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Ramblin' Jack Elliott - I Stand Alone

Ramblin' Jack Elliott I Stand Alone

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Man weiß wenig über die Legenden der Country-Musik. Natürlich, am großen Mann Johnny Cash kam man in den letzten Jahren nicht vorbei, weitere Namen mit Mainstream-Appeal sind eigentlich nur Willie Nelson, Wailon Jennings und der große und wie Cash verstorbene Townes van Zandt. Seltsam, dass Ramblin' Jack Elliott in diesem Kontext so selten erwähnt wird. Er tourte mit Woodie Guthrie und war für Bob Dylan Vaterfigur. Mick Jagger kaufte seine erste Gitarre, nachdem er ihn an einem Londoner Bahnhof spielen sah, Paul McCartney lernte anhand seines "San Francisco Bay Blues" das Gitarrenspiel. Mit "I Stand Alone" erscheint jetzt das 23. Studioalbum des heute 75-Jährigen. Mit dabei: Flea, sonst Bassist bei den Red Hot Chili Peppers, Lucinda Williams und Corin Tucker von Sleater-Kinney.

Jack Elliott war nicht immer ein Cowboy. Er wuchs in New York City auf, als Kind wohlhabender Eltern. Der Vater war Arzt - und wollte seinen Sohn in den eigenen Fußstapfen sehen. Doch die großen Rodeo-Revues, die in den 40er-Jahren im Madison Square Garden abgehalten wurden, beeindruckten den jungen Jack so sehr, dass er im Alter von 14 Jahren in die große, weite Welt zog. 1952 lernte er Guthrie kennen - gemeinsam spielten sie mehrere Tourneen. 1956 reiste Elliott nach Europa - und spielte vor allem Guthries Lieder. Der ersten Welle der "British Invasion", allen voran den frühen Aufnahmen der Beatles, hört man durchaus an, welch immensen Eindruck Elliott und seine Energie geladene Mischung aus Blues, Country und Skiffle hatte. Es folgten Touren mit Bob Seeger und Grateful Dead, kommerzieller Höhepunkt war schließlich die Teilnahme an Bob Dylans "Rolling Thunder Revue".

In den 80er- und 90er-Jahren war es ruhiger um Ramblin' Jack Elliott. Trotzdem - gerade die Ikonen der Alternative-Szene arbeiteten immer wieder mit ihm zusammen. So erschien 1997 ein Duettalbum, zu dem unter anderem Nanci Griffith und Tom Waits ihren Teil beitrugen. So eine große Rolle spielen die prominenten Gäste auf "I Stand Alone" nicht. Sie verbeugen sich vor Elliott, lassen ihm aber den Vortritt. So ist das Album eine gute Möglichkeit, die Legende kennen zu lernen - zumal die allermeisten der interpretierten Songs Fans des Genres bekannt sein dürften. Elliott singt sich durch einen Kanon, der aus Traditionals und Klassikern wie "Old Blue", "Leaving Chayenne" oder "Honey Where You Been So Long" zusammensetzt. Seine Stimme hat dabei durchaus an Volumen und Tiefe gewonnen, ist aber auch brüchig geworden, was sich vor allem im letzten Song zeigt: "Woody's Last Ride" ist die einzige Eigenkomposition auf dem Album, eine kurze und fragmentarische, aber unheimlich berührende Geschichte über Elliotts letzte Begegnung mit Guthrie.

Jochen Overbeck


Datum: 12.07.2006

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