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Hwal - Der Bogen

Hwal - Der Bogen

(tsch) Es hätte ein Film über die Musik werden können, so geduldig, wie der koreanische Regisseur Kim Ki-Duk zu Beginn seines neuen Werkes die akribische Präparation des Instrumentes beobachtet. Aber daraus wird nichts, denn "Hwal - Der Bogen" (2005), aus dem bezaubernd klagende Töne kommen können, lässt sich auch zum Verschießen von Pfeilen benutzen. Und das macht der Besitzer, ein alter Mann, ziemlich häufig, um seinen größten Schatz zu beschützen - allerdings verwechselt er dabei Liebe mit Begierde.

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Dieser Schatz ist ein Mädchen, 15 Jahre alt, mit dem der Mann allein auf einem Boot wohnt - abgeschieden von der Zivilisation, die einzigen Kontakte sind Hobbyfischer, die gelegentlich das Boot zum Hochseeangeln nutzen und dem Mädchen nachsteigen. Der alte Mann hatte das Mädchen vor Jahren gefunden und bei sich aufgenommen. Er war all die Jahre wie ein Vater zu ihr, was sich an ihrem 16. Geburtstag ändern soll. Seine Hochzeitsvorbereitungen sind feierlich und akribisch. Doch, typisch für Kim Ki-Duk, die scheinbare Idylle trügt. Sie hält nur, wenn es keine äußeren Einflüsse gibt, sich die Welt selbstvergessen nur um sich dreht.

Das macht sie aber selten, und so kommt eines Tages ein Student auf das Boot und mit ihm die Erkenntnis, dass ein Rückzugsort, wenn er nicht frei gewählt wurde, ein Gefängnis ist. Der junge Mann bricht das Schweigen, mit dem sich der alte Mann und das Mädchen bisher unterhalten haben, zunächst mit einem mp3-Player, den er ihr schenkt, dann mit Zärtlichkeiten, die das Mädchen noch nicht kannte. Sie beginnt, ihren eigenen Willen zu formen und durchzusetzen. Die Fesseln sind durchschnitten, das Gleichgewicht ist gestört und damit auch das bisher grenzenlose Vertrauen. Rasend vor Eifersucht beschleunigt der alte Mann die Hochzeitsvorbereitungen, seine Begierde wächst und führt zwangsläufig zu einem Akt der Gewalt.

"Hwal - Der Bogen" ist keine Überraschung, weder formal noch inhaltlich. Kim Ki-Duk bleibt sich sehr treu, vielleicht etwas zu treu. Die unaufgeregte, metaphernreiche Bildsprache ist genauso einprägsam und wunderschön wie die Musik, die der alte Mann macht, wenn er seinen Bogen zum Instrument umfunktioniert. Aber sie ist auch offensichtlich, Kim Ki-Duk ist nicht mehr so subtil, wie er es zum Beispiel in seinem besten Film "Frühling, Sommer, Herbst, Winter ... und Frühling" war, und auch nicht mehr so herzergreifend liebevoll wie in "Bin-Jip".

"Hwal - Der Bogen" ist die Wiederholung eines Themas, ohne ihm neue Seiten abzugewinnen. Der Film ist dennoch ein Genuss. Mit einigen überraschenden Wendungen, die Kim Ki-Duk wohl immer aus dem Ärmel schütteln kann, bleibt die Faszination bis zum Ende erhalten.

Andreas Fischer

Credits:
V:Rapid Eye Movies, ROK 2005, R: Kim Ki-Duk, D: Jeon Sung-Hwan, Han Yeo-Reum, Seo Ji-Seok u.a.

Laufzeit: 90 Min.


Das Mädchen (Han Yeo-Reum) und den alten Mann (Jeon Sung-Hwan) verbindet ein geheimnisvolles Band aus Zuneigung und Abhängigkeit.
Das Mädchen (Han Yeo-Reum) und den alten Mann (Jeon Sung-Hwan) verbindet ein geheimnisvolles Band aus Zuneigung und Abhängigkeit. (Rapid Eye Movies)

Das Mädchen (Han Yeo-Reum) möchte gern die Welt kennen lernen, die sie nie sehen durfte.
Das Mädchen (Han Yeo-Reum) möchte gern die Welt kennen lernen, die sie nie sehen durfte. (Rapid Eye Movies)

Jeden Abend das gleiche Ritual: Der alte Mann (Jeon Sung-Hwan) wäscht das Mädchen (Han Yeo-Reum) wie ein Vater seine Tochter. Aber schon bald soll sie seine Frau sein.
Jeden Abend das gleiche Ritual: Der alte Mann (Jeon Sung-Hwan) wäscht das Mädchen (Han Yeo-Reum) wie ein Vater seine Tochter. Aber schon bald soll sie seine Frau sein. (Rapid Eye Movies)

Datum: 23.07.2006

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