(tsch) Entweder Gott war verschwenderisch oder die Natur ungerecht. Wie auch immer, Penélope Cruz sprengt die Form. Sie ist eine Frau, die ihren eigenen Rahmen braucht, eine Dame, auf deren Nahaufnahmen man wartet. Freilich ließen sich Adjektive aneinanderreihen, doch das Äußerliche steht bei der spanischen Beautée hintan: "Darauf gründet sich meine Karriere nicht", erklärt sie. Die 32-Jährige legt ausschließlich Wert auf das Schauspiel, "deswegen nehme ich einen klitzekleinen Film ohne Budget genauso ernst wie einen millionenschweren Blockbuster". Penélope Cruz ist kein Partygirl, sondern ein Weltstar mit scheinbar endlosem Talent - mit ihrer aktuellen Hauptrolle in Pedro Almodóvars "Volver - Zurückkehren" (Start: 03.08.) unterstreicht sie das erneut.
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Ihre Blicke sprechen Bände. Etwas Ehrliches und Geheimnisvolles liegt darin, etwas, dem man Glauben schenkt. Ihre Haare legen sich um ihre Schultern wie ein Traum eines Shampoo-Werbespot-Regisseurs. Doch Seńorita Cruz ist keine romantisch verklärte Märchenfigur, sie ist bodenständig, intelligent und ehrgeizig: "Im Grunde bin ich jeden Tag auf der Suche nach irgendetwas. Wer weiß schon, was er auf der Welt zu suchen hat? Die Suche nach Antworten auf all diese Fragen ist meiner Meinung nach das Leben."
Und das legt sie nicht in die Hände des Zufalls. Bereits als Kind fahndete sie eifrig nach ihrer Bestimmung. Bis ihr sich nach neun Jahren des Ballettstudiums an Spaniens Nationalkonservatorium ein vielversprechenderer Weg bot. Im zarten Alter von 15 fand Penélope durch den Sieg bei einem Talentwettbewerb, wonach sie gesucht hatte: die Schauspielerei. Bereits zwei Jahre später gab sie ihr Kinodebüt in "The Greek Labyrinth". Doch nichts hätte ihr ferner gelegen, und tut es auch heute, als sich auf ihren Lorbeeren auszuruhen. In den vergangenen 15 Jahren war sie in knapp 40 Filmen zu sehen, von denen die meisten Kritikerlob kassierten.
Zu ihren größten Erfolgen (qualitativ, nicht finanziell) gehören "Jamón, Jamón" (1992), "Blow" (2001) an Johnny Depps Seite, "Corellis Mandoline" mit Nicolas Cage (2001), "Vanilla Sky" (2001) gemeinsam mit Tom Cruise und Cameron Diaz sowie dessen spanisches Original "Virtual Nightmare - Open Your Eyes". In die Herzen spielte sie sich allerdings mit den drei Almodóvar-Produktionen, bei denen sie mitwirkte, mit "Live Flesh. Mit Haut und Haar" (1997), "Alles über meine Mutter" (1999) und nun eben dem umjubelten "Volver", der in Cannes abräumte. Auch wenn "Bandidas" (Kinostart: 31.08.) wohl hinter den Erwartungen der meisten Kritiker zurückbleibt, dürfte das Penélopes Ruf kaum schaden. Schließlich handelt es sich dabei um ein Spaßprojekt mit ihrer Freundin Selma Hayek, geschrieben von Kollege Luc Besson.
Nie ging es der Tochter eines Automechanikers und einer Friseurin um das verheißungsvolle Filmparadies Hollywood: "Es ist nur ein Wort für die Industrie, an der man teilhaben kann." Als sie - mit ihrem Aussehen und Talent nur eine Frage der Zeit - in "Don Juan" (1998) ihr Debüt im Moviemekka gab, hatte sie, wie es so schön heißt, den internationalen Durchbruch geschafft. Doch auf den Durchbruch folgte kein Absprung, keine Abnabelung von Spanien, Penélope blieb ihren Wurzeln treu, wohnte und spielte weiterhin in ihrer Heimat. "Ich bin sehr dankbar, dass ich in Hollywood eine neue Karriere beginnen durfte und sie auch weiter ausbauen kann. Doch es bringt gar nichts, einfach nur dort zu sein. Auch wenn ich in allen möglichen Ecken der Welt arbeiten darf, was ich als großes Glück empfinde, weiß ich, wo mein wahres Zuhause ist", versichert sie.
Ihre Sinn-Suche setzte die Schauspielerin deshalb fort. Die nach der besseren Hälfte endete jedoch in der Filmhauptstadt - jedenfalls mutmaßte das die Klatschpresse etliche Male, seitdem die heißblütige Spanierin dort ein zweites Standbein aufzubauen begann. Doch nur an zwei Männergeschichten war etwas dran. Mittlerweile hat sich das allerdings überholt: Die Liaison mit Tom Cruise ging 2004 in die Brüche. Erst kürzlich trennte sich die Madrilenin von "sexiest Man" Matthew McConaughey ("People"-Magazin), mit dem sie für "Sahara" vor der Kamera stand, wegen der Belastung durch die Arbeit.
Die niveauvollste von Hollywoods Schönheiten ist derzeit also Single. Doch wo könnte man Penélope Cruz begegnen? "Überall, nur nicht in der Discothek. Ich liebe es, mit Fremden ins Gespräch zu kommen. Als ich in der Wüste drehte, besuchte ich wildfremde Leute, die in der Mitte des Niemandslandes in einem Zelt oder in einer Hütte wohnten." Sie hängt ein breites Grinsen unwiderstehlicher Art an. So eines, das Lust macht, die Wohnung gegen ein Tipi zu tauschen und zu hoffen, dass Penélope eines Tages aufkreuzt.
Gregor Jossé
Schön und ungeheuer talentiert: Die Madrilenin Penélope Cruz. (Tobis)
Pedro Almodóvars aktueller Film "Volver" bekam bei den Filmfestspielen in Cannes die Auszeichnungen für das beste weibliche Ensemble und das beste Drehbuch. (Tobis)
Streckenweise skurril, aber jederzeit liebenswert: Penélope Cruz in Pedro Almodóvars "Volver". (Tobis)