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James Dean Bradfield - The Great Western

James Dean Bradfield The Great Western

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Nahdem die Manic Street Preachers zuletzt mit "Lifeblood" eher enttäuschten, hatte man wohl kaum damit gerechnet, dass James Dean Bradfield alleine das große Ding hinlegen könnte. Doch das Wissen um kreative Unabhängigkeit beflügelte den Sänger der walisischen Kultband offenbar. "The Great Western" ist ein großes Album. Es erzählt Geschichten und tut das auf eine verblüffend souveräne Art und Weise. Gleichzeitig, und das mag das Erfolgsrezept sein, verhehlt es keine Sekunde lang seinen Background.

Bedeutet: Bradfield versucht sich nicht am bei solchen Veröffentlichungen so häufigen Rückzug ins Private. Die Mittel, die er verwendet, sind die einer Rockband. Selbst, wenn die Songs leise sind, sind sie auf eine gewisse Art und Weise laut. Schon der Opener, das wütende "That's No Way To Tell A Lie" macht das mit den Handclaps und den griffigen Gitarrenriffs klar deutlich. Auch in "Emigree" schimmert Bradfields Vorliebe für deftigen Rock der 70er-Jahre durch - da er diese Einflüsse aber mit jeder Menge Soul und der Eingängigkeit verbindet, die vor allem "The Holy Bible", das wohl beste Album der Manics, ausmachte, gerät er nie in die Gefahr, bei anderen zu kopieren.

Die eigene Handschrift garantieren schon die Texte. Bradfield ist einer, der aus kleinen Fußnoten und Erinnerungen Großes macht. Da ist zum Beispiel "Say Hello To The Pope". Ein Song, der als kleine Geschichte über eine Nachbarin ebenso funktioniert wie als generelles Infragestellen nicht nur religiöser, sondern auch atheistischer Ideale. "An English Gentleman" ist ein Lied über Erinnerungen, und mit "Which Way To Kyffin" wird der alten Heimat Wales Tribut gezollt. Einer der schönsten Songs des Albums hätte freilich auch auf eine Manics-Platte gepasst: "Bad Boys And Painkillers" wurde von Nicky Wire, Gitarrist der Manic Street Preachers, geschrieben und spielt mit den klassischen Klischees des Genres. Drogen. Schmerz. Verlust. Es ist schon schwierig, in diesen Zeilen nichts über Richey James zu lesen, den Manic-Street-Preachers-Gründer, der Mitte der 90er-Jahre so tragisch verschwand und wohl nicht mehr lebt.

Jochen Overbeck


Datum: 23.07.2006

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