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Amy Millan - Honey From The Tombs

Amy Millan Honey From The Tombs

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"Sometimes I feel like my only friend is a whiskeyglass", singt Amy Millan auf "Baby, I", dem wohl schönsten Track ihrer Debüt-Solo-CD "Honey From The Tombs". Das ist eine Coverversion und natürlich ausgemachter Unsinn. Amy Millan, das weiß der Musikliebhaber, hat viele Freunde. Broken Social Scene und Stars sind die Bands, in denen die Kanadierin Mitglied ist, im Dunstkreis bewegen sich Künstler wie Leslie Feist oder Jason Collet. Alle waren sie in den letzten Monaten viel in Europa unterwegs, es erschien 2005 und 2006 eine ganze Hand voll Platten aus jener Szene. Alleine geht Amy Millan sozusagen einen dritten Weg - dem ästhetischen Pop von Stars und der lauten Euphorie von Broken Social Scene setzt sie sehr amerikanischen Folkrock entgegen.

Das klingt abwechselnd nach der Wüste und nach Nashville und funktioniert auch durch massig Namedropping. Geografische Verortungen als musikalischer Anker: Sie werden durch Slide-Gitarren, dem staubtrockenen Sound des Westens, Banjos und Akkordeon generiert. Dazu erzählt Amy Millan ihre kleinen Geschichten von Einsamkeit und Orientierungslosigkeit, die sich eben oft genug nur mit Alkohol bekämpfen lassen. Dass das alles so unter die Haut geht, liegt natürlich vor allem an dieser wunderbaren Stimme. Die funktioniert hier emotionsgeladener, vielleicht ein Stück schnoddriger als bei den Stars, ordnet sich irgendwo zwischen Hope Sandoval von Mazzy Star und Cat Power ein.

Klar, dass viele der üblichen Verdächtigen mit im Studio waren. Auch Selbstverwirklichung braucht kreative Impulse von außen. Das zeigen Songs wie das hervorragende "He Brings Out The Whiskey In Me", ein kleines, gewitztes Lied, das geschickt Motive des klassischen Countrys anzitiert, ohne in Beliebigkeiten abzudriften. Das macht natürlich unheimlich Spaß, und wenn am Ende in "Poor Me Up Another" die Bläser kommen, so ernsthaft und feierlich wie bei einer Beerdigung, dann ist man als Hörer schlichtweg gefangen - und wünscht sich, dass dieser Veröffentlichungsoverkill aus Kanada ewig weitergeht.

Jochen Overbeck


Datum: 11.07.2006

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