logo
Anzeige
Lord of War

Lord Of War - Händler des Todes

Anzeige
Counter

 

Nach dem vertrackten Sci-Fi-Ausflug "Gattaca" und der Mediensatire "Simone" folgte die dritte, nach eigenem Drehbuch umgesetzte Regiearbeit von Andrew Niccol: "Lord of War - Händler des Todes" (2005). Furios geht's los, Erinnerungen an "Three Kings" werden wach. Im Vorspann wird die Herstellung einer Kugel gezeigt, die, nachdem sie die Fabrik verlassen hat, in einem Gewehrlauf landet, abgeschossen wird und im Kopf eines afrikanischen Kindsoldaten explodiert. Dass sich Hollywood nicht zu einer Finanzierung des bitterbösen Films hinreißen ließ, ist nicht erstaunlich. Erstaunlich hingegen ist, dass es trotzdem ein Budget gab, mit dem Niccol arbeiten konnte. Der Regisseur war selbst überrascht, wie er im Audiokommentar der gut ausgestatteten DVD zu Protokoll gab.

Das heiße Thema seines Films: Waffenschieberei, die der ukrainische Immigrantensohn Yuri Orlov (Nicolas Cage) in Perfektion beherrscht. Nach bescheidenen Anfängen in New Yorks Little Odessa steigt er vom Kleinkriminellen bis zum weltweit mächtigsten "Lord of War" auf. Er versorgt skrupellose Staatsoberhäupter ebenso wie marodierende Rebellenarmeen. Wer zahlt, schafft an: von der Kalaschnikow bis zum Kampfhubschrauber ...

Mit atemlosem Tempo entwickelt Niccol seine Story, führt in Windeseile seine Hauptfiguren ein. Erzählt aus der Perspektive Orlovs, der auch mal Geldbündel zählend direkt in die Kamera spricht und Familiensinn beweist, indem er den jüngeren Bruder Vitali ("Alexander"-Intimus Jared Leto) zum Partner macht. Doch der Job bringt ihm nicht nur Devisen, Macht und eine schöne Ehefrau (berechnende "Goldgräberin": Bridget Moynahan), sondern erregt auch die Aufmerksamkeit des ruhelosen Interpol-Agenten Valentine (Ethan Hawke), der alles daran setzt, dem abgefeimten Orlov das skrupellose Handwerk zu legen.

Auf oberer Ebene funktioniert diese Waffenhändler-Mär als klassischer Thriller, als gut getimte Katz- und Maus-Hatz, bei der der facettenreich angelegte Nicolas Cage Häschern wie Gegenspielern - unter anderem Sir Ian Holm als Schieber-Guru - immer einen Schritt voraus bleibt. Und dann ist da noch der Subtext, die Moralfabel, die unterschwellig zum Tragen kommt. 550 Millionen Schusswaffen kursieren zurzeit auf der Erde, räsoniert Orlov, jeder zwölfte Mensch besitzt also eine. Die Frage lautet nun: Wie kann man die restlichen elf Personen auch noch mit Waffen beliefern? Das geht nur, so lernt der Betrachter in der Folge, wenn Regierungen und Armeen mitspielen, wegschauen, wo sie hinschauen sollten. Alte Waffen verkaufen, um neue herzustellen. Wer wegschaut, macht sich schon schuldig, der (Anti-)Held ebenso wie das Publikum.

Trotz hinreißend satter Farben und unheimlich viel Sonne verliert das Bild nie an Konturschärfe und Detailtreue. Der Transfer ist exzellent, Drop-Outs und Störungen sind nicht auszumachen. Der Sound beeindruckt mit klaren Dialogen, wuchtiger Musik und klug eingesetzten räumlichen Effekten. Das umfangreiche Bonusmaterial gefällt mit einem informativen Audiokommentar von Andrew Niccol, der sich lakonisch gibt und einige unterhaltsame Anekdoten mit hilfreichen Hintergrundwissen verbindet. Dazu gibt es einige entfallene Szenen, eine faktenreiche Kurzdoku über den internationalen Waffenhandel und ein aufschlussreiches Making Of. In diesem ehrlichen Hintergrundbericht wird klar, dass viele der Waffen im Film echt waren. Für die Produktion hatte das Filmteam unter anderem 3.000 echte Kalaschnikows gekauft und mit Piloten der Waffenhändler zusammengearbeitet.

Claas Nielsen

bewertungsbox

bildformat 2,40:1 (anamorph)
sprachen Deutsch (5.1), Englisch (5.1)
untertitel Deutsch, Englisch, Türkisch
extras Audiokommentar Andrew Niccol (Regie); Entfallene Szenen; Making Of; Doku: "Ein lukratives Geschäft: Internationaler Waffenhandel"; Amnesty-International-Spot mit Nicolas Cage
laufzeit 117 Min.
tonsystem Dolby Digital
regionalcode Regionalcode 2
preis ca. 20 Euro
bewertung bild sehr gut
bewertung ton gut
bewertung extras gut

Credits:
(USA 2005, R: Andrew Niccol, D: Nicolas Cage, Bridget Moynahan, Jared Leto u.a.)


Andrew Niccol prangert in seiner schwarzhumorigen Actionsatire "Lord of War - Händler des Todes" den internationalen Waffenhandel an.
Andrew Niccol prangert in seiner schwarzhumorigen Actionsatire "Lord of War - Händler des Todes" den internationalen Waffenhandel an. (Sony)

Waffenschieber Yuri Orlov (Nicolas Cage) wittert öfter das große Geschäft.
Waffenschieber Yuri Orlov (Nicolas Cage) wittert öfter das große Geschäft. (Sony)

Yuri Orlov (Nicolas Cage, links) versorgt seine Kunden auch gerne mal mit Waffen für Kindersoldaten.
Yuri Orlov (Nicolas Cage, links) versorgt seine Kunden auch gerne mal mit Waffen für Kindersoldaten. (Sony)

Datum: 22.08.2006

Facebook aktivieren

Diskussion: "Lord of War"

Um eine Diskussion zu "Lord of War" zu beginnen melden Sie sich bitte im Forum an. Wenn Sie noch nicht registriert sind, können sie sich jetzt registrieren um an den Diskussionen teilzunehmen.
Artikel ID 173680

Weitere Artikel, die Sie interessieren könnten:

    In "Twisted" suchen viele Stars einen Serienkiller
    Der Titel sollte Programm sein: Abgedreht und anders wollte "Twisted - Der erste Verdacht" (2004) daher kommen. Doch schon bald entwickelt sich Philip Kaufmans Film zu einem konventionellen Psychothriller ...

    In "Arlington Road" kämpft Jeff Bridges gegen Tim Robbins
    Dein Nachbar, der Terrorist - als Regisseur Mark Pellington 1998 diese Angst zur Triebfeder seines Klasse-Thrillers "Arlington Road" machte, konnte er kaum ahnen, wie schrecklich aktuell das Thema wenige ...

    Ben Affleck gegen alle in "Paycheck - Die Abrechnung"
    Still ist es um John Woo geworden - viel zu still für diesen Kino-Krawallmacher ("Face/Off", "Mission: Impossible II") aus Fernost. Der Sci-Fi-Thriller "Paycheck - Die Abrechnung" (2003), den ProSieben ...

    "Perfect World" erzählt von einer ungewöhnlichen Freundschaft
    Das Ziel war klar: In "Perfect World" (1993) sollte die schrittweise Entwicklung einer Freundschaft zwischen einem kleinen Jungen und einem Gewohnheitsverbrecher gezeigt werden. Der Junge (T.J. Lowther), ...

    Tom Cruise vs. Jamie Foxx im etwas spröden "Collateral"
    Es gab eine Zeit, in der Tom Cruise noch als Publikumsmagnet und nicht durch peinliche Sekten-Videos oder ständige Terminverschiebungen seiner Filmprojekte von sich reden machte: 2004 knackte "Collateral" ...

    Surrealistischer Irrsinns-Trip: "Jacob`s Ladder"
    Jacob Singer hat Albträume. Denkt er, hofft er. Gerade ist er in der U-Bahn eingenickt. Nur einen Augenblick. Jetzt winden sich monströse Würmer um den Vietnamveteranen, verzerrte Fratzen erscheinen am ...


 
Anzeige
livedome
Konzert-DVD im Stream
Gentleman
Gentleman am 27.04. ab 20.00 Uhr als » Musikstream

Anzeige
.
Partner von Fantastic Zero


itemid = 39 - id = 1819 - task = view - option = com_content - limitstart= 0