, arbeitete als Grafiker in New York und studierte Malerei in Paris. Erst Ende der 30-er schrieb das Raubein seine ersten und sofort erfolgreichen Drehbücher. Der erste Spielfilm, den er als Regisseur verantwortet, leitete nicht nur Hollywoods berühmte "Schwarze Serie", sondern auch Hustons Erfolgskurs auf dem Regiestuhl ein: "Die Spur des Falken" (1941). Auch später verfilmte er vor allem literarische Werke, wie zum Beispiel Herman Melvilles "Moby Dick" (1956) (Fr., 04.08., 15.10 Uhr, HR) oder Tennessee Williams' "Die Nacht des Leguan" (1963) (Mo., 31.07., 00.20 Uhr, ARD). Gemeinsam mit Humphrey Bogart, der nicht nur im ersten Huston-Film die Titelrolle spielte, protestierte der liberale Regisseur gegen Joseph McCarthys antikommunistische Aktionen. "Der Schatz der Sierra Madre" (1948) brachte nicht nur Huston selbst zwei Oscars ein (Regie und Drehbuch), sondern auch Vater Walter als Darsteller. John Huston wusste seine Schauspieler zu führen - auch, wenn sie zur Familie gehörten: Tochter Anjelica erhielt den Academy Award für ihre Nebenrolle in "Die Ehre der Prizzis" (1985). Nicht nur diese berühmten Filme haben John Huston unsterblich werden lassen. Es ist auch seine ungemein eigenwillige Persönlichkeit, jenes Charisma, das in jedem seiner Streifen seinen Niederschlag gefunden hat. Selbst als alter Mann, mit Rauschebart, schlohweißem Haar und einem Gesicht, das nach all den Jahren so zerfurcht war wie die Küste seiner Wahlheimat Irland, wusste Huston noch zu beeindrucken. Unverwechselbar sind auch Hustons gebrochene Helden: männliche Typen, die nach außen hin oftmals Verlierer sind, im tiefsten Innern jedoch bedingungslos für ihre Überzeugungen kämpfen. "Man sagt, dass ich die Neigung habe, Geschichten auszuwählen, in denen es ironischerweise um Männer geht, die ein trügerisches, unmögliches Ziel anstreben". Sie alle brachten dem Regisseur und auch den Studiobossen viele Dollars ein. Trotzdem lag Huston zeit seines Lebens mit seinen Geldgebern im Clinch und glänzte - so schrieb die Autorin Liliane Ross - "als eine der bewundertsten, aufsässigsten und schattenhaftesten Erscheinungen der Filmwelt". Auch privat liebte der Haudegen den stürmischen Wellengang, war fünfmal verheiratet, hatte unzählige Geliebte und verzockte sein Geld. Einer Prügelei in Ehren war er nicht abgeneigt. So auch auf einer Party des Hollywood-Moguls David O. Selznick im Jahre 1944. Huston und Errol Flynn gerieten in eine dermaßen heftige Keilerei, dass Ersterer mit gebrochenem Nasenbein, Letzterer mit zwei gebrochenen Rippen ins Krankenhaus gebracht werden musste. Der Kommentar des Regisseurs am nächsten Morgen: "Der Fight hat mir viel Spaß gemacht, hoffentlich können wir das bald mal wiederholen." John Hustons letzter Film "The Dead - Die Toten" nach James Joyce feierte 1987 Premiere bei den Filmfestspielen in Venedig - nur wenige Tage zuvor (28. August) war der legendäre Filmemacher verstorben. Zum 100. Geburtstag des Haudegens und Genies zeigen verschiedene Sender Beispiele seines umfangreichen Werks. Unter anderem wiederholt Das Erste "Die rote Tapferkeitsmedaille" (Fr., 04.08., 03.30 Uhr), "Abenteuer in Panama" (Sa., 05.08., 03.30 Uhr) und die Komödie "Dave - Zuhaus in allen Betten" (Do., 10.08., 00.25 Uhr). 3sat erinnert mit "Spiegelbild im goldenen Auge" (Do., 03.08., 22.25 Uhr), "Der Seemann und die Nonne" (Fr., 04.08., 22.30 Uhr) und "Die Wurzeln des Himmels" (Sa., 05.08., 15.25 Uhr) an den unsterblichen Regisseur. Der NDR und MDR schließen sich an mit "African Queen" (Do., 03.08., 21.00 Uhr, NDR; So., 06.08., 00.00 Uhr, MDR). Jasmin Herzog |
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