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Klee

Etwas im besten Sinne Schönes

Band Klee

(tsch) Ihre neuere Bandgeschichte ist beeindruckend: Im April 2005 gingen Klee bei Stefan Raabs "Bundesvision Song Contest" an den Start und kurbelten so die CD-Verkäufe kräftig an. Kurze Zeit später wollte die NDW-Ikone Nena die charismatischen Kölner als Support bei ihrer Tour dabei haben. Am 11. Juli erschien Klees zweites Album "Jelängerjelieber" (in Deutschland kam das 2004 auf den Markt) sogar in Amerika bei einem kleinen Label. Und nun schweben Klee mit ihrer brandneuen Platte "Zwischen Himmel und Erde". Doch trotz des überschäumenden Erfolges in den vergangenen Monaten sind die Stammklees - Suzie Kerstgens, Stan Servaes und Tom Deininger (Daniel Klingen und Stefan "Pele" Götzer sind als Live-Unterstützung dabei) - sympathisch bodenständig geblieben und als Dreiergespann im Münchner Café "Mariandl" herrlich erfrischend.

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teleschau: Glückwunsch! Seit Mitte Juli ist Euer Album "Jelängerjelieber" auch in Amerika zu haben.

Sten: Ja, das ist echt spannend. Die ersten Reaktionen sind durchweg positiv. Denn wir werden dort im europäischen Kontext wahrgenommen und neben Bands wie Coldplay, Phoenix oder Air genannt - das ist eine wahnsinnige Ehre. Wir wollen die Hoffnung aber nicht in den Himmel schrauben. Wir erwarten uns da nicht viel.

Suzie: Es war einfach nett, dass ein sympathisches kleines US-Label (Minty Fresh, Anm. d. Red.) für uns Interesse zeigte, das ganz am Anfang auch die Cardigans in Amerika unter Vertrag hatte. Wir überlegten nicht lange, ob das nun Sinn macht oder nicht, sondern ließen den Bauch entscheiden.

teleschau: Wird das Album dort auf Deutsch veröffentlicht?

Suzie: Ja klar, aber es heißt nicht "Jelängerjelieber". Das wäre für die Amerikaner etwas schwer auszusprechen. Wir nannten es korrekt übersetzt "Honeysuckle". Als Bonbon haben wir drei Songs ("Für alle, die", "Gold" und "Tausendfach", Anm. d. Red.) ins Englische übertragen und draufgepackt.

teleschau: Fiel Euch das nicht schwer?

Suzie: Im Gegenteil, das Übersetzen von Songs macht großen Spaß, weil man sich viel Zeit dafür nimmt, um das passende Gefühl, das im deutschen Text rüberkommt, auch in der Fremdsprache zu entwickeln. Ein Native Speaker hat uns aber geholfen.

teleschau: In Deutschland erscheint jetzt Euer neues Album "Zwischen Himmel und Erde". Wie lange habt Ihr daran gearbeitet?

Sten: Im Endeffekt nicht sehr lange, weil wir so viel auf Tour waren. Wir gaben letztes Jahr insgesamt 120 Konzerte. Zwar nahmen wir uns vor, ganz romantisch unterwegs im Hotelzimmer zu schreiben, aber so etwas klappt nie. Nicht bei uns. Weil einfach die Ruhe fehlte. Wir begaben uns also kurz nach Weihnachten - nach der Nena-Tour - für zwei Monate in Klausur und komponierten eifrig.

Suzie: Es war für unser Schaffen eigentlich ganz gut, dass wir zuvor so exzessiv on tour waren. Das schweißte uns zusammen. So ging die Arbeit am Album relativ schnell. Wir waren richtig heiß darauf, an der Platte zu basteln.

Sten: Ich glaube auch, dass es für uns positiv war, so ein knappes Zeitfenster zu haben. Denn wer trödelt, verzettelt sich schnell.

teleschau: Gibt's bei so intensiver Zusammenarbeit und Nähe nicht oft Zoff?

Suzie: Da wir uns schon so lange kennen, sind wir mittlerweile so fest zusammengewachsen, dass Streitereien eher fruchtbar sind. Wenn man immer sachte und seicht im Umgang miteinander ist, kommt man nicht zum Ziel.

Tom: Durch unsere enge Freundschaft können wir härter an einer Sache arbeiten, weil wir uns problemlos kritisieren können. Da kann eben nicht jeder das unterbringen, was er will. Wenn ein Gitarrensolo von mir in einem Song nicht erwünscht ist, dann ist das okay. Die Gemeinschaftsarbeit steht im Vordergrund und nicht der einzelne Musiker.

teleschau: Wie lange kennt Ihr Euch schon?

Sten: Ewigkeiten! Tom und ich waren schon zusammen im Kindergarten.

Suzie: Mich trafen sie später als schlimm Pubertierende.

Sten: Und es ist kein Klischee: Wir sind auch privat beste Freunde! Selbst wenn wir nicht Musik machen, gehen wir abends zusammen weg. Wir sehen uns weit mehr als 300 Tage im Jahr. Nur nicht, wenn wir getrennt in den Urlaub fahren.

Suzie: Wir leben nicht kommunenmäßig zusammen und haben auch andere Freunde, die nichts mit Musik am Hut haben. Aber selbst die teilen wir.

teleschau: Wie seid Ihr schließlich zur Musik gelangt?

Sten: Als Tom und ich zusammen Fußball kickten, fanden wir heraus, dass wir beide auch Instrumente spielen. Und da es auf dem Land nicht so viele Kinder mit solchen Interessen gibt, lag es nahe, dass wir gemeinsam Musik machen sollten.

Tom: Vereinfachend wirkte dabei, dass wir uns musikalisch nicht annähern mussten: nicht von Heavy Metal zu HipHop. Wir liebten beide die Beatles.

Sten: Wir wollten so sein wie John Lennon und Paul McCartney. Bis heute streiten wir uns, wer wer ist! (lacht)

teleschau: Und nun veröffentlicht Ihr Eurer mittlerweile drittes Album. Hat "Zwischen Himmel und Erde" eine bestimmte Message?

Sten: Gefühle sind das Hauptthema. Es war uns wichtig, ein Album zu produzieren, das souverän und offensiv Gefühlswelten beschreibt. Romantik spielt eine große Rolle - aber nicht der verkitschte Begriff, sondern eine eher idealisierte und ehrliche Idee von Romantik. Auch die Liebe, die uns antreibt, wollten wir so intensiv wie möglich ins Album legen. Wir wollten eine gewisse Weichheit hineinbringen. Etwas im besten Sinne Schönes.

teleschau: Wo nehmt Ihr bei der vielen Arbeit und der Endlos-Tour die Inspiration her? Habt Ihr einen kreativen Lieblingsort?

Suzie: Tatsächlich war es bei einem Stück so, dass ich eine Parallelwelt erlebte. Als ich einmal auf der Bühne stand, kam mir der Gedanke, wie es wäre, diese Erfahrungen und Empfindungen mit Worten in einem Song zu beschreiben. Und so entstand "Der größte Moment". Die Bühne und das Konzert selbst waren für mich Inspirationsquelle. Obwohl ich glaube, dass es gar keine festgelegten Orte gibt, an denen die Ideen kommen. Wichtig ist, was man in einer Situation empfindet.

Tom: Außerdem sollte man immer die Antennen ausgefahren haben, um gute Ideen auch zu erkennen. Wenn man mit offenen Augen durchs Leben geht, sieht man Dinge anders. Man nimmt sie anders wahr.

teleschau: Der Deutschpop boomt seit einigen Jahren. Woher kam das so plötzlich? Euch gab es als Ralley schon bevor die große Welle anrollte ...

Sten: Richtig, uns gibt es eigentlich schon seit 1996. Aber erst mit Wir sind Helden fing der Aufschwung wieder an. Wahrscheinlich war - wie man so schön sagt - die Zeit reif. Man entdeckte plötzlich, dass es ja hierzulande viele gute deutschsprachige Gruppen und, neben diversen aufkommenden Castingshows im TV, tolle Musik gibt.

teleschau: Von denen scheinst Du nicht so viel zu halten ...

Sten: Irgendwann kam einem das Casting-Getue einfach zu den Ohren raus. Die Idee von Musik wurde und wird dadurch pervertiert. Musik hat immer mit Aufrichtigkeit zu tun. Und die Teilnehmer werden da schlicht dafür benutzt, um mit ihnen Geld zu machen. Darum geht's beim Songwriting eben nicht! Und auch ohne all diese Casting-Acts hängen sich leider zu viele an dieses Deutschpop-Ding.

Suzie: Aber das Gute ist doch, dass es viele authentische Bands gibt, die gerade diesen Acts die Stirn bieten.

Klee on tour:

06.09., Darmstadt, Centralstation

07.09., Leipzig, Moritzbastei

08.09., Dortmund, FKW

09.09., Bielefeld, Kamp

10.09., München, Ampere

12.09., Würzburg, AKW

13.09., Nürnberg, Hirsch

14.09., A-Wien, B72

15.09., A-Linz, Posthof

16.09., A-Dornbirn, Carrini Saal

19.09., Bremen, Modernes

20.09., Hamburg, Grünspan

22.09., Dresden, Starclub

24.09., Hannover, Musikzentrum

25.09., Potsdam, Waschhaus

27.09., Karlsruhe, Tollhaus

28.09., Osnabrück, Rosenhof

29.09., Essen, Zeche Carl

30.09., Stuttgart, Zapata

01.10., CH-Zürich, Mascotte

Julia Schöppner


Klee - das sind Tom (rechts), Suzie und Sten (zweiter von links). Als Live-Unterstützer ist am Schlagzeug Daniel Klingen dabei.
Klee - das sind Tom (rechts), Suzie und Sten (zweiter von links). Als Live-Unterstützer ist am Schlagzeug Daniel Klingen dabei. (V2)

Die Stammklees Sten (links), Suzie und Tom (rechts) kennen sich schon Ewigkeiten.
Die Stammklees Sten (links), Suzie und Tom (rechts) kennen sich schon Ewigkeiten. (V2)

Sehen sich weit über 300 Tage im Jahr: die Kölner Klee.
Sehen sich weit über 300 Tage im Jahr: die Kölner Klee. (V2)

Datum: 05.08.2006

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Diskussion: "Klee"

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