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Jami Gertz
"Ich opfere mich auf"Schauspieler Jami Gertz (tsch) Jede Generation hat ihre populäre Familienserie: Da gab es Ekel Alfred, die "Bill Cosby Show" und natürlich auch Al Bundy und seine "schrecklich nette Familie". In der US-Sitcom "Still Standing" (ab Mo., 28.08., werktags bei RTL II) wird das Genre nun zwar nicht neu erfunden, doch die sympathischen Protagonisten geben sich alle Mühe, ihr chaotisches Treiben sehr unterhaltsam in Szene zu setzen. Serienstar Jami Gertz, bekannt aus "Emergency Room", "Ally McBeal", aber auch "Seinfeld" und "The Facts of Life", spielt darin eine Mutter, die ihre Nöte damit hat, ihren verspielten Ehemann und die drei umtriebigen Kinder zu in den Griff zu bekommen. Im Interview spricht die 40-Jährige Mutter von ebenfalls drei Kindern über die Authentizität der Serie, den wohl schwierigsten Job der Welt und über die leidige Sache mit den Zahnarztterminen ihrer Kinder. Anzeige
teleschau: "Still Standing" arbeitet mit den üblichen Klischees: Der Vater ist eigentlich immer Kind geblieben, die Mutter ist die Vernunft in Person, hat aber auch ihre Macken, und die Kinder sind - wenn man so will - die wahren Erwachsenen. Was macht für Sie den Charme der Serie aus? Jamie Gertz: Ich wuchs in Chicago auf und kenne die Art von Humor von klein auf, der die Serie auszeichnet. Okay, vielleicht hatten die Eltern, Bill und Judy, in der Highschool viele Probleme: Sie wurde schwanger, sie waren gezwungen zu heiraten. Doch sie haben es gemeistert. Aber ich mag die Serie, weil die Kinder smarter als ihre Eltern sind. Die geraten nämlich immer von einem Problem ins nächste. Und wenn mal ein Tag vergeht, an dem niemand ins Krankenhaus muss, dann flippen sie aus vor Freude. teleschau: Aber sie repräsentieren die aus Sitcoms bekannte Mittelmäßigkeit ... Jami Gertz: ... was für sie auch völlig in Ordnung ist. In einer Welt, in der alles immer richtig und perfekt laufen muss, ist so eine unkomplizierte Einstellung wie ein warmer Sommerregen. teleschau: Halten Sie die Serie trotz der Überhöhungen für authentisch? Jami Gertz: Für sehr authentisch. Überall gibt es Eltern, die einfach nichts hinbekommen. In Wirklichkeit wollen sie aber der Welt weismachen, sie seien perfekt. Und durch all den technischen Fortschritt sind Kinder heute tatsächlich in vielen Dingen sehr viel weiter als die Erwachsenen. So etwas birgt eine Menge Humor, gerade weil es so realistisch ist. teleschau: Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Ihren Schauspielkollegen im Vergleich zu jenen aus "Emergency Room" oder "Ally McBeal" beschreiben? Jamie Gertz: "Still Standing" wuchs sie mir wirklich ans Herz. Die Zusammenarbeit war immer herrlich und liebenswert. In den vier Jahren gab es nie ein böses Wort zwischen uns, obwohl so etwas sonst eigentlich immer und überall vorkommt. Zu Beginn war mein Partner Mark Addy noch sehr schüchtern gewesen. Aber am Ende, glauben Sie mir, waren wir wirklich wie ein echtes Ehepaar. Wir fühlten uns einfach wohl miteinander, so wohl, dass ich ihm sagte, er würde mir viel besser gefallen als mein eigener Ehemann. teleschau: Wieso das? Jamie Getz: Nun, er sagte immer zu allem "Ja". Zu Hause heißt es immer "Nein". teleschau: Was raten Sie jungen Frauen, die sich überlegen, Kinder zu bekommen? Jami Gertz: Als ich anfing, Babys zu bekommen, war es ganz und gar nicht gern gesehen, wenn eine Schauspielerin schwanger wurde. Meine Agentin riet mir, ich solle mich bloß nie mit meinem Bauch fotografieren lassen. Man sprach einfach nicht über so etwas. Heute dagegen ist es genau anders herum: Die Medien sind voll von Ratschlägen und Berichterstattungen über prominente Schwangere. Die werdenden Mütter unter meinen Schauspielkolleginnen heutzutage tun mir leid, weil sie einem solchen Druck ausgesetzt sind. Sie müssen sich als brillante, aufopferungsvolle, strahlende Mütter inszenieren und können sich gar nicht auf das Wesentliche konzentrieren. teleschau: Also hat das Mutterdasein heute nichts mehr mit Spaß zu tun? Jami Gertz: Natürlich ist es einfacher, zur Arbeit zu gehen. Das war es schon immer. Mein Job als Mutter war der härteste und schwierigste, den ich jemals zu bewältigen hatte. Wer einmal die Verantwortung gespürt hat, aus den kleinen Babys gesunde, starke und vor allem glückliche Menschen zu machen, der weiß, wovon ich rede. Du musst immer ein Teil von ihnen sein, musst immer mehr Energie aufbringen, als du eigentlich zur Verfügung hast. teleschau: Haben Sie in jüngeren Jahren einen Plan gehabt, wann Sie eine Familie und Kinder haben würden? Jami Gertz: Ich hatte eine sehr glückliche Kindheit und bin meinen Eltern und meinen beiden Geschwistern immer noch sehr nah. Ich glaube, wenn man eine schöne Kindheit hatte, möchte man das noch einmal neu erschaffen. Ich liebe meine Familie, die mir wichtiger ist als alles andere. Ja, ich hatte immer den Plan, dass ich mich über beide Ohren in einen Mann verlieben wolle und Kinder mit ihm haben würde. Und ich drehe so viele Fernsehserien, weil ich das in Los Angeles tun kann, wo ich abends nach Hause komme und mich um meine Lieben kümmern kann. teleschau: Sie sind nun bereits seit 17 Jahren mit Ihrem Mann Tony Ressler verheiratet, was sehr ungewöhnlich für Schauspielerehen ist. Was ist Ihr Geheimnis? Jami Gertz: Da gibt es kein Geheimnis. Was man haben sollte, ist der gewisse Sinn für Humor. Mein Mann und ich lachen viel gemeinsam, obwohl das Leben oft nicht leicht ist. Eine Ehe erfordert konstantes Arbeiten an sich selbst und am Partner. Natürlich streiten wir uns auch mal und haben sicher auch verschiedene Ansichten bei Erziehungsfragen und anderen Themen. Aber seine Eltern sind über 50 Jahre verheiratet, meine fast 45 Jahre: Das sind gute Vorbilder für uns. Zu viele Menschen bekommen Angst, wenn sie glücklich sind ... teleschau: Wie bringen Sie die Schauspielerei und Ihren Mutter-Job unter einen Hut? Jami Gertz: Ich habe nie in Kategorien gedacht, nach denen ich erst einmal beruflichen Erfolg haben müsste, um eine Familie zu gründen. Ich wollte natürlich immer gerne tolle Filme und Serien drehen, doch auch meine Familie haben. Da bedingt nicht eines das andere. Aber, das sage ich Ihnen ganz ehrlich: Ich habe sehr darunter zu leiden. teleschau: Was meinen Sie damit? Jami Gertz: Ich habe eben das Gefühl, dass immer etwas zu kurz kommt. Meistens bin das ich selbst, denn Zeit für mich alleine habe ich eigentlich nie. Ich fühle mich sofort schuldig, wenn ich nicht zu Hause sein kann, weil meine Kinder alleine sind. Also gehe ich zur Pediküre? Zur Massage? Oder mit meinen Freundinnen aus? Wahrscheinlich nicht. teleschau: Bringen Sie manchmal auch etwas durcheinander? Jami Gertz: Bei dem Stress, ich gebe es zu, kommen die verrücktesten Sachen vor. Ich stand neulich mit einem der Kinder zum falschen Termin beim Zahnarzt vor der Tür. Oder ich fuhr zu einer Party, doch die war schon eine Woche zuvor. Ich versuche aber, nicht meinen Humor zu verlieren. teleschau: Müssen Sie aus Rücksicht auf Ihre Familie viele Rollenangebote absagen? Jami Gertz: Natürlich kommt so etwas vor. Ich habe zum Beispiel ein Angebot abgelehnt, weil ich für die Dreharbeiten vier Monate nach Thailand hätte fliegen müssen. Ich überlege mir mit meinen 40 Jahren mittlerweile sehr genau, was ich mir wert bin. teleschau: Sie starteten Ihre Karriere 1981 gemeinsam mit Tom Cruise in "Endlose Liebe". Waren Sie später jemals neidisch auf ihn? Jami Gertz: Das ist witzig: Der Film war zwar für uns beide der erste unserer Karriere, doch ich kann mich, ehrlich gesagt, gar nicht an ihn erinnern. Vielleicht hätte ich ihm damals mehr Aufmerksamkeit schenken sollen. Ich weiß nur noch, dass ich mich mit Brooke Shields angefreundet habe. teleschau: In den USA lief die allerletzte Episode von "Still Standing" im März. Für Sie ein besonders trauriger Schlussstrich? Wie geht es weiter? Jami Gertz: Ich genieße zurzeit den Luxus, einfach mal nichts zu machen. Ich urlaube gerade und war schon in Griechenland, der Türkei und Hawaii. Ich brauchte einfach eine Pause und wollte diese Saison keine Serien-Pilotsendungen drehen. Und jetzt endlich habe ich Zeit ... teleschau: ... doch noch zur Pediküre zu gehen. Jami Gertz: ... und zur Massage. Ich habe sogar meine Haarfarbe geändert. Ich muss wirklich sagen, dass ich mein Leben gerade sehr genieße. Leif Kramp |
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