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Duels

Neues aus Leeds

Band Duels

(tsch) "Everything is brilliant in Leeds" steht auf einem Bandshirt der letztjährigen Britpop-Überflieger Kaiser Chiefs. Alles prächtig in Leeds, die drögen Zeiten sind vorbei, man ist jetzt wieder eine Popmetropole. Das war nicht immer so. Als die Familie Foulger vor acht Jahren in die Arbeiterstadt in Yorkshire zog, war nicht viel zu holen, wenn es einen postpubertären Musikfanatiker nach Rockmusik dürstete. Wenn jetzt, ein knappes Jahrzehnt später, die Foulgers mit ihrem kleinen Popunternehmen Duels ihr Debütalbum "The Bright Lights And What I Should Have Learned" veröffentlichen, heißt es nur: Noch eine Band aus Leeds. Das ist schön, aber überraschen wird das inzwischen keinen mehr.

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Ihre musikalische Früherziehung mussten sich Jon und Jim Foulger noch selbst zusammen­klauben. "Wir sind mit vielen guten Sachen aufgewachsen und mit vielen ganz schrecklichen", erinnert sich Jon. Das Weiße Album der Beatles zogen sie als Erstes aus dem elterlichen Plattenschrank, später kamen Wedding Present dazu und The Smiths. "Wir lernten die eklektische Natur von Popmusik zu schätzen." Die entscheidende Horizont­erweiterung kam, als Jim, der Ältere, zum Studieren nach Sheffield ging. "Er hat mir immer Tapes geschickt, John Cale, The Auteurs, Bob Dylan."

Im Jahr 2002 war es an der Zeit, einen eigenen Versuch als Band zu starten, mit Cousine Katherine Botterill an den Keyboards, Jon Maher am Bass und James Kirkbright an den Drums. Sammy USA nannten sie sich und bekamen im Nu einen Traumdeal mit einer großen Plattenfirma. Und warteten. Sie nahmen drei, vier Tracks auf, landeten in der Warteschleife. Das Label ließ sie am langen Arm verhungern. "Da saßen wir dann - Außenseiter", denkt Jon Foulger mit erstaunlich wenig Bitterkeit zurück. "Das hat uns klar gemacht, dass es nicht das war, worum es ging. Wir haben begriffen, warum wir das eigentlich machen." Also Neustart, die Geburt der Duels.

"Pop with a dark heart" war, was den Brüdern und ihren Mitstreitern für die neue Band vorschwebte. Inspiriert vom psychedelischen Konzeptalbum "S.F. Sorrow" der Pretty Things, von Hermann Hesse und George Orwell entwickelten sie die "Idee eines Albums, das eine Geschichte erzählt" - ein sehr literarischer Ansatz. "Es war wirklich ziemlich prätentiös", lacht Jon heute. "Irgendwann merkten wir, dass das Konzept zu einschränkend ist, und dass es den Songs nicht gerecht wird, sie so festzunageln." Einmal mehr mussten die fünf Duels umdenken.

Etwa zur gleichen Zeit begann sich in Leeds plötzlich etwas zu bewegen. Im Club Josephs Well, in dem Cousine Katherine arbeitete, traf man auf Mitglieder von Bands wie Forward Russia! und Kaiser Chiefs. Langsam entwickelte sich so etwas wie eine Szene neuer, hungriger, sehr unterschiedlicher Rockgruppen. Den Durchbruch schafften zuerst die Kaiser Chiefs, und ihr Erfolg wuchs sich innerhalb kürzester Zeit zu einem so durch­schlagenden Blockbusterphänomen aus, dass Leeds mit einem Mal hell strahlte auf der Land­karte britischer Rockmetropolen. Die Nachhut kam schnell mit Formationen wie The Long Blondes und The Cribs - trotzdem sieht Jon Foulger nicht den einen, homogenen Leeds-Sound, unter den man die Stadt subsumieren könnte, wie man es in Liverpool mit The Coral und The Zutons oder in Sheffield mit den Arctic Monkeys und Little Man Tate so gerne tut. "Hier versucht keiner, wie die anderen zu klingen. Gemeinsam haben wir eher eine bestimmte Mentalität, eine Ambition, eine gewisse Attitüde."

Duels setzen sich da mit ihrem Debüt "The Bright Lights And What I Should Have Learned" auf die denkbar angenehmste Art zwischen alle Stühle: Manches Mal erinnern sie an die späten Pulp. "Young Believers" klingt deutlich nach Suede, "What We Did Wrong" ist klassischer Beatles-Britpop, "Animal" und "Pressure On You" sind dräuende Rocker, der hymnische Opener "Brothers & Sisters" ist für Jon Foulger "wie ein Gospel- oder Soul-Stück". Vom ursprünglichen literarischen Konzept sind seltsame Charaktere wie "Jimmy Delancia", "Papa Pablo" oder "Denton Driver" geblieben, die auf dem Album immer wieder auftauchen. "Mitverschwörer" nennt Jon sie, "Figuren, an denen wir uns festhalten."

Den politischen Subtext, den man in viele Songs hineinzulesen versucht ist, möchte die Band nicht in den Vordergrund rücken. "Es geht auf der Platte um die Entscheidung, sich in seine Umwelt einzumischen", erklärt Jon Foulger. "Wir sind in den 90er-Jahren groß geworden, das war eine ganz andere Zeit, voller großer Hoffnung, als die Labour-Regierung an die Macht kam. Weil sich diese Hoffnung nicht erfüllt hat, herrschte lange Zeit Enttäuschung. In letzter Zeit verändert sich wieder vieles. Vielleicht machen wir also als nächstes ein viel fröhlicheres Album." Und womöglich ist dann in Leeds alles noch brillanter.

Michael Wopperer


Duels verbinden die großen Gesten des 90er-Britpop mit Bowie und Co.
Duels verbinden die großen Gesten des 90er-Britpop mit Bowie und Co. (V2 Records)

Alles cool in Leeds: Duels stehen für den neuen, vielschichtigen Sound der englischen Stadt.
Alles cool in Leeds: Duels stehen für den neuen, vielschichtigen Sound der englischen Stadt. (V2 Records)

Datum: 23.07.2006

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Diskussion: "Duels"

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