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Hans Zimmer

Der Klang der Karibik

Komponist Hans Zimmer

(tsch) Wenn Kalifornien und Deutschland aufeinander treffen, dann hört man das. Hollywood-Deutsche haben eine besondere Art, zu reden. Die Kommunikationsweise ist amerikanisch - freundlich, offen, herzlich, nicht unbedingt kritisch-tiefsinnig. Aber die Mittel zum Zweck sind eben manchmal Deutsch. Wenn man Hans Zimmer sprechen hört, dann bemerkt man diesen eigentümlichen Mix. Der leichte amerikanische Akzent sorgt dafür, dass seine Wörter flirren, kurz umherfliegen, bevor sie ankommen. Hört sich gut an, ehrlich. Aber dass der bekannteste Soundtrack-Komponist der Welt auch akustisch überzeugt, war keine Überraschung. Jetzt kommt "Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2" in die Kinos - Zimmer zimmerte den Soundtrack.

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teleschau: Herr Zimmer, den Soundtrack zu "Fluch der Karibik" produzierten Sie - beim zweiten Teil sind Sie alleiniger Komponist. Warum diesmal die volle Verantwortung?

Hans Zimmer: Ich hatte beim ersten Teil einfach nicht genug Zeit, um das alles als Komponist und Arrangeur fertig zu machen und steckte zudem in einem anderen Projekt. Aber diesmal war es mir sehr wichtig, voll dabei zu sein - auch weil es der vierte Film ist, bei dem ich mit Gore Verbinski arbeite. Es macht eben immer Spaß mit ihm.

teleschau: Man liest, Sie sitzen auch schon an den Klängen zum dritten Teil ...

Zimmer: Und wie! (lacht) Nein, im Ernst. Ich habe mich schon mit Gore unterhalten und habe darüber nachgedacht, wir haben ein paar Ideen. Aber wahrscheinlich werde ich mit der Umsetzung wieder bis zur allerletzten Sekunde warten. Es ist auf jeden Fall ein setsames Gefühl zu wissen, dass ich auch im nächsten Jahr noch in diesem ganzen Piraten-Ding gefangen sein werde.

teleschau: Wie muss man sich die Zusammenarbeit zwischen Ihnen und den Machern des Filmes vorstellen?

Zimmer: Insgesamt verlief das alles sehr harmonisch - weil ich Gore und auch Jerry (Bruckheimer, der Produzent, Anmerkung der Red.) gut kenne und ich mit beiden schon oft zusammenarbeitete. Leichte Reibungen, die gabs ja schon beim ersten Teil, und das soll auch so sein. Da kamen alle plötzlich mit irgendwelchen Ideen und Vorstellungen an, als ich schon fast fertig war. Und ich musste plötzlich in einer Nacht und einem Tag neue Themen überlegen. Aber eigentlich muss das ja anders laufen. Der Komponist - also ich - soll genau das schreiben, was sich die Kerle überhaupt nicht vorstellen. Hinterher setzt man sich dann mit einer guten Flasche Wein zusammen, wenn die leer ist, holt man die nächste, und dann kommt man schon zu irgendeinem Ergebnis. Wir sprechen nicht über den Stil der Musik, sondern darüber, was die Szenen bedeuten, wo ihre Energie, ihre Essenz liegt.

teleschau: Wo liegt der Unterschied zum Sound des ersten Teils?

Zimmer: Ich wollte nicht, dass wir die Ideen des ersten Teils ganz vergessen, ich musste mich gewissermaßen wiederholen. Das gut zu machen, ist aber schwierig, fast mehr Arbeit, als wenn man neue Scoremusik schreibt. Aber ich bin zufrieden, ich habe dieses Mal einige Dinge machen können, für die beim letzten Mal einfach keine Zeit war. Ich glaube, die Musik hat noch einmal mehr Power, ist gefährlicher. Andere Stellen sind dagegen romantischer.

teleschau: Wie lange saßen Sie an der Umsetzung?

Zimmer: Drei Monate, würde ich sagen. Aber es ist nicht leicht zusammenzurechnen, weil ja auch viel Gedankenarbeit drinsteckt. Schon im August habe ich mich intensiv mit dem Jack-Sparrow-Thema auseinander gesetzt, mit dem ich etwas spielen wollte. Aber ich musste ja auch den Score zu "Da Vinci Code" fertig machen.

teleschau: Kommt man da nicht durcheinander?

Zimmer: Mein Kopf ist immer leer, wenn ich mit einem neuen Projekt beginne. Und dann versuche ich, stilistisch jeweils bei einem Thema zu bleiben. "Da Vinci Code" und "Pirates" sind vom Stil her sehr verschieden. Und das ist wichtig, denn sonst wäre der Score ja verwechselbar, und genau das darf nicht passieren. Das Geheimnis ist allerdings ein einfaches: Es muss einem Spaß machen, dann hat man auch die Ideen.

teleschau: Eine Lektion, die Sie früh lernten ...

Zimmer: Ja, ich bin schon eine Weile im Geschäft. Rock'n'Roll und Pop wurden mir sehr schnell langweilig. Da arbeitet man immer nach dem gleichen Thema - Strophe, Bridge, Refrain, das war einfach öde, genau das, was ich nicht tun wollte. Das schöne an Filmmusik ist eben, dass sie ganz anders funktioniert, dass sie auf einem Zusammenspiel mit den Bildern beruht. Ich bekomme ja für gewöhnlich alles, was von einem Film aufgenommen wird und schaue das immer wieder an. Ich besuche das Set, rede mit den Schauspielern. Mit Johnny Depp habe ich mich wirklich oft unterhalten - weil er für diesen Film einfach so wichtig ist.

teleschau: Das Genre Soundtrack wird manchmal etwas belächelt. Stört Sie das?

Zimmer: Nein, und das hängt damit zusammen, dass ich nicht mehr in Deutschland lebe. Das ist das einzige Land, wo zwischen E- und U-Musik unterschieden wird, in Amerika trennt man das nicht. Duke Ellington hat einmal etwas sehr Kluges gesagt: Es gibt nur zwei Arten von Musik, gute und schlechte. Mozart war Unterhaltungsmusik, das darf man nicht vergessen. Wenn das jemand nicht für voll nimmt, versteht er nichts von Musik.

teleschau: Sie haben mit den Buggles Popsongs geschrieben, unter anderem das super-erfolgreiche "Video Killed The Radiostar" - juckt da manchmal noch der Finger?

Zimmer: Nein, weil sich stilistisch alles wiederholt, momentan sind ja alle irgendwie wieder bei den 80er-Jahren angelangt. Ich weiß genau wie das funktioniert, ich könnte da locker wieder mitmachen. Aber dazu habe ich keine Lust.

Jochen Overbeck


Star-Komponist Hans Zimmer gibt Hollywood seinen Klang.
Star-Komponist Hans Zimmer gibt Hollywood seinen Klang. (Rodolphe Escher / Archiv)

Hans Zimmer (links), Jack Nicholson (Mitte) und Kameramann Michael Ballhaus bei der Präsentation von "Something's Gotta Give" auf der 54. Berlinale. Auch hier steuerte Zimmer den Soundtrack bei.
Hans Zimmer (links), Jack Nicholson (Mitte) und Kameramann Michael Ballhaus bei der Präsentation von "Something's Gotta Give" auf der 54. Berlinale. Auch hier steuerte Zimmer den Soundtrack bei. (berlinale.de)

Datum: 23.07.2006

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Diskussion: "Hans Zimmer"

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