"In seinem kleinen Kreis muss und will jeder etwas zum Besseren wenden. Egal, wie klein der Beitrag ist, und sei es nur, dass man den eigenen Hausmüll sorgfältig trennt. Wenn jemand im Rampenlicht steht, lautet die Aufgabe sogar ein bisschen anders: Beschäftige das Publikum mit Problemen, die sonst unter die Räder kämen." So umreißt Bruce Cockburn seine Aufgabe, und so nimmt er sie seit über 20 Jahren wahr. Oft erntete er für seine harschen und wenig codierten Worte Kritik - zuletzt hatte man Angst, dass sie ihm ausgingen, immerhin veröffentlichte er mit "Speechless" erst kürzlich eine Instrumental-Platte. "Life Short Call Now" zeigt: Da muss man sich echt keine Sorgen machen.
Auf Album Nr. 28 erzählt er abermals zwölf kleine Geschichten, die fast alle Kritik am Zustand dieser Gesellschaft an sich äußern, mal assoziativ und sehr diffus formuliert, manchmal aber auch verblüffend direkt. Er singt gegen Neocons an, aber auch gegen den Krieg, gegen den Soldaten. "Tell the universe, what you have done out in the desert with your smoking gun", heißt es einmal, später wird das ganze geografisch festgezurrt: "This Is Bagdad" beschreibt den Zustand der irakischen Hauptstadt nach dem Krieg, beziehungsweise währenddessen - mit kaum komplizierten, aber durchaus touchenden Stabreimen.
Der Mann, der sich mit "If I Had A Rocket Launcher" einmal beinahe ins Abseits sang, verwendet musikalisch einfachste Mittel. Eine Gitarre, viel mehr braucht er nicht, um seine Botschaften zu vermitteln. Die spielt er virtuos, fast jazzy. Den Rest erledigen einige Sessionmusiker, außerdem Ron Sexsmith und Ani DiFranco, die ein paar Songs ihre Stimme leihen, sozusagen im Auftrag des Friedens. Wirklich spannend ist das nicht, trotz aller Bissigkeit. Es ist ein Ansingen gegen die Realität, vertonter Friedensaktivismus. Als Dienst an der Sache völlig in Ordnung, musikalisch nicht so essenziell.
Jochen Overbeck
Datum: 24.07.2006
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