Was nur wenige wissen: Unter Tom-Petty-Anhängern gibt es wahre Grabenkämpfe in Sachen Produzentenwahl des Meisters. Die einen sagen: Rick Rubin hat das bitteschön immer am besten gelöst, die anderen schwören auf Jeff Lynne, der ja mit Petty gemeinsam bei den Traveling Wilburys sang und früher Vorsitzender des Bombastpop-Kombinats Electric Light Orchestra war. Jener Jeff Lynne durfte auch für "Highway Companion" wieder ran - vielleicht auch, weil der zwischenzeitlich geheuerte George Drakoulias dem letzten, ohnehin mediokren Studioalbum "The Last DJ" routiniert den letzten Schliff zur Bedeutungslosigkeit verpasste.
Jeff Lynne verzichtet auf übertriebene Rockismen und Kraftmeiereien, agiert aber auch nicht so glatt, wie man sich das vorstellen könnte. Er bewegt sich eher in Traditionen von Alben wie "Into The Great Wide Open" oder "Full Moon Fever", gibt den Songs aber mehr Spielraum, erlaubt deutlich mehr Wandlungen. So ist "Big Weekend" ein wunderbarer Track zwischen kraftvollem Westcoast-Rock und Country-Shuffle, der nicht nach dem Werk eines einzelnen klingt, sondern die Kraft einer ganzen Band vermittelt. "This Old Town" schleppt sich reduziert, aber eindringlich Richtung Refrain, und der Schlusstrack "The Golden Rose" ist wohl Pettys bisher bester Versuch einer Psychedelic-Ballade.
Aber klar: Am besten klingt er immer noch, wenn er diese unglaublichen Lieder singt, die irgendwo zwischen Powerpop und Westcoast, zwischen Big Star und den Byrds liegen. Zwei geradezu beängstigende Hits sind es auf "Highway Companion", die sofort funktionieren, beide werden sie etwas zu stolz mit einem kleinen, orangenen Aufkleber auf der CD-Hülle beworben. Der Opener "Saving Grace" offenbart seinen Charme erst nach einer Weile - aber spätestens wenn nach gut einer Minute das Schlagzeug und die Western-Gitarre einsetzen, zeigt sich, was für Songs dieser Mann schreiben kann. "Flirting With Time" mag anfangs ein bisschen zu sehr an den Stones-Klassiker "It's All Over Now, Baby Blue" erinnern, emanzipiert sich aber zu einem wunderbaren Popsong. Schön, dass Petty so etwas immer noch kann - da verzeiht man sogar das wirklich absurd hässliche Artwork im Progressive-Rock-Stil, wegen dem wohl jeder unter 35 das Album im Laden stehen lassen wird.
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