Million Dollar Hotel
The Million Dollar Hotel(tsch) Der Film, es ist die 20. Regiearbeit von Wim Wenders, gefiel vielen nicht. Sogar Hauptdarsteller Mel Gibson äußerte sich später doch recht abfällig und meinte, wenngleich im Scherz, "The Million Dollar Hotel" sei so langweilig "wie ein Hundearsch". Reine Ansichtssache. Der BR zeigt diese teils poetische, teils komisch-melancholische Liebesgeschichte vor dem Hintergrund eines verzwickten Kriminalfalls nun zu Ehren des German Regie-Wunderkinds, das am 14. August seinen 60. Geburtstag feiert und am 25. August seinen neuen Film "Don't Come Knocking", ein Western-Roadmovie, in die Kinos bringt. Anzeige Das Hotel in Downtown L.A., das dem Film den Namen gibt, ist nur noch ein Abglanz früherer Zeiten und taugt allenfalls als Behausung für skurrile und schräge Gestalten. Neben dem Althippie Dixie (Peter Stormare), der sich für den fünften Beatle hält, und dem Großstadtindianer Geronimo (Jimmy Smits) lebt dort auch der verrückt-infantile Tom Tom (Jeremy Davies), der in das engelhafte Mädchen Eloise (Milla Jovovich) verliebt ist. Der Verschrobenheit seiner Figuren räumt Regisseur Wim Wenders viel Raum ein. "Sie waren mir ganz nah, ihretwegen habe ich den Film gemacht", erzählte er danach in einem Interview. "All diese verrückten Charaktere sollten die Geschichte bewegen, nicht umgekehrt." Um die Handlung, ohne die auch ein Wim Wenders nicht auskommt, voranzutreiben, hat er dem Ganzen das Korsett einer Detektivgeschichte verpasst. So taucht eines Tages FBI-Agent Skinner (Mel Gibson, war auch als Produzent beteiligt) in dem Gebäude auf. Er versucht, den Tod von Izzy Goldkiss (Tim Roth), der vor seinem reichen Vater geflüchtet ist, aufzuklären. Es wäre jedoch kein Wenders-Film, wenn die Lösung des Falles eine besondere Rolle spielen würde. Als Zuschauer muss man sich vielmehr auf die Menschen und ihre Geschichten einlassen, die virtuos und farbenfroh in Szene gesetzt werden. "The Million Dollar Hotel" ist eher ein lyrisches, buntes Kaleidoskop und eine schillernde Typografie als ein Film im herkömmlichen Sinn. Doch wenn dieses Prinzip so gekonnt umgesetzt wird wie hier, lohnt es sich in jedem Fall, für zwei Stunden einen Ausschnitt des fernen, verrückten, zauberhaften L.A.s, das zwischen Wirklichkeit und Wahn hin- und herzupendeln scheint, ins Wohnzimmer zu holen. Bernd Fetsch |
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