(tsch) Seit 15 Jahren erscheint Bärbel Schäfer auf dem Bildschirm (bei DW, WDR, ARD, RTL und RTL II), pausierte nur im vergangenen Jahr, nachdem im Januar 2005 Söhnchen Samuel zur Welt gekommen war. Die ehemalige WDR-Hospitantin kennt das Geschäft, und nach sechs Jahren eigener Talkshow ("Bärbel Schäfer", 1995 - 2002 bei RTL) sowie persönlicher Krisen kennt die Ehefrau von Michel Friedman auch das Leben ganz gut. Vor allem aber weiß Bärbel Schäfer um ihre Stärken: Ihr Ding ist das Gespräch. Dieses Talent setzt die 42-Jährige, die mit der Familie in Frankfurt lebt, nun in ihrer neuen Sendung ein, der Schicksals-Doku-Soap "Ich will zurück ins Leben! Bärbel Schäfer macht Mut" (ab Di., 05.09., 21.15 Uhr, RTL II). Die Autorin, Moderatorin und Unicef-Botschafterin ist wieder da - und im Interview wird klar: Von Bärbel Schäfer ist noch einiges zu erwarten.
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teleschau: 2001 antworteten sie in einem Interview auf die Frage, wo Sie sich in fünf Jahren sehen: "Da ist die Umstellung von Day Time auf Prime Time geglückt und ich werde weiterhin viel Spaß haben und moderieren." Ziemlich weitsichtig ...
Bärbel Schäfer: (lacht) Da war ich ja richtig visionär! Mein geheimer Wunsch, ein Buch zu schreiben, den ich damals gar nicht äußerte, hat sich auch noch erfüllt (Der Roman "Wer, wenn nicht er?" von Bärbel Schäfer und Susanne Luerweg erschien 2005 bei Diana, das Porträtbuch "Ich wollte mein Leben zurück" erscheint am 23. August bei Rütten und Loening Berlin, d. Red.)! Toll!
teleschau: Die Mutter von zwei Kindern, deren erster Mann sich das Leben nahm, wird depressiv, nachdem der Zweite sie in der Schwangerschaft verlassen hat. Das ist der erste Fall in Ihrer neuen Show, mit der Sie Menschen begleiten, die sich nach einem Schicksalsschlag oder einer schweren Krise wieder aufrappeln wollen. Klingt nach einer großen, zwischenmenschlichen Herausforderung.
Bärbel Schäfer: Ja, es ist eine besondere Aufgabe, sich auf die Fälle einzulassen, und ich freue mich sehr, wenn ich eine Entwicklung feststellen kann. Im Gegensatz zur Talkshow haben wir nun 45 Minuten Zeit für einen Menschen und seine Lebenssituation. Wir sind unterwegs und schauen unter die deutschen Dächer. Oft geht es zwei Schritte vorwärts, aber auch mal einen zurück. Damit umzugehen, zu motivieren oder jemanden zu begleiten, das ist schon eine Herausforderung.
teleschau: Haben Sie sich vor der Show psychologisch coachen lassen, oder werden Sie auf Ihre eigene Menschenkenntnis und Erfahrung zurückgreifen?
Bärbel Schäfer: Wenn es wirklich schwierig wird, und ich nicht mehr wie ein guter Gesprächspartner oder eine Freundin mit einem offenen Ohr beraten kann, dann haben wir Experten, die uns mit psychologischer Fachkenntnis unter die Arme greifen. Natürlich habe ich kein Psychologiestudium vor Beginn der Sendung absolviert. Ich denke, da hilft das Leben ja manchmal auch.
teleschau: Was hilft Ihnen selbst in schwierigen Zeiten?
Bärbel Schäfer: Ich glaube, dass mein grundsätzlicher Optimismus ganz hilfreich ist, sowie die Erfahrung, die auch das Alter mit sich bringt. Das Leben ist nun mal eine Achterbahnfahrt und läuft bei uns allen nicht immer perfekt. Ich glaube, jeder hat schon einmal Erfahrung mit Trennungen gemacht - oder Verlusten, in welcher Hinsicht auch immer. Ich versuche, den Kandidaten zu vermitteln, dass man an schwierigen Lebenssituationen nicht verzweifeln muss, und ihnen zu zeigen, dass man daraus auch gestärkt herausgehen kann und keine Angst vor dem Leben zu haben braucht. Ein enges Netzwerk von Freunden kann auch förderlich sein.
teleschau: Sie haben nicht gezögert, das Angebot zu dieser Doku-Soap anzunehmen?
Bärbel Schäfer: Nein, denn es entspricht meiner Person und meiner Glaubwürdigkeit. Das Gesprächsformat liegt mir. Außerdem passt die Sendung zu dem Buch, das ich gerade mit Monika Schuck geschrieben habe.
teleschau: Der Titel klingt ähnlich: "Ich wollte mein Leben zurück. Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit Krebs".
Bärbel Schäfer: Es entstand in Zusammenarbeit mit der Deutschen Krebshilfe. Darin werden auch schwere Lebenskrisen beschrieben, in denen sich Menschen mit Krebs befinden. Diese Interviews mit prominenten und nicht prominenten Krebspatienten waren sehr persönliche, schwierige und emotionale Gespräche. Aber ich mag das Gespräch mit den Menschen über das, was das Leben ausmacht. Ich habe keine Angst vor Emotionen.
teleschau: Ihr Sohn ist jetzt gut eineinhalb Jahre alt. Was hat sich für Sie verändert, seit Sie Mutter sind?
Bärbel Schäfer: Noch einmal der Blick auf das Leben: Man ist verantwortlich und empfindet so viel Liebe für so eine kleine Persönlichkeit. Das ist schon ein tolles Gefühl. Das macht für mich das Leben vollkommener: Familie.
teleschau: Sind Sie generell ein Familienmensch? Ihre Produktionsfirma "Couch Potatoes" gründeten Sie 1998 gemeinsam mit Ihrem Bruder Martin Schäfer.
Bärbel Schäfer: Wenn man sich versteht, ist Familie eine großartige Geschichte. Bei uns ist das zum Glück so. Das hilft auch in schwierigen Zeiten. Familie leistet viel mehr als man oft denkt. Oft wird die Stirn gerunzelt, wenn man am Sonntag mal wieder zu Oma muss, aber man sollte nicht vergessen, welchen Wert das hat. In anderen Ländern wird Familie viel mehr gehegt und gepflegt. Konflikte werden offen ausgetragen. Die Deutschen sind da eher zurückhaltend und schüchtern.
teleschau: Sind Sie und Ihr Bruder sich ähnlich?
Bärbel Schäfer: Ich glaube, was Disziplin, Ausdauer und Zielstrebigkeit angeht, sind wir uns ziemlich ähnlich. Das haben wir beide von den Eltern mitbekommen. Ich bin vielleicht noch kontaktfreudiger. Aber wir haben den gleichen Humor und auch gemeinsame Freunde - das ist wohl auch notwendig, um so lange auch erfolgreich zusammenzuarbeiten. Ich habe mich aber aus der Produktionsfirma ein wenig zurückgezogen, seit mein Sohn auf der Welt ist.
teleschau: Wie organisieren Sie sich sonst mit Beruf und Kind?
Bärbel Schäfer: Wie andere Berufstätige auch - mit einem Netzwerk aus Vater, Großeltern und professioneller Kinderbetreuung. Anders geht es nicht, weil es in Deutschland ja kaum Kitas gibt, die auch mal früh aufmachen. Wenn man spät Kinder bekommt, lange gearbeitet hat und den Beruf mag, finde ich, gibt es auch keinen Grund, nur zu Hause zu sitzen und eine reine Spielplatz-Mutti zu werden. Wenn man beide Seiten leben kann, ist das 'ne tolle Sache. In unserer Generation ist das doch nun auch selbstverständlich. Und kein Thema mehr.
teleschau: Haben Sie noch Vorbilder im Fernseh-Geschäft?
Bärbel Schäfer: Natürlich beobachte ich Kollegen, die beinahe jede Sendung selbst produzieren. Und von ihren jeweiligen Sendern sehr gefördert werden. Bei den Männern klappt das auch ganz gut, Tag und Nacht auf dem Bildschirm zu sein. Aber ich glaube, der Preis, den viele Moderatoren bezahlen - also weniger Familienleben zu haben - wäre mir momentan zu hoch. Ich habe sechs Jahre lang eine tägliche Sendung moderiert- zwar am Nachmittag, aber ich hatte das alles schon. Von Vorbildern würde ich nicht sprechen, da hat jeder seinen eigenen Stil und seine eigene Zielgruppe. Und ich mache auch noch keine Riesensendung, die mit solchen Medienstars vergleichbar wäre.
teleschau: Die Frage liegt zum Abschluss nahe: Was wünschen Sie sich für 2011?
Bärbel Schäfer: Diesen Beruf weiterhin auszuüben und privat so glücklich zu bleiben, wie ich es im Moment bin.
Petra Fürst
Bärbel Schäfer kehrt zurück auf den Bildschirm: Bei RTL II moderiert sie ab Dienstag, 05.09., 21.15 Uhr, die Schicksals-Doku-Soap "Ich will zurück ins Leben! Bärbel Schäfer macht Mut". (RTL II)
Seit kurzem ist Bärbel Schäfer auch Buchautorin: 2005 kam der Roman "Wer, wenn nicht er?" heraus (mit Ko-Autorin Susanne Luerweg, Diana Verlag), demnächst erscheint "Ich wollte mein Leben zurück. Menschen erzählen von ihren Erfahrungen mit Krebs" (mit Monika Schuckerscheint, Rütten & Loening). (RTL II)
Die gelernte Hotelfachfrau Bärbel Schäfer gründete 1998 mit ihrem Bruder die Produktionsfirma "Couch Potatoes", aus der sie sich jedoch mittlerweile ziemlich zurückgezogen hat. (RTL II)