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Colin Farrell
Ein Rockstar für die KamerasSchauspieler Colin Farrell (tsch) Hollywood liebt Colin Farrell. Er hat alles, wonach die Filmwelt derzeit verlangt. Der Ire, verantwortlich für manche weibliche Fantasie, machte mit Drogeneskapaden Schlagzeilen und outete sich der Klatschpresse als Alkoholiker. Zwischen den Besuchen in Entzugskliniken lieferte er Boulevardreportern fleißig Frauengeschichten. Erst kürzlich warf ihm ein angeblicher Seitensprung vor, schlecht im Bett und brav "wie Micky Maus" zu sein. Doch die Skandale und das Böser-Bube-Image sind lediglich Zündstoff für die Publicity. Die Substanz des "Miami Vice"-Darstellers (Bundesstart: 24.08.) ist - so unspektakulär das klingen mag - handfestes Talent. Anzeige
Als er sich dessen bewusst wurde, war der gebürtige Dubliner schon 18 Jahre alt. Ursprünglich wollte er Fußballer werden, ganz wie der Papa. Sein Vater Eamonn spielte in den 60-ern ebenso wie sein Onkel Thommy beim erfolgreichsten irischen Fußballclub, den Shamrock Rovers. Allerdings stellte Colin schnell fest, dass ihm die harte Disziplin und das strenge Training widerstrebten. Früh zeichnete sich der Bohème ab, zu dem er später werden sollte. Wenn er heute zu Interviews schlurft, sich betont cool hinfläzt, sehen seine Bewegungen eher nach durchfeierten Nächten aus als nach Fitnessstudio und Tartanbahn - anscheinend war es die richtige Entscheidung. Den Biss, den man von Hollywoods Elite erwartet, sieht man Colin Farrell nicht an. Perfekt ungestylt lümmelt er im Sessel, als gäbe es nichts Langweiligeres als Interviews. Einsilbig, aber lässig wie kein Zweiter spielt er die Zeit runter. Diese Rockstar-Attitüde steht ihm ohne Zweifel, er ikonisiert die "Scheiß drauf"-Haltung der Problemjugend. Ein Beweis: Er gab zu, das Original zu seinem aktuellen Streifen, "Miami Vice", sei ihm nicht besonders wichtig, gemeinsam mit Kollege Jamie Foxx habe er ohnehin die Charaktere zeitgemäß neu inszeniert. Besonders habe ihnen dabei Regisseur Micheal Mann geholfen, der von Anfang an eine Vision hatte: "Er fühlt, was er tut. Aus Farben, Bildern, Architektur und Musik schafft er ein ästhetisches Gesamtbild. Mann ist einfach ein extrem kreativer Kopf." Als die Vorlage in den 80er-Jahren im Fernsehen lief, war Colin Farrell noch in der Pubertät. Mit 17 verbrachte er dann ein Jahr in Australien, wo er zum ersten Mal auf einer Bühne stand. Zurück in der Heimat spielte er hie und da Theater, tourte sogar mit einer Tanzgruppe durchs Land. Rückblickend macht Colin Farrell keinen Hehl aus seiner wilden Jugend. Überhaupt scheint der 30-Jährige kein Blatt vor den Mund zu nehmen - seine derbe Ausdrucksweise und gelangweilte Art sind seine Markenzeichen. Sein älterer Bruder, der heute eine Schauspielschule leitet, finanzierte ihm damals die Ausbildung an der National Performing Arts School, überzeugt vom Talent des Nesthäkchens der sechsköpfigen Familie. Nach einigen Nebenjobs als Statist, Auftritten in Werbespots und kleineren TV-Rollen, wurde er von niemand Geringerem als Kevin Spacey ("American Beauty", "Die üblichen Verdächtigen") entdeckt. Der sah Colin Farrell 1998 zufällig in seiner Rolle als Autist an einem Londoner Theater und war begeistert. Anschließend ging es rasant bergauf für den jungen Iren: Die Angebote häuften sich. Um näher an der Quelle zu sein, zog er nach Los Angeles, wo er 2000 als Hauptdarsteller in der kleineren Produktion "Tigerland" Kritiker überzeugte. Es folgten Filme an der Seite von Bruce Willis ("Das Tribunal") und Tom Cruise ("Minority Report"). Indes schürten besagte Medienberichte das Interesse für den Europa-Export, was "Der Einsatz", "Daredevil" und dem Ausnahme-Streifen "Nicht auflegen!" zusätzliche Publicity einbrachte. Für das Historien-Epos "Alexander" blieb das Lob jedoch aus, auch "Miami Vice" strauchelt derzeit in den USA. Doch Kritiken liest der Wanderpokal der Hollywood-Beautées ohnehin nicht. Zumindest behauptet er es - stützt den Kopf auf die Hand und zieht die Augenbrauen hoch. Er mag es, im Rampenlicht zu stehen, und nutzt gekonnt die Aufmerksamkeit, um seine Mittelfinger-Einstellung der ganzen Welt kund zu tun. Auch wenn Farrell mittlerweile Vater eines fast dreijährigen Sohnes ist, lässt er weiterhin den Bad Boy raushängen. Die Filmindustrie dankt es ihm, denn so cool wie er ist eben keiner. Gregor Jossé |
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