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Johnny Depp
Ein Freak auf ErfolgskursSchauspieler Johnny Depp (tsch) Tim Burton habe ihn davor bewahrt, "nur ein weiteres Stück Wegwerf-Hollywood-Fleisch" zu werden, sagte Johnny Depp einst über den Kult-Regisseur. Gewöhnlich - das ist er ganz gewiss nicht. Der scheue Schauspieler, der sich gerne hinter Sonnenbrille, wilder Mähne und Hut versteckt, nimmt in der Riege der Superstars des Filmgeschäfts eine Sonderrolle ein. Als Prototyp des melancholischen Helden zeichnet sich Depp vor allem durch seine Experimentierfreude und seinen Hang zu anspruchsvollen Rollen aus. Kassengift nennt man das in Hollywood. Daher sollte es fast 20 Jahre dauern, bis die Independent-Film-Ikone mit dem Piratenspektakel "Fluch der Karibik" (2003) auch endlich Kinobetreiber glücklich machen konnte. Klar, dass er mit seiner exzentrischen wie tuntigen Interpretation eines Freibeuters gleich in zwei Fortsetzungen (Start "Pirates of the Caribbean - Fluch der Karibik 2": 27.07.) des Blockbusters brillieren darf. Anzeige
Johnny Depps Stern als freakige Kultfigur ging 1990 auf. In "Edward mit den Scherenhänden" verzauberte er als Anti-Held mit todtraurigen Augen Zuschauer und Kritiker zugleich. Sein erster großer Erfolg in einer Hauptrolle brachte ihm nicht nur direkt eine "Golden Globe"-Nominierung ein, sondern markierte auch den Beginn einer fruchtbaren Symbiose mit dem nicht minder kauzigen Regisseur Tim Burton, mit dem er bis heute bereits fünfmal zusammengearbeitet hat, zuletzt für "Charlie und die Schokoladenfabrik" (2005) und "Corpse Bride" (2005). Depp unterwirft sich nicht dem Hollywood-Diktat und geht bei seiner Rollenwahl mit Bedacht vor. Trotz Rückschlägen ist er stets davon überzeugt, dass auch "bizarre Dinge ein größeres Publikum ansprechen können". Nie wieder wolle er zu einer "Ware degradiert" werden, wie zu Beginn seiner Karriere, als er nach einigen Nebenrollen in Film- und TV-Produktionen (sein erster Auftritt bestand 1984 daraus, sich von Freddy Krueger zermetzeln zu lassen) mit der Teenie-Cop-Serie "21 Jump Street" (1987) zum gefeierten Mädchenschwarm avancierte. "Bevor ich mich in meinem Leben noch einmal für eine läppische Fernsehproduktion hergebe, buddele ich lieber ein Loch bis zum Mittelpunkt der Erde", kommentierte der heute 43-Jährige seine Anfangsjahre. Immer wieder spielt er Sonderlinge und Freaks, wie den "schlechtesten Regisseur aller Zeiten" "Ed Wood" (1994) mit seiner Vorliebe für zartrosane Angorapullis oder den Opium- und Absinthsüchtigen Inspektor Abberline, der sich in "From Hell" (2001) auf die Spur von Jack the Ripper begibt. Seit seiner Kindheit, in der er eigenen Angaben zufolge "vielleicht einmal zu oft 'Dracula' gesehen" hat, habe er sich mit diesen Außenseitern identifiziert. Deshalb sei er auch viel lieber Charakterdarsteller als ein Hauptdarsteller und Star. "Stars sind ziemlich begrenzt und in ihren Rollen eingeschränkt", findet Depp. Eine eben solche Faszination wie die Rollen des Ausnahme-Schauspielers übt auch sein in der Vergangenheit mitunter turbulentes Privatleben auf das Publikum aus. Das Scheidungskind, das "als Einzelgänger und immer mürbe im Kopf von den vielen Drogen" aufwuchs, kam eigentlich mit der Ambition Rockmusiker zu werden nach Los Angeles und landete nur durch Zufall bei der Schauspielerei. In seiner wilden Zeit geriet Depp vor allem wegen zerlegter Hotelzimmer, Drogenexzessen und seiner Beziehungen zu Winona Ryder oder Kate Moss in die Schlagzeilen - "Jahre der Selbstzerstörung, des Selbsthasses und der Verwirrung", wie er sich später erinnert. Trauriger Höhepunkt war dabei der Tod des Jungschauspielers River Phoenix, der vor Depps Club "The Viper Room" in Los Angeles an einer Überdosis starb. Seit der Geburt seiner beiden Kinder mit Lebenspartnerin Vanessa Paradis hat sich das einstige Enfant terrible jedoch zum fürsorglichen Familienvater gemausert, der heute lieber Barbie spielt, als mit Drogen zu experimentieren. "Ich gehe einfach mit den Kindern raus und sehe mit ihnen im Garten nach den Tomaten. Furz-langweiliger Kram, halt. Schöner Kram", findet Depp, der davon überzeugt ist, dass erst die Geburt seiner Tochter (1999) ihm den wahren Sinn des Lebens gezeigt hat. Das private Idyll wird ihn darüber hinweg getröstet haben, dass bis zum Kracher "Fluch der Karibik", der allein in den USA mehr als 300 Millionen Dollar einspielte, nicht nur der Erfolg an den Kinokassen ausblieb. Denn auch mit bedeutenden Preisen war der außergewöhnliche Schauspieler bis dato nicht gerade überhäuft worden. Einzig die Franzosen ehrten ihn 1999 mit einem "César" für sein Lebenswerk. Bis zu seiner Darstellung des Piratenkapitäns, der einmal zu oft eins über den Schädel bekommen hat, konnte Depp drei "Golden Globe"-Nominierungen verbuchen. Allein in den letzten drei Jahren sind drei weitere und zwei "Oscar"-Nominierungen ("Fluch der Karibik", "Wenn Träume fliegen lernen") hinzugekommen. Seine Hollywood-Karriere und insbesondere der große Erfolg der Piraten-Saga, mit der er nun endlich allen Zweiflern zeigen konnte, dass auch er, und das in der Rolle eines Freaks, einen Blockbuster tragen kann, sind für Depp heute noch ein Schock. "Ich glaube, dass es ein Wunder ist, dass ich Jobs bekomme. Ich rechne jeden Tag damit, dass meine Karriere den Bach runtergeht", gestand er und sieht sich schon als Tankstellenangestellter oder als Gitarrenspieler in irgendeiner Bar enden. Das wird jedoch so schnell wohl nicht passieren. Der dritte Teil des Karibik-Abenteuers ist schon so gut wie abgedreht und soll bereits im Mai 2007 an den Start gehen. Weitere Projekte sind in Planung, darunter auch die Verfilmung des Broadway-Musicals "Sweeney Todd" bei der - mal wieder - Tim Burton Regie führen wird. Ein Ende der Freakshow ist also nicht in Sicht. Ute Nardenbach |
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