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Jennifer Aniston

"Nicht streiten, reden!"

Schauspielerin Jennifer Aniston

(tsch) Es ist gar nicht so lange her. Da konnte Jennifer Aniston noch durch Europa reisen, ohne von wissbegierigen Fans, bildgierigen Paparazzi und klatschfreudigen Journalisten belagert zu werden. Lange Jahre war die mittlerweile 37-jährige Schauspielerin vor allem als streitlustige, etwas verzogene Rachel aus der US-amerikanischen Erfolgsserie "Friends" bekannt. Doch als sie Frauen-, Mädchen- und Männerschwarm Brad Pitt heiratete, stieg nicht nur ihr Kurs an der internationalen Klatschbörse: Informationen über Jennifer Anistons Privatleben wurden von den Boulevardmedien zum Gemeingut erklärt. Die Scheidung von Pitt, die zu allem Unheil auch noch mit einer anderen Frau, namentlich Angelina Jolie, in ursächlichen Zusammenhang gebracht wurde, verstärkte diesen Trend nur noch. Doch Aniston drehte nach dem privaten Schlamassel fleißig Filme, sogar eine Trennungskomödie, die nun in die deutschen Kinos kommt. Über ihren Filmpartner Vince Vaughn, der angeblich auch zu ihrem tatsächlichen Lebensgefährten wurde (jüngst machten dann wieder Trennungsreüchte die Runde), möchte sich Aniston ungern äußern. Doch verrät sie im Interview einiges über ihre eigene Seelenlage, die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, und sie erklärt, warum sie nur einmal um ein Autogramm bat und danach nie wieder.

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teleschau: Frau Aniston, mit 37 Jahren sind Sie selbst ein weltbekannter Star. Haben Sie jemals für einen anderen Star geschwärmt?

Jennifer Aniston: Ich bat nur ein einziges Mal in meinem Leben jemanden um ein Autogramm. Ich war sieben Jahre alt und war fasziniert von einem Darsteller aus der "Sesamstraße". Ich nahm all meinen Mut zusammen und ging auf eigene Faust mitten während eines festlichen Abendessens auf ihn zu. Doch er ließ mich einfach abtropfen, indem er sagte, dass man nicht während eines Abendessens um ein Autogramm bitten dürfe. Von da an war ich für mein Leben gezeichnet, war schwer gedemütigt. Seitdem hatte ich nie mehr den Mut - und ehrlich gesagt auch keine Lust mehr - um Autogramme zu betteln.

teleschau: Das Angebot zu Ihrem neuen Film erreichte Sie in einer Zeit, als Sie die Trennung von Ihrem Ehemann Brad Pitt verkraften mussten.

Jennifer Aniston: Ja, wirklich ein bizarrer Zufall ...

teleschau: Wieso entschieden Sie sich dennoch für eine Trennungskomödie?

Jennifer Aniston: Es war das wirklich einzige Drehbuch, das mir in dieser Zeit zugesandt worden war. Es kam aus dem Nichts. Ich weiß noch: Ich musste unwillkürlich lachen, weil das ja schon eine sehr ironische Situation war. Aber als ich es gelesen habe und erkannte, dass es keine fluffige, leichte romantische Komödie über eine Trennung war, sondern ein durchaus ernster, tiefgründiger Film, sagte ich zu. Viele Drehbücher, die ich zugeschickt bekomme, sind meistens in ihrer Geschichte viel zu überkonzeptioniert.

teleschau: Halten Sie den Film wirklich für eine Komödie oder eher für ein Drama?

Jennifer Aniston: Genau darum ging es mir: Das Leben ist komisch und dramatisch zugleich. Alles fließt hinein. Ich mag natürlich auch konsequente Schenkelklopfer-Komödien gerne. Darin mitspielen möchte ich aber nicht.

teleschau: Warum nicht?

Jennifer Aniston: Da wäre ich einfach nicht gut. Wenn mehr Bezug zur Realität hergestellt wird, dann habe ich einfach selbst mehr Spaß daran und kann kreativer sein.

teleschau: Haben Sie etwas dazugelernt, was zu tun wäre, damit es erst gar nicht zu einer Trennung kommt?

Jennifer Aniston: Wenn Männer und Frauen erst einmal kapieren, dass sie nicht richtig miteinander kommunizieren, dann sind alle Beteiligten schon mal sehr viel weniger frustriert. Dann versteht man nämlich, aus welchen Gründen der Partner nicht so denkt wie man selbst. Wenn man einen bellenden Hund tritt, wird man gebissen. Also: Nicht streiten, reden!

teleschau: Sind die Unterschiede zwischen Männern und Frauen dennoch unüberbrückbar. Was denken Sie?

Jennifer Aniston: Männer und Frauen sind unterschiedlich, aber auch Männer und Frauen untereinander. Schließlich sind wir alle Individuen mit unseren Problemen und Macken. Generell würde ich aber sagen, dass ... nein, eigentlich sind doch nicht alle Männer gedankenlos. Die einen sind faul, andere sind gedankenlos, manche selbstsüchtig und einige sind auch Lügner. Jeder ist etwas.

teleschau: Ist es dann nicht problematisch, dass in diesem Fall drei Männer das Drehbuch geschrieben haben?

Jennifer Aniston: Und man darf nicht vergessen, dass Vince Vaughn wirklich ein Mann ist, ein waschechter Männermann. Ich hätte mir gewünscht, dass sich eine weibliche Stimme da eingebracht hätte. Wir hatten also ordentlich was zu tun.

teleschau: Im Film gibt es eine zweideutig eindeutige Anspielung auf Telly Savalas, Ihren Patenonkel. War es für Sie ein Problem, diesen doch recht schlüpfrigen Witz im Film zu dulden?

Jennifer Aniston: Ich war noch sehr klein, als ich mit Telly zu tun hatte. Als wir aus Kalifornien wegzogen, da war ich noch ein Kind, haben wir uns immer weniger gesehen. Telly flog nie gerne, ich übrigens auch nicht. Vielleicht hatten wir deswegen nie ein solch enges Verhältnis. Der Gag im Film war natürlich ein bisschen persönlich, aber nicht der Rede wert.

teleschau: Vor Ihrer Filmkarriere arbeiteten Sie als Kellnerin. Sind Sie mittlerweile am Ziel Ihrer beruflichen Träume angekommen?

Jennifer Aniston: Ich habe lange Jahre gelitten, um beruflich etwas zu erreichen. Bis ich meinen ersten kleinen Werbespot bekam, dauerte es eine halbe Ewigkeit. Ich musste wirklich einiges aushalten. Ich hätte sogar einen Burger gespielt, um meine Miete bezahlen zu können. In dieser Zeit habe ich das Kellnern lieben gelernt. Ich glaube, ich gehöre zu den wenigen Leuten, die wirklich aus vollem Herzen Kellnerin waren.

teleschau: Mittlerweile haben Sie scheinbar so viel Macht in Hollywood, dass Sie machen können, was Sie wollen - eine Pause zum Beispiel. Haben Sie genug vom Film?

Jennifer Aniston: Ich ziehe mich jetzt für ein Jahr aus der Schauspielerei zurück und möchte einfach mal nicht arbeiten. Ich brauche schon lange Zeit zum Atmen. Nebenbei entwickle ich zwar einige Filmprojekte, die mir sehr am Herzen liegen, doch im Grunde möchte ich einfach mal ausspannen und Zeit für mich haben. Seit "Friends" im Jahre 1995 gestartet ist, habe ich nie wirklich Urlaub gehabt. Ich arbeite quasi seit knapp zwölf Jahren durch. Vielleicht habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, nicht zu arbeiten.

teleschau: Wie werden Sie sich beschäftigen?

Jennifer Aniston: Ach, es gibt so viele Sachen, die man erledigen kann. Ich möchte jetzt nicht ins Detail gehen, aber ich habe vieles auf der Welt noch nicht gesehen. Außerdem ist es Zeit, die Schränke aufzuräumen. Meine Leidenschaft gilt auch meinem Garten. Da bin ich immer zugange, wenn ich eine freie Minute habe.

teleschau: Sie könnten ein Buch schreiben - zum Beispiel über Ihre Trennung von Brad Pitt.

Jennifer Aniston: Erst einmal bin ich keine gute Schreiberin. Und zweitens wird dieses Thema schon von viel zu vielen anderen Schreibern bearbeitet.

teleschau: Dabei haben Sie bereits sehr offen darüber gesprochen.

Jennifer Aniston: Das Interview in "Vanity Fair" war unvermeidlich, und meine Gesprächspartnerin fragte mich auf Gedeih und Verderb nur zu diesem einen Thema. Also musste ich mich diesen Fragen stellen. So eine Geschichte lässt einen nicht los. Die Leute lieben Skandale einfach viel zu sehr. Da kann ich mich nicht davon freimachen. Trotzdem möchte ich nun endlich damit abschließen. Das ist einfach nicht mehr mein Leben. Es ist Vergangenheit.

teleschau: Wenn Sie Ihre Pause beendet haben, gibt es dann noch Hoffnungen auf einen "Friends"-Kinofilm?

Jennifer Aniston: Niemals, nein und wieder nein. Wollen Sie wirklich "Friends" als Kinofilm sehen? Wer möchte das denn? Ich kenne keinen. Das hört sich auch verdächtig nach Folter an. Es ist unglaublich, dass "Dallas" jetzt fürs Kino adaptiert wird. Sie werden es sich ja wohl anschauen müssen, ich nicht.

teleschau: Selten musste eine Schauspielerin so viel Druck von Seiten der Öffentlichkeit ertragen wie Sie. Wie nah waren Sie der Entscheidung, Ihren Job hinzuschmeißen?

Jennifer Aniston: So lange ich meinen Job machen kann, können die Leute ruhig denken, was sie wollen. Ich spüre keinen Druck von der Öffentlichkeit. Aber zurück in den Kampf um anständige Trinkgelder? Ich werde wohl nicht mehr als Kellnerin arbeiten. Dennoch würde ich lügen, wenn ich nicht zugeben würde, dass es Momente gab, in denen ich sehr frustriert war. Aber ich liebe meinen Job zu sehr, als dass ich ihn aufgeben könnte. Ich könnte nie einfach nur Hausfrau sein: Ich will arbeiten, das gehört zu meinen Leben.

Leif Kramp


Nach den vielen Schlagzeilen um die Trennung von Brad Pitt kehrt Jennifer Aniston nun ins Kino zurück.
Nach den vielen Schlagzeilen um die Trennung von Brad Pitt kehrt Jennifer Aniston nun ins Kino zurück. (2006 Universal Studios)

Von der Kellnerin zum Superstar: Jennifer Aniston. Ihr neuer Film "Trennung mit Hindernissen" kommt nun in die Kinos.
Von der Kellnerin zum Superstar: Jennifer Aniston. Ihr neuer Film "Trennung mit Hindernissen" kommt nun in die Kinos. (2006 Universal Studios)

Zeit für Garten und Schränke: Jennifer Aniston nimmt sich ein Jahr Auszeit.
Zeit für Garten und Schränke: Jennifer Aniston nimmt sich ein Jahr Auszeit. (2006 Universal Studios)

Datum: 07.08.2006

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