Paris Hilton

Harmonielehre mit der Hotelerbin

Society-Star Paris Hilton

(tsch) Irgendwann im Verlauf der Dreharbeiten zur MTV-Serie "The Simple Life" passierte das Undenkbare: Hotelerbin Paris Hilton musste einkaufen. Nein, keine Klamotten, keine Juwelen, und auch nicht auf einer der angesagten Flaniermeilen irgendeiner Jetset-Metropole. Die gute Frau musste in den Supermarkt. "Und es hat Spaß gemacht", sagte sie. Klar, ist ja auch Shopping. Nur eben bisschen billiger. Auf jeden Fall ging diese Begegnung mit dem einfachen Leben an Paris nicht vorbei. Sie dachte jetzt häufiger nach. Darüber, wie es wäre, Kinder zu haben, angeblich sogar ein bisschen über Politik. Und weil so Nachdenken bisweilen zu den erstaunlichsten Ergebnissen führt, macht die kürzlich von ihrem geliebten, wenn auch illegal gehaltenen Wickelbär "Baby Luv" gebissene Paris Hilton jetzt sogar Musik: Seit dem 11. August steht ihre Platte "Paris" in den Läden.

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"Stars Are Blind" heißt ihre erste Single, und sie klingt lustigerweise ganz genau so, wie man sich das von einer Paris-Hilton-Single vorstellt: blond, etwas einfältig, geradezu herrlich unoriginell, man nahm als Vorlage nämlich einfach den UB40-Klassiker "Kingstontown" und schraubte an ihm so lange herum, bis niemand mehr auf die Idee kommen konnte, da Tantiemen zu verlangen. Dazu warme Worte von einer, die Bescheid weiß: "All these other guys wanna take me for a ride, but when i walk, they talk of suicide", singt sie, um anschließend festzustellen, dass a) die Götter verrückt, b) die Sterne erblindet sind und sie c) sowohl Teuflein als auch Englein ist. Hach. Und dann gibt es übrigens noch "Turn It Up", die obligatorische R'n'B-Hymne, die ganz gut als Soundtrack zu diesem Schlafzimmer-Filmchen "One Night In Paris" wäre. Das ist übrigens wohl der einzige Porno, in dem die Hauptdarstellerin während einer Schlüsselszene die Kulisse verlässt, um ans Telefon zu gehen.

Aber wie konnte es so weit kommen? Wie schaffte es Paris Hilton ohne nennenswerte Eigenleistungen nicht nur in die Regale der Videotheken, sondern vor allem ins öffentliche Bewusstsein der Medien? Die Antwort ist einfach: Sie ließ sich fotografieren. Erst, das war weniger interessant, für diverse Herrenzeitschriften der anständigen Sorte. Und dann "erwischte" sie ein Society-Fotograf just, als sie einer Stretch-Limousine entstieg und verblüffend wenig unter ihrem Kleidchen trug. Die Bilder gingen um die Welt und zu MTV in den Strategieraum: Was entwickelt wurde, war oben bereits angerissenes "The Simple Life": Paris Hilton durfte gemeinsam mit Freundin Nicole Ritchie - ja, was eigentlich? Im Prinzip ein Praktikum in der Realität des kleinen Mannes machen. Das brachte ihr ein eigenes Einkommen und den Fernsehsendern - in Deutschland war's ProSieben - fabelhafte Quoten. Vier Staffeln wurden bisher von "The Simple Life" abgedreht, die letzte im Frühjahr. Lustig: Die beiden Hauptdarstellerinnen drehten nie am selben Tag und begegneten sich kein einziges Mal am Set - Ursache: ein angeblich fieser Streit.

Das klingt alles unglaublich trivial - aber hinter dem Blondchen steckt eine knallharte Geschäftsfrau. Finanziell hat sich Paris Hilton längst von ihrem Familienclan emanzipiert. Sie ist Mitinhaberin mehrerer Nachtclubs und entwirft gemeinsam mit ihrer Schwester Nicky Accessoires und Modeartikel. Und wer sie auf seiner Party haben möchte, muss für ein gutes Viertelstündchen schon 500.000 Dollar hinlegen.

Der Schritt zur Musik scheint da nur logischer Schritt hin zu einer gewissen Kalkulierbarkeit der Einnahmen zu sein: Die Single verkaufte sich gut, in Deutschland steht sie in der dritten Woche in den Top Ten. Das Album dürfte völlig unabhängig aller musikalischen Qualitäten ein ebensolcher Erfolg werden. Mit an Bord sind Produzenten, die schon für Kelly Clarkson, Jay-Z und Aerosmith arbeiteten, und Klein-Paris spielt immerhin seit ihrem sechsten Lebensjahr Klavier und Violine, dürfte also wenigstens die gröbsten Regeln in Sachen Harmonielehre kennen. Ihr größtes Vorbild ist - eher untypisch - Blondie-Chanteuse Debbie Harry, die Texte schrieb sie selbst. Bleibt eine Frage: Warum eigentlich? Ein Kindheitstraum, sagt Paris, einfach das, was sie schon immer machen wollte. Vor einem allzu deutlichen Richtungswechsel ins Feuilleton muss freilich niemand Angst haben: Der Yellow Press bleibt Paris Hilton erhalten, momentan vor allem wegen eines offenbar neu entdeckten Harmoniebedürfnisses: So ist sie (angeblich) wieder mit dem griechischen Reeder-Sohn Stavros Niarchos zusammen, auch die Versöhnung mit Nicole Ritchie ist (angeblich) in der Mache. Vielleicht wird Paris Hilton ja wirklich erwachsen.

Jochen Overbeck


Paris Hilton: "Stars Are Blind" heißt die erste Single von Paris Hilton.
Paris Hilton: "Stars Are Blind" heißt die erste Single von Paris Hilton. (Warner)

Paris Hilton: Geschäftsfrau mit Shopping-Tick.
Paris Hilton: Geschäftsfrau mit Shopping-Tick. (Warner)

Paris Hilton mag Blondie, Partys und vielleicht auch wieder Stavros Niarchos.
Paris Hilton mag Blondie, Partys und vielleicht auch wieder Stavros Niarchos. (Warner)

Datum: 23.08.2006

Diskussion: "Paris Hilton"

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