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Hui Buh, das Schlossgespenst

Hui Buh, das Schlossgespenst

(tsch) Hörspielkassetten. Das klingt fast schon nach archaischer Unterhaltungsform. Werden die eigentlich noch verkauft? Könnte jemand wie Eberhard Alexander-Burgh heute noch Erfolg haben. Der Berliner (1929 - 2004) hatte in den 60er-Jahren ein Gespenst erfunden, es einige Zeit durchs Radio geschickt und danach 23 Hörspielkassetten mit den Erlebnissen des einzig behördlich zugelassenem Spukgeistes auf Schloss Burgeck produziert. "Hui Buh, das Schlossgespenst" wurde mehr als 20 Millionen Mal verkauft - ein echter Erfolgsspuk also, der jetzt von Sebastian Niemann und einem hochkarätigen Darstellerensemble verfilmt wurde.

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Es sind eine Menge bekannte Gesichter, die sich auf Schloss Burgeck versammelt haben. "Bully" Herbig ist digitalisiert dabei, Rick Kavanian ganz echt und mit Tolle, Christoph Maria Herbst ist unter seiner Haarmatte kaum zu erkennen, Heike Makatsch ist ein lustvoll böses Ekelpaket. Den bewegendsten Auftritt aber hat der im Vorjahr verstorbene Hans Clarin, der in den Hörspielen immer das Gespenst sprach und sich im Kino als Kastellan des Schlosses in Würde und mit der Gelassenheit des Alters von seinem Publikum verabschiedet.

Das wird zum größten Teil jung sein, denn "Hui Buh, das Schlossgespenst" ist ein waschechter Familienfilm, den Deutschlands Komikerelite mit herzerfrischender Infantilität auf die Leinwand bringt. Erstaunlich ist einzig, warum die Geschichte nicht schon früher verfilmt wurde, immerhin ist das vorlaute und gar nicht so schreckliche Gespenst seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Kinderstuben. Regisseur Sebastian Niemann jedenfalls verhandelte mit Eberhard Alexander-Burgh, bekam den Zuschlag - das Geld für die Rechte vererbte der Autor an Berliner Waisenhäuser - und realisierte das Zehn-Millionen-Euro-Projekt vornehmlich in Tschechien.

Es scheint, als hätte der Drehort, gewissermaßen im Mutterland des Märchenfilms, die Crew beflügelt. "Hui Buh" ist ein umwerfendes Kinoerlebnis, ideenreich inszeniert, mit viel Herzblut gespielt und einer tollen Geschichte, die gerade wegen ihrer Schlichtheit besonders geeignet ist für einen Familienfilm, der nichts anderes machen will, als zu unterhalten. Und genau das erreicht "Hui Buh" - bei den Kleinen sowieso, aber auch bei den Großen.

"Hui Buh" ist ein Film, der von Anfang Spaß macht, gleich ein gehöriges Tempo vorlegt und es bis zum Schluss hält. Da spielt also der nette, aber faule und betrügerische Ritter Balduin (Michael Bully Herbig in echt) Karten mit dem fiesen Ritter Adolar (Nick Brimble) und seinem Kumpel. Balduin gewinnt das Schloss Burgeck (durch Betrug), muss aber kurz darauf das Zeitliche segnen (durch Blitzschlag). Allerdings ist er nicht ganz von dieser Welt verschwunden, denn von nun an muss Balduin als Schlossgespenst Hui Buh (Michael Bully Herbig in digital) durch Burgeck spuken.

Das macht der tollpatschige Hui Buh 500 Jahre lang, ohne dabei jemanden ernsthaft zu erschrecken. Der Kastellan, eine Art Schlossverwalter, bittet ihn vielmehr, doch die Dummheiten sein zu lassen, damit wenigstens ein Teil der Einrichtung des verlassenen Schlosses heil bleibt. Das Leben ist relativ idyllisch und so gar nicht gespenstisch, bis eines Tages der Eigentümer auftaucht. Auch König Julius der 111. (Christoph Maria Herbst) hat keine Angst vor Hui Buh und verbrennt sogar dessen Spuklizenz. Der verliebte Herrscher hat nur Augen für die blond gelockte Gräfin Etepetete (Heike Makatsch), der er einen Heiratsantrag machen will. Natürlich ohne zu wissen, dass die zickige Dame eine böse Intrige im Schilde führt.

Um sich der hinterhältigen Schönen zu erwehren, verbünden sich Hui Buh und Julius. Das Gespenst braucht seine Lizenzprüfung, um nicht in der Seelensuppe zerkocht zu werden, und der König muss die Gräfin und ihren gespenstischen Verbündeten loswerden, um das Schloss zu retten und auch die Liebe. Denn ein ordentliches Märchen hat natürlich auch eine Liebesgeschichte, in deren Verlauf Etepetetes herzensgute und bildschöne Zofe Konstanzia (Ellenie Salvo González) und ihr pfiffiger Sohn Tommy (Martin Kurz) glücklich werden.

Mit aufwändigen und perfekt eingebauten Computeranimationen, Bully Herbig macht auch als digitale Vorlage eine gute Figur, und viel Fantasie hat Regisseur Sebastian Niemann die Gespenster-Hörspiele zu perfekter Familienkinounterhaltung gemacht. Liebenswerte bis schräge Figuren, viele Gaststars (unter anderem Wolfgang Völz und Oliver Pocher) und eine kinderfreundliche Geschichte: Bei "Hui Buh, das Schlossgespenst" steht der Spaß für alle im Vordergrund. Und das führt zu einer charmanten und liebevollen Mischung aus Schmunzeln, Lachen, Schluchzen und Staunen. Und mehr muss Kino manchmal nicht leisten.

Andreas Fischer

Credits:
V:Constantin, D 2006, R: Sebastian Niemann, D: Michael Herbig, Christoph Maria Herbst, Heike Makatsch u.a.

Laufzeit: 102 Min.


Ritter Balduin (Michael Bully Herbig) hat nicht lange zu lachen - er wird vom Blitz getroffen und muss als Gespenst auf Schloss Burgeck spuken.
Ritter Balduin (Michael Bully Herbig) hat nicht lange zu lachen - er wird vom Blitz getroffen und muss als Gespenst auf Schloss Burgeck spuken. (Constantin Film)

König Julius 111. (Christoph Maria Herbst, links) musste sich verkleiden, um seinem manchmal kopflosen Schlossgespenst Hui Buh unerkannt in die Geisterstadt folgen zu können.
König Julius 111. (Christoph Maria Herbst, links) musste sich verkleiden, um seinem manchmal kopflosen Schlossgespenst Hui Buh unerkannt in die Geisterstadt folgen zu können. (Constantin Film)

Die letzte große Kinorolle für Hans Clarin (links): Als Kastellan hilft er seinem Herren, König Julius 111. (Christoph Maria Herbst).
Die letzte große Kinorolle für Hans Clarin (links): Als Kastellan hilft er seinem Herren, König Julius 111. (Christoph Maria Herbst). (Constantin Film)

Datum: 17.07.2006

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