Das klassische Fernsehen vor dem Ende?
(tsch) Der Tag der Premiere war nicht frei von Pannen. Kaum hatte ProSiebenSAT.1 den Startschuss für sein Video-on-Demand-Angebot Maxdome gegeben, schmierten auch schon die Server ab. Neugierige, die sich eben mal einen Film auf ihren Computer herunterladen wollten, sahen - nun ja - in die Röhre. "Server Error", nix ging mehr. Zu viele User hatten sich auf der Seite maxdome.de umgesehen. Bei MTV gab's dagegen keine Anlaufschwierigkeiten zu vermelden. Der vormalige Musiksender hat vor kurzem sein Videoportal Overdrive freigeschaltet. Unter der Adresse mtvoverdrive.de lassen sich Shows und Musikclips "on Demand" ansehen. Und das im Gegensatz zum ProSiebenSAT.1-Angebot auch noch kostenfrei.
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Alles, was der User braucht, ist eine DSL-Verbindung und ein Internet-Browser jüngeren Datums, und schon gibt's bewegte Bilder. Die Qualität ist durchweg gut, eine Anmeldung nicht erforderlich - das freut den User, der sich eben mal eine MTV-Show wie "Pimp My Ride", "My Super Sweet 16" oder einen aktuellen Musikclip reinziehen will. Als besonderes Appetithäppchen sind bei Overdrive exklusive Premieren zu sehen. Etwa der Pamela-Anderson-Cartoon "Stripperella", der bisher noch nicht im TV gezeigt wurde. Auch Bonusmaterial wie beispielsweise Outtakes von "Pimp My Ride" sollen Interessenten locken.Das durch Klingelton-verseuchte Werbeblöcke ramponierte Image von MTV könnte durch eine Plattform wie Overdrive ebenfalls aufpoliert werden. "In den vergangenen Jahren ist viel über MTV als Klingeltonsender geschrieben worden. Aus dieser Ecke wollen wir wieder raus", sagt Joel Berger. Er ist bei MTV für das Projekt Overdrive zuständig. "Eine gängige Beschwerde ist, dass MTV zu wenig Musik und nur noch Datingshows zeige", so Berger weiter. "Mit Overdrive hat jeder die Möglichkeit, den Musikanteil wieder zu steigern." Möglich wird das beispielsweise durch Playlists mit aktuellen Clips, die problemlos an Freunde verschickt werden können. Wer dazu keine Lust hat, startet einfach den Player und bekommt damit ein laufendes Programm mit "Highlights" serviert. 300.000 Nutzer im Monat peilt MTV als vorläufige Zielvorgabe an. Schließlich soll Overdrive auch rentabel sein und zahlungskräftige Werbekunden anlocken. Bisher sind die Inhalte noch komplett werbefrei abrufbar. Um einiges komerzieller ist da schon das Video-on-Demand-Portal Maxdome von ProSiebenSAT.1. Das Angebot soll einmal zur ernsthaften Konkurrenz für das klassische TV werden. Medienexperten wie Kai-Uwe Weidlich sind auf lange Sicht optimistisch: "Interessant sind solche Angebote hauptsächlich für Menschen unter 30, die in ihrem Mediennutzungsverhalten noch nicht so festgefahren sind." Die meisten Zuschauer werden - wenn überhaupt - Maxdome aber erst einmal zusätzlich zum herkömmlichen Fernsehen nutzen. Wer sich online anmeldet, kann wie in einer Videothek Kinofilme, Fernsehserien oder Comedyformate aussuchen und am Computer oder über den Fernseher ansehen. Wer Letzteres bevorzugt, benötigt eine spezielle Set-Top-Box auf dem TV-Gerät. Diese kostet 99 Euro und beinhaltet das so genannte "Start-Paket" mit 50 Hollywood-Blockbustern sowie SAT.1- und ProSieben-Filmen. Alternativ lassen sich die Sparten "Comedy", "Serien" und "Movie" auch in Paketform buchen. Die Kosten liegen zwischen 4,99 und 9,99 Euro im Monat. Alle Abos erlauben den unbeschränkten Zugriff auf die jeweiligen Titel. Es gibt darüber hinaus die Möglichkeit, die DRM-geschützten Inhalte einzeln für 24 Stunden zu buchen. Filme kosten je nach Aktualität zwischen 1,99 und 4,99 Euro (etwa für "Million Dollar Baby"), einzelne Serienfolgen sind für 0,99 Euro zu haben. Das Konzept klingt schlüssig. Maxdome lockt mit aktuellen deutschen Serien wie "Stromberg" oder "Der Bulle von Tölz", Comedy-Formaten ("bullyparade", "Genial daneben") und Hollywood-Blockbustern wie "Alexander", "Spider-Man" oder "Harry Potter". Dennoch hinterlässt das Angebot einen gemischten Eindruck. In Videotheken sind die Filme oft um einiges billiger zu haben. Die Bildqualität erreicht mit 688 mal 512 Pixel nicht ganz PAL-Niveau und auch bei der Programmierung gibt es Probleme. Der Betreiber Seven Senses tritt nur für die volle Funktionsfähigkeit des Dienstes ein, wenn der Internet Explorer benutzt wird. Die Nutzung anderer Browser führt oft zu Fehlermeldungen oder Abspielproblemen.
Tobias Köberlein
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| Christoph Maria Herbst ist als fieser Chef in "Stromberg" auch beim Video-on-Demand-Portal Maxdome zu sehen. (ProSieben / Ralf Jürgens) |
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| Blockbuster wie "Harry Potter und der Feuerkelch" kann man sich ebenfalls bei Maxdome herunterladen. (Warner) |
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