logo
Anzeige
Cineastentreff Kino Film Neue Platten - Musik News Kino Film The Rifles - No Love Lost
The Rifles - No Love Lost

The Rifles No Love Lost

Anzeige
Counter

 

Wie muss man das Signing von The Rifles bewerten? Kalkuliert, um auf den fahrenden "The"-Zug aufzuspringen? Mutig, weil alle Insassen dieses Zugs schon längst den Nothahn gezogen haben? Oder konsequent, weil diese Lads einfach gute Musik machen? Wo könnte die Antwort anders liegen als in der sprichwörtlichen goldenen Mitte? Ihr Debüt "No Love Lost" macht zugegeben kurzweilig Spaß, aber darauf kann keiner mehr gewartet haben. Denn die Indie-Rocker der Rifles waren schon immer irgendwie da. Nur hießen sie anders: The Kinks, The Smiths oder wahlweise auch The Kooks. Kein wirklicher Bedarf also. Auch keine Nachfrage? Nun, irgendwie scheint die "Next Big Thing"-Maschinerie einfach nicht einrosten zu wollen. Da genügt ein ehemaliger Blur-Gitarrist, der irgendwas von neuer Lieblingsband nuschelt und schon steht Cool Britannia wieder Kopf.

Mittlerweile ist man bei Single-Auskopplung Nummer fünf angelangt, und das Album hat noch immer nicht das Halogenlicht der Plattenläden erblickt. Das zentrale Thema des Werks ist nach Bandangaben das "Leiden und Leben von jungen Menschen in der Großstadt". Wen das noch hinterm Ofen hervorlockt: Im Schuppen soll's auch ganz behaglich sein.

Vielleicht steht da auch ein Plattenspieler und die eine oder andere Scheibe von Burt Bacharach oder Ray Davies herum. Aber früher war ja sowieso alles besser. Wenn nicht gerade Krieg herrschte, die Scorpions bei Thomas Gottschalk oder schwarzgelbe Windbreaker in Mode waren. Allein die (freie? gleiche?) Wahl des Produzenten sagt mehr aus, als die komplette Lyrik von Sänger Joel Stoker. Ian Broudie hat's ausgeheckt. Während die Vorbilder der Libertines auf die Erfahrungen eines den Punk überlebt habenden Mick Jones vertrauten, entschied man sich hier für eine Gestalt, die nach einem Lied über Fußball nichts außer einem Überschuss an universellem Playlistenmaterial für Antenne Dingenskirchen fabrizierte.

Heraus kommen im Idealfall "niedliche" Teenageliebeleien wie "When I'm Alone" oder "distanzierte" Charakterstudien wie "Local Boy". Das tut weder weh noch Not. Das tut nur Leid. Zum einen um die schwarzgelbe Jacke, die man sich mit der Ersparnis dieser Platte hätte teilfinanzieren können, zum anderen um diese Jungens, die in spätestens drei Jahren Umschulungsseminare über sich ergehen lassen müssen. Pop Will Eat Itself. Die Mindesthaltbarkeit der Britpopbands dieses nach wie vor anonymen Jahrzehnts hat bereits erschreckende Einbußen hinnehmen müssen. Hat zum Beispiel jemand bemerkt, dass die Vorsaisonssieger The Futureheads ein zweites Album draußen haben? Oder die Arctic Monkeys schon verdächtig lange nicht mehr Titelhelden des NME waren? Ja? Umso besser. Wird den Rifles aber auch nicht helfen. Mit "No Love Lost" kann man eine Cordhosenparty zwar durchaus mal am Leben erhalten. Aber darüber hinaus hält sich hier leider nicht allzu viel Substanz versteckt. Und nachdem die vier mit Sicherheit nicht nur als bloße Stimmungskombo à la The Hives begriffen werden möchten, landen sie eben irgendwo zwischen den goldenen Stühlen von Anspruch und Unterhaltung und nicht in der gleichfarbigen Mitte.

Stephan Rehm


Datum: 14.07.2006

Facebook aktivieren

Diskussion: "The Rifles - No Love Lost" lesen

Lesen Sie doch auch die Diskussion in unserem Forum zu "The Rifles - No Love Lost".
Artikel ID 171851

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Frank Black: Honeycomb
    Frank Black hat sein bestes Album seit den frühen Tagen der Pixies aufgenommen: tolle Songs, wunderschöne Arrangements und - nein, nicht die alte Spannung zwischen Pop-Ohrwurm und Punk-Wutausbrüchen. Statt ...

    Johnny Cash
    "We'll meet again", versprach Johnny Cash im letzten Lied seines Albums "The Man Comes Around" 2002, und tatsächlich macht die Vorstellung, eines Tages im Jenseits zufällig Johnny Cash in die Arme zu laufen, ...

    Bon Jovi - Lost Highway
    Wer beim Titel "Lost Highway" befürchtet, Bon Jovi könnten auf ihre alten Tage noch zu psychedelisch-durchgeknallten Art-Poppern mutiert sein, kann sämtliche David-Lynch-Assoziationen getrost wieder vergessen. ...

    Johnny Cash - Personal File
    Cash - es wurde viel Geld gemacht mit diesem Namen. Wenig, ganz wenig Herausragendes war darunter. Nun aber hergehört, all jene, die Johnny Cash schon mochten und schätzten, bevor die Vermarktungsmaschinerie ...

    Frank Black - Fast Man Raider Man
    Er kann nicht mit, er kann nicht ohne. Frank Black braucht die Abwechslung, braucht die Pixies, verstößt sie, macht Soloalben, findet sein Glück bei den Catholics als Begleitband, spielte nun 26 Lieder ...

    No Country For Old Men
    Drei Jahre nach dem eher als Enttäuschung gewerteten "Ladykillers" untermauern Joel und Ethan Coen nun wieder mit "No Country for Old Men" ihren Ruf als Meisterregisseure. Mit ihrer zwölften Regiearbeit ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 74 - id = 1668 - task = view - option = com_content - limitstart= 0