The New World

The New World

Anzeige
Counter

 

Es waren ambitionierte Projekte, in denen Colin Farrell zuletzt mitspielte. Oliver Stones "Alexander" (2004) und der jetzt auf DVD erhältliche "The New World" (2005) waren keine leichte Kost, suchten historische Wahrheiten, hatten gewisse Ansprüche (auch wenn diese nicht immer erfüllt wurden). Nur an der Kinokasse, da hatte es der irische Hollywood-Export mit seinen beiden letzten Auftritten schwer. Das wird sich wohl im August ändern, denn dann lässt er als Sonny Crocket zusammen mit Jamie Foxx den Mythos "Miami Vice" in einem potenziellen Sommerblockbuster wieder aufleben (Kinostart: 24. August).

Als John Smith ist Colin Farrell der einzige Eroberer Nordamerikas, der kein Eroberer sein will: Er möchte in der Neuen Welt Frieden schließen: mit den Fremden, der Natur und mit sich selbst. Doch die Eingeborenen nehmen ihn gefangen und hätten ihn beinahe hingerichtet, wenn sich nicht eine schöne Häuptlingstochter in ihn verliebt hätte und ihm zum Auftakt einer tragischen Liebesgeschichte das Leben rettete. Der Name Pocahontas wird im Film an keiner Stelle genannt, um die amerikanischen Ureinwohner nicht vor den Kopf stoßen, da Pocahontas ein Name war, den ihr die Europäer gaben.

Terrence Malick hat erneut, wie bei allen seiner Herzensprojekte ("Der schmale Grat"), nicht nur Regie geführt, sondern auch das Drehbuch geschrieben. "The New World" fordert den Zuschauer. In 130 Minuten schwelgt Malick in Sequenzen purer Glückseligkeit durch die Eintracht zwischen Mensch und Wildnis, verliert sich aber nicht in ihnen. Dazu komponierte James Horner ("Titanic", "Troja") eine Filmmusik, die trotz ihres harmonischen Klangs durch Mark und Bein geht; denn Malick möchte alles andere als Harmonie abbilden. Die Wildnis im Ungleichgewicht, der Europäer wie ein Stachel im unschuldigen Fleisch der Natur und der im Einklang mit ihr lebenden Menschen: Malicks Erzählung ist eine faktenbasierte, er kritisiert subtil, ohne den Zeigefinger zu heben.

Wenn er das Indianermädchen aus dem Lendenschurz in die Frauentracht Englands der frühen Neuzeit steckt, sie auf den Acker schickt, um Tabak anzubauen und schließlich zur königlichen Audienz nach London verschifft, um sie dort - in seltsamer Eintracht mit sich selbst - über die perfektionistisch gepflegten englischen Ziergärten staunen lässt, ist das fundamental verunsichernd: Wer trägt die Schuld an der Zerstörung des Paradieses? Gibt es eine Schuld? Schließlich ist die Hoffnung Smiths auf einen Neuanfang in absoluter Freiheit ohne die Knechtschaft eines Lehnsherrn glaubhaft und sympathisch.

Die Bilder bestechen durch ihre Schärfe und eine fein austarierte Farbharmonie, die Kulissen und Landschaften sehr natürlich erscheinen lässt. Der dynamische 5.1-Sound setzt weniger explosive Effekte, sondern nutzt die Surroundkanäle für eine ausgezeichnete, subtil umgesetzte Atmosphäre, in der sich das Knacken der Äste und Plätschern des Wassers in eine natürlich wirkende Geräuschkulisse einfügen. Mit einem ausführlichen und interessanten, wenn auch etwas trocken dargebotenem Making Of ist der Bonusteil der DVD recht spärlich ausgefallen.

Nadja Olsen

bewertungsbox

bildformat 2,35:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch
extras Making Of
laufzeit 130 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild gut
bewertung ton gut
bewertung extras ausreichend

Credits:
(USA 2005, R: Terrence Malick, D: Colin Farrell, Christopher Plummer, Q'Orianka Kilcher u.a.)


Colin Farrell macht sich auf in die Wildnis: In Terrence Malicks "The New World", der jetzt auf DVD erhältlich ist, verliebt er sich in Pocahontas und entdeckt Amerika auf seine Weise.
Colin Farrell macht sich auf in die Wildnis: In Terrence Malicks "The New World", der jetzt auf DVD erhältlich ist, verliebt er sich in Pocahontas und entdeckt Amerika auf seine Weise. (Warner)

John Smith (Colin Farrell) kämpft sich durch die Wildnis der "Neuen Welt".
John Smith (Colin Farrell) kämpft sich durch die Wildnis der "Neuen Welt". (Warner)

Pocahontas (Q'Orianka Kilcher), die Prinzessin der Powhatan-Indianer, findet Gefallen an John.
Pocahontas (Q'Orianka Kilcher), die Prinzessin der Powhatan-Indianer, findet Gefallen an John. (Warner)

Datum: 20.07.2006

Diskussion: "The New World"

Um eine Diskussion zu "The New World" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 172196

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Independence Day
    Nachdem Roland Emmerich mit "Universal Soldier" und "Stargate" bereits Erfolge in Hollywood vorweisen konnte, katapultierte er sich mit "Independence Day" (1996) in die A-Liga der Star-Regisseure. Erzählt ...

    Ronin
    Eigentlich dreht sich hier alles um einen Koffer. Dass die Zuschauer nie erfahren, was eigentlich darin ist, zeigt die Absicht des Regisseurs John Frankenheimer: In "Ronin" (1998) geht es nicht um eine ...

    Speed Racer
    Der Film beginnt ruhig: Ein Junge sitzt auf der Schulbank und müht sich mit einem typisch amerikanischen Multiple-Choice-Test ab. Doch schon schweifen seine Gedanken ab: Er ist auf einer imaginären Rennbahn ...

    Hitman - Jeder stirbt alleine
    Man weiß nicht genau, ob man den Moment herbeisehnen soll, wenn alle Videospiele verfilmt sind und alle Helden auf der Leinwand vermarktet wurden, bis schließlich nur noch einer bleibt: Pac-Man. Zunächst ...

    Grand Theft Auto - GTA IV
    Eigentlich ist Niko Bellic nur ein osteuropäischer Einwanderer, der jenseits des großen Teichs sein Glück sucht. Gut, sein Lebenslauf ist nicht gerade makellos, aber das ist sicher nicht der Grund, warum ...

    Dirty Harry
    "Dirty Harry" vereinigt unglaubliche Härte mit vorbildlicher Präzision. Gut gemachtes Action-Kino muss nicht nur, wie es Hollywood seinen Zuschauern heute immer wieder vormacht, aus technischem Fortschritt ...


 
Partner von Fantastic Zero


itemid = 110 - id = 1673 - task = view - option = com_content - limitstart= 0