Zum Glück geküsst
(tsch) Großstadtmärchen haben im Grunde nur Vorzüge: Sie sind stets up to date, führen der ländlichen Kinogemeinde vor, wie aufregend das Leben in einer Metropole ist, und dem urbanen Zuschauer wird versichert, wie gut er es doch getroffen hat. So abschreckend (siehe "Taxi Driver"), so zuckersüß (siehe "Weil es dich gibt") und so unverfroren (siehe "Sex and the City") diese Geschichten auch sein mögen: Wenn uns der Film nach New York entführt, dann gehen wir gern auf diese Reise - selbst wenn die berühmten Olsen-Zwillinge im Pyjama durch die Straßen Manhattans rennen. Leider kann man es aber auch falsch machen: Der Drehort Manhattan sichert nicht immer die Güte des finalen Werkes. Das muss sich nun Donald Petrie eingestehen, der bei einer weiteren viel versprechenden, doch am Ende enttäuschend gewöhnlichen Liebeskomödie im Herzen des Big Apple Regie geführt hat.
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"Zum Glück geküsst" verspricht der Titel, und die beiden jungen Hauptdarsteller Lindsay Lohan und Chris Pine bringen das nötige Rüstzeug mit, um für allerlei Kurzweil zu sorgen. Pine ist mit seinen beinahe 26 Jahren der neue Herzensbrecher in Hollywood, gerade alt genug, um nicht mehr nur Highschool-Beaus zu mimen. Und Lindsay Lohan ist mittlerweile auch in Deutschland ein Begriff - nicht nur, was ihre Filme angeht. Die 25-jährige New Yorkerin liebt und lebt den Rock'n'Roll.Diesmal ist sie als aufstrebende Großstädterin zu sehen, der alles in den Schoss zu fallen scheint. Egal, was sie anstellt: Es gelingt, und zwar mit durchschlagendem Erfolg. In Windeseile wird sie befördert und darf einen rauschenden Maskenball organisieren, der zum Branchenereignis der Musikindustrie werden soll. Der von Pine gespielte Gegenpart heißt Jake und ist ein selten unglücklicher Pechvogel. Alles missglückt ihm: Seinen Job als Manager einer leidlich guten Boygroup aus England nimmt er so tollpatschig wahr, dass er sogar im Kittchen landet. Doch der Ball verspricht eine ungeahnte Wendung im Leben der beiden Workaholics: Ein Kuss bringt sie näher, als es zumindest Ashley lieb ist; denn das Glück springt auf den nächsten Wirt über. Jake kann sein buchstäbliches Glück kaum fassen. Um es kurz zu machen: Trotz aufwallendem Neid, Besitzansprüchen und allerlei Vorwürfen verlieben sich die beiden, und am Ende sind alle klüger - nur nicht der Zuschauer. Das Dilemma des Films ist das reisbrettartige Drehbuch von Marlene King und Amy Harris, die bereits für die (fehlenden) Inhalte einiger "Sex and the City"-Episoden verantwortlich war. Die Schwächen beginnen bei der platten Metaphorik: Natürlich weiß mittlerweile jeder Kinogänger in der westlichen Hemisphäre (und nicht nur dort), dass es pures Glück sein muss, um in Manhattan beim ersten Versuch ein Taxi zu bekommen. Aber deswegen muss es ja nicht noch einmal und noch einmal gezeigt werden. Dabei ist die kurze und auch angenehm kurzweilige Filmphase bis zum "Lucky Switch" auf dem Maskenball unterhaltsam inszeniert - wenn auch stereotypisch, doch das gehört dazu bei einem Märchen. Leider ist Regisseur Petrie in der Folge alles andere als konsequent, wenn es um den verbissenen Kampf um das verlorene oder gefundene Glück geht. Hier hätte etwas mehr Leidenschaft, gerne auch übertrieben, etwas Neues geboten. Doch stattdessen wird der immer gleiche Erkenntnisprozess gezeigt, um die Moral von der Geschicht' auch wirklich nicht verkommen zu lassen: Wer vom Glück gesegnet ist, der soll sich glücklich schätzen. Und wenn's vorbei ist, dann soll man sich nicht grämen. Es sollte halt nicht sein. Ach, und: Glück hat mit dem Glücklichsein natürlich rein gar nichts zu tun. Dennoch ist Lindsay Lohans Auftritt als verwöhntes Society-Girl, das auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wird, im Zusammenhang ihres neuerlichen Skandals sehenswert: Die Produzenten eines ihrer kommenden Filme mit dem Titel "Georgia Rule" schickten ihr eine Abmahnung, weil sie zum wiederholten Male nicht bei den Dreharbeiten erschienen war und als Entschuldigung Überhitzung vorgeschoben hatte. Eigentlicher Grund - so wird vermutet: ihre allzu langen Nächte auf diversen Partys. Wer das sehr persönliche Schreiben, das zum offenen Brief wurde, an eine Klatsch-Internetseite lanciert hat, ist aber nicht bekannt.
Leif Kramp
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Credits: V:Kinowelt, USA 2006, R: Donald M. Petrie, D: Chris Pine, Lindsay Lohan, Faizon Love u.a.
Laufzeit: 103 Min.
Ashley Albright (Lindsay Lohan) genießt ihre Glückssträhne in vollen Zügen. (Kinowelt Filmverleih)
Im schicken Kleid fühlt sich Ashley (Lindsay Lohan) auf dem Maskenball richtig wohl. (Kinowelt Filmverleih)
Als der attraktive David Pennington (Chris Carmack) Ashley (Lindsay Lohan) zu einem Date einlädt, ist sie überglücklich. (Kinowelt Filmverleih) |
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