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Poseidon

Poseidon

(tsch) Und wieder einmal geht ein Schiff unter. Diesmal jedoch muss niemand über 90 Minuten darauf warten, wie es noch bei "Titanic" der Fall war. Hier werden keine Charaktere eingeführt, keine Standesunterschiede aufgezeigt, keine Beziehungen entwickelt. Nein, hier geht nur ein Schiff unter. Nach wenigen Minuten ist die Monsterwelle da, das Fest an Bord ist zu Ende. Wolfgang Petersen, der deutsche Regisseur, der sich bislang gut darauf verstand, Actionelemente auf der Basis echter Geschichten zu erzählen ("Air Force One", "Troja"), reduziert seinen aktuellen Film "Poseidon" auf das Wesentliche.

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Keine Frage, es sieht glänzend aus, wie dieses riesige Schiff von der Welle erfasst und umgestürzt wird. Schließlich treibt es kieloben. Was auch bedeutet, dass dem Betrachter fortan jeder Raum, allesamt in Trümmern, auf dem Kopf serviert wird. Perfekt inszenierte Actionsequenzen samt erstaunlicher Tricktechnik wecken die Vorfreude.

Während der Kapitän an Bord die Überlebenden noch zu beruhigen versucht, schließt sich eine kleine Gruppe Menschen zusammen und fasst einen Plan, der in den folgenden rund 70 Minuten filmisch erzählt wird. Es geht um nichts anderes als um das Durchstreifen eines weithin zerstörten Schiffes - hinauf bis zum Rumpf, um dort schließlich durch die Schiffsschrauben, die oberhalb der Wasseroberfläche liegen, den Weg in die Freiheit zu finden. Wie viel Zeit dazu bleiben wird, ehe die Poseidon sinkt, weiß niemand so genau.

Angeführt wird das Team zunächst durch den Profi-Spieler Dylan (Josh Lucas). Ihm folgen: Maggie (Jacinda Barrett) mit ihrem kleinen Sohn Conor (Jimmy Bennett), ein suizidgefährdeter Kerl namens Nelson (Richard Dreyfuss) sowie der Ex-Feuerwehrmann Robert Ramsey (Kurt Russell), der vorrangig davon getrieben ist, seine Tochter (Emmy Rossum) in all dem Chaos zu finden, was ihm selbstverständlich gelingt. Dazu kommen deren heimlicher Verlobter, ein merkwürdiger Irrer und eine außergewöhnlich attraktive blinde Passagierin. Genug Menschen, um fortan das bekannte Spiel zu spielen: die unwichtigeren Personen sterben demnach zuerst. Und am Ende wird ein echter Sympathieträger dran glauben müssen.

"Poseidon" ist gerade einmal 97 Minuten lang, und diese sind prall gefüllt mit Explosionen, Bränden, Todeskämpfen, herabstürzenden Trümmern, Wassereinbrüchen und Platzangst. Interessante oder spannende charakterliche Entwicklungen gibt es nicht, der Film will ein Spektakel sein und ist es über weite Strecken auch. Da bleibt es nicht aus, dass sich Petersen einige Male auf bekannte Dramaturgien verlässt. Wer sich noch an die letzten Minuten von Bruce Willis in "Armageddon" erinnert, der wird eine einhundertprozentige Parallele erkennen.

150 Millionen Dollar soll "Poseidon" gekostet haben, und ohne Frage sieht man das Geld diesem Film an. Ein Event-Movie ist es geworden, das jedoch über weite Strecken kraftlos bleiben muss. Da das Drehbuch von Mark Protosevich nicht die geringsten Anstrengungen unternimmt, eine Nähe zwischen dem Betrachter und den Menschen auf der Leinwand herzustellen, ist das Interesse an deren Schicksal gering. Wer sterben muss, ist eigentlich egal.

"Höllenfahrt der Poseidon" hieß der Originalfilm, der Anfang der 70er-Jahre in die Kinos kam, und der auch nicht sonderlich mitreißend war. Sein Remake mag, zumindest aus technischer Sicht, zu rechtfertigen sein. Visuell ist "Poseidon" durchweg exzellent, zumal nicht nur mit Computern gearbeitet wurde, sondern eine Reihe waghalsiger Stunts dem Film viel Authentizität mitgeben. Zurück bleibt dennoch der Eindruck, hier eines der teuersten B-Movies alles Zeiten gesehen zu haben.

Kai-Oliver Derks

Credits:
V:Warner, USA 2006, R: Wolfgang Petersen, D: Kurt Russell, Josh Lucas, Richard Drefuss u.a.

Laufzeit: 97 Min.


Der Profi-Spieler Dylan (Josh Lucas) glaubt zu wissen, wie man aus dem Wrack entkommen kann.
Der Profi-Spieler Dylan (Josh Lucas) glaubt zu wissen, wie man aus dem Wrack entkommen kann. (2006 Warner Bros. Ent.)

Für die Darsteller wurden die Dreharbeiten zu "Poseidon" zur echten Herausforderung. Von links: Mike Vogel, Kurt Russell, Emmy Rossum, Josh Lucas, Jacinda Barrett, Jimmy Bennett und Richard Dreyfuss.
Für die Darsteller wurden die Dreharbeiten zu "Poseidon" zur echten Herausforderung. Von links: Mike Vogel, Kurt Russell, Emmy Rossum, Josh Lucas, Jacinda Barrett, Jimmy Bennett und Richard Dreyfuss. (2006 Warner Bros. Ent.)

Eine Monsterwelle erwischt den Ozeandampfer und dreht ihn um 180 Grad.
Eine Monsterwelle erwischt den Ozeandampfer und dreht ihn um 180 Grad. (2006 Warner Bros. Ent.)

Datum: 10.07.2006

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