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Daredevil(tsch) Ratten. Überall Ratten. New York scheint eine ganz schöne Scheißstadt zu sein. Im echten Leben hatte Oberbürgermeister Rudolph Giuliani irgendwann mal groß aufgeräumt. Schwarzfahrer, Straßenpinkler und sonstige diffus asozial erscheinende Elemente wanderten gleich für ein paar Tage in den Knast oder zahlten dicke Geldbußen. "Daredevil", die Comic-Serie aus der Wunderschmiede Marvel Books, stammt aus den 60er-Jahren. Da gab's noch keinen Giuliani. Also hatte - rein chronologisch betrachtet - so eine Art Über-Rächer durchaus eine Daseinsberechtigung in dieser Stadt. Die verlängern wir gerne in die Gegenwart. Vor allem, wenn sie für Ben Affleck das Sprungbrett vom Durchschnittshelden ("Pearl Harbor") zum Superhero bedeutet. ProSieben wiederholt nun Mark Steven Johnsons mäßig erfolgreiche Comic-Adaption (2003). Anzeige Das Bemerkenswerte: Streng genommen ist "Daredevil" Matt Murdoch ein ganz normaler Bürger. Als Kind erblindete er, natürlich unter dramatischsten Umständen, bei denen radioaktivem Müll mal wieder eine tragende Rolle zukommt. Die Folge: Die übrig gebliebenen Sinne sind überdurchschnittlich ausgeprägt und trainiert. Mit der Zeit kam so eine Art Radar dazu, und bei Regenwetter kann der gute Mann sogar optische Formen wahrnehmen. All das nutzt er aus - um Gerechtigkeit zu schaffen in diesem Moloch von einer Stadt. Wann genau Murdoch sich ein halbes Dutzend behörnter Ledercapes und ebenso viele in Deutschland tendenziell waffenscheinpflichtige Swiss-Army-Blindenstöcke mit fiesen Multifunktionen zulegte, bleibt im Unklaren. Aber: Fliegen kann er nicht. Alles antrainiert, alles Artistik. Kraft schöpft er im Wasserstofftank. Tägliche Niederlagen vor Gerichtshof korrigiert der gelernte Anwalt des Nachts per Selbstjustiz. Da richtet er zu Anfang einen Vergewaltiger im U-Bahnschacht. Ist das in Ordnung? Irgendwie nicht. Deshalb schwenkt "Daredevil" am Ende um: Der Chef des Bösen, Kingpin (Michael Clarke Duncan), und sein Killer Bullseye (Colin Farell) dürfen überleben, obwohl sie den Vater von Matts neuer - und selbstverständlich äußerst schlagkräftiger - Flamme Elektra Natchios (auch im wahren Leben an Ben Afflecks Seite: Jennifer Garner) auf dem Gewissen haben. Wenig Handlung. Doch eine umfangreichere Story hätte in die gut 100 Filmminuten kaum hineingepasst. Der Schwerpunkt von "Daredevil" liegt in anderen Bereichen. Mark Steven Johnson ("Simon Birch") inszenierte eine Produktion, die in puncto Action keine Verschnaufpause gewährt. Atemberaubende und gewitzt choreographierte Kampfszenen, die nicht ausschließlich auf der klassischen Good-Guy-vs.-Bad-Guy-Formel basieren, werden durch großartige visuelle Effekte veredelt. Dazu kommt eine Optik, in der einfach alles stimmt. Vom düsteren "Schattenwelt"-Appartment des Daredevils über die Darstellung des fiesen Kingpins und seines Reiches bis hin zu den wunderbar leicht und komödiantisch gestalteten "Real Life"-Szenen. Dennoch war "Daredevil" nicht annähernd so erfolgreich wie sein Kollege "Spider-Man". Für eine Fortsetzung hat's jedenfalls nicht gereicht, wohl aber für einen völlig umstrukturierten Director's Cut auf DVD und das desaströse Spin-Off "Elektra" (2005). Nach längerer Pause stand der leidenschaftliche Poker-Spieler Ben Affleck zuletzt für die Mafia-Geschichte "Smokin' Aces" vor der Kamera. An seiner Seite: die schöne Sängerin Alicia Keys ... Jochen Overbeck |
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