logo
Anzeige
Seabiscuit

Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg

(tsch) Nicht alles, was mit Vorschusslorbeeren aus den USA kommt, interessiert die deutschen Kinobesucher. Da war zum Beispiel "Seabiscuit", der in den USA 2003 beim Einspielergebnis locker die 100-Millionen-Dollar-Schallgrenze nahm und damit zu einem großen Erfolg wurde. In Deutschland indes wollte den Film über das titelgebende Rennpferd kaum jemand sehen. Nun strahlt ProSieben die Free-TV-Premiere aus.

Anzeige

 

Ein Grund für die Diskrepanz an den Kinokassen: Die Geschichte von Seabiscuit, einem Rennpferd, das es vor weit über 60 Jahren tatsächlich einmal gab, könnte amerikanischer nicht sein. Ende der 30er-Jahre, als die US-Wirtschaft einen unerwarteten Einbruch erlitt und alle Illusionen und Tellerwäscher-Träume zerbarsten, in einer Zeit, in der deutlich wurde, dass harte Arbeit nicht unbedingt zum Erfolg führen muss, lebten drei Männer, deren persönliche Schicksale nur als der Gipfel einer allumfassenden Depression erscheinen. Aber natürlich werden nach dem Pfad der Leiden, nach dem durchschrittenen Tal der Tränen, die drei Verlierer zu Helden, die im Wissen um die Tragik ihrer Existenz um so triumphaler ihre Auferstehung feiern können.

Der Zuschauer bekommt Einblick in das Leben von Charles Howard (Traumrolle für Jeff Bridges), der als Autoverkäufer Millionen verdiente, aber seinen Sohn durch einen Autounfall und seine Frau durch die darauf folgende Scheidung verlor. Erzählt wird auch die Geschichte von Tom Smith (Chris Cooper), dem Cowboy, dessen Leben durch die fortschreitende Industrialisierung und die Erschließung des Westens sinnlos wurde. Zuletzt wird der Focus auf den von Tobey Maguire verkörperten Ex-Boxer Pollard gerichtet, der durch die wirtschaftliche Not vieles aufgeben musste. Die drei Männer werden zusammengeführt durch das Pferd namens Seabiscuit, das wenig für Rennen zu taugen scheint. Doch mit vereinten Kräften, der Liebe zur abgekämpften Kreatur und dem "Willen zum Erfolg", so auch der Untertitel des Films, gelingt ihnen das Unmögliche: Seabiscuit wird zum "Rennpferd des Jahres" und schlägt alle.

Natürlich gibt es retardierende Momente, Momente des Schicksals, Rückschläge; doch das gehört dazu, wenn so berechnend auf den Taschentuch-Faktor gesetzt wird. Für jeden der drei Protagonisten scheint dieses Drama wie ein Jungbrunnen zu sein, was weniger zu einem mitreißenden Spiel führte als vielmehr zu einer anspruchsvollen Schauspielleistung, der man nur vorwerfen kann, dass die Geschichte selbst doch etwas in kitschige Sphären abdriftet. Nur die rasanten Momente und spannungsgeladenen Szenen auf der Rennbahn bieten etwas Ablenkung.

Jan Treber


"Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg" war in den USA ein großer Kinoerfolg. In Deutschland wurde der Film nahezu ignoriert.
"Seabiscuit - Mit dem Willen zum Erfolg" war in den USA ein großer Kinoerfolg. In Deutschland wurde der Film nahezu ignoriert. (ProSieben / Universal and Dreamworks)

Auf zum nächsten Sieg: Seabiscuit und sein Jockey Red Pollard (Tobey Maguire).
Auf zum nächsten Sieg: Seabiscuit und sein Jockey Red Pollard (Tobey Maguire). (ProSieben / Universal and Dreamworks)

Während der Weltwirtschaftskrise sattelt Charles Howard (Jeff Bridges, links) vom erfolgreichen Mechaniker zum Rennpferdbesitzer um. Er verpflichtet den erfolglosen Jockey Red Pollard (Tobey Maguire) und kauft das ebenso erfolglose Rennpferd Seabiscuit.
Während der Weltwirtschaftskrise sattelt Charles Howard (Jeff Bridges, links) vom erfolgreichen Mechaniker zum Rennpferdbesitzer um. Er verpflichtet den erfolglosen Jockey Red Pollard (Tobey Maguire) und kauft das ebenso erfolglose Rennpferd Seabiscuit. (ProSieben / Universal and Dreamworks)

Datum: 26.07.2006

Facebook aktivieren
Artikel ID 171923

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    Fahrenheit 9/11
    Er versteht sich als kritischer Autor, aufrüttelnder Dokumentarfilmer und politischer Aufklärer: Michael Moore, ein Regisseur, den Gegner freilich einen manipulativen Meinungsmacher schimpfen. Dass ProSieben ...

    Stealing Klimt
    "Stealing Klimt" - Der Titel von Jane Chablanis und Martin Smiths brisanter Dokumentation hat ein Objekt, aber kein Subjekt. Eines ist klar: Kunst stehlen, kann nur der, dem sie nicht gehört. Doch wer ...

    DO: Hongkong-Kino - Von Kung Fu bis Wong Kar-Wai
    Was passiert, wenn man Poesie, Horror und Action zusammenwürfelt und ungefähr 60 Filme pro Jahr daraus macht? Wenn man manchmal die Logik außen vor lässt und stattdessen mit Slapstick und Humor für Auflockerungen ...

    Die große Stille
    Schon im Vorfeld der Welturaufführung des - jetzt auf DVD erhältlichen - Dokumentarfilms "Die große Stille" (2005) beim Filmfestival in Venedig 2005 wurde von einem "radikalen Kinoereignis" gesprochen. ...

    We feed the world: über das globalisierte Essen
    Im Kino ab 27.4.Tag für Tag wird in Wien gleich viel Brot entsorgt, wie Graz verbraucht. Auf rund 350.000 Hektar, vor allem in Lateinamerika, werden Sojabohnen für die österreichische Viehwirtschaft ...

    Legenden: Zinedine Zidane
    (tsch) Wer hoch fliegt, kann tief fallen - so wie die französische Fußballnation: Auf den Doppeltriumph bei der Weltmeisterschaft 1998 und der Europameisterschaft 2000 folgte das torlose Vorrundenaus in ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 35 - id = 1737 - task = view - option = com_content - limitstart= 0