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Soffy O

"Das Einzige, was immer da ist - meine Stimme"

Sängerin Soffy O

(tsch) Vielleicht erzählen die heute etwa 30-Jährigen in zwei, drei Jahrzehnten ganz verklärt vom Berlin der Jahrtausendwende. So wie die Alten von Psychedelic im San Francisco der Sechziger berichten oder von Beat Generation und Pop Art in New York. Das Pendant zur legendären Factory, Andy Warhols Kreativzentrum, wäre dann wohl die "galerie berlintokyo" in Berlin-Mitte. Dort gingen sie rund ums Millenium schließlich ein und aus, die Berliner Hipster der Stunde: der verrückt-geniale Gonzales, die derbe Peaches, der schrullige Soulman Mocky oder die Berliner Electro-Meister Tok Tok. Auch eine junge Schwedin fühlte sich wohl hier, obwohl Sophia Larsson Ocklind eigentlich gar keine Künstlerin war. Kreative Epizentren einer Pop-Bewegung zeichnen sich aber stets durch aberwitzige Durchlässigkeit aus - und so wurde Soffy O, wie sie bald hieß, als Sängerin entdeckt. Mit Tok Tok landete sie wenig später den Top-20-Hit "Missy Queen's Gonna Die", der national wie international für Furore in den Clubs sorgte. Heute, wo kaum noch jemand von der Berliner Szene spricht, überrascht eben jene Soffy O mit "The Beauty Of It", einem der schönsten Popalben des Sommers.

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Soffy O kichert, verbrüdert sich mit den Fragestellern und ist ganz im Gegensatz zu ihrem verhuscht entrückten Aussehen ganz die nette Schwedin von nebenan. Wie ein richtiger Popstar benimmt sich die blonde Frau mit der interessanten Mund-Nasenpartie immer noch nicht, auch fünf Jahre nach ihrer Übernacht-Wandlung von der Studentin zur Sängerin beim Berliner Elektro-Act Tok Tok. 1998 war sie nach Berlin gekommen und hegte keinerlei Träume von der großen Karriere im Musikbusiness. "Es hat sich wirklich alles erst in Berlin entwickelt, ich hatte damals keine richtigen Pläne. Eher so eine Panik nach dem Abitur. Ich wollte reisen und etwas anderes sehen als Schweden. In Berlin habe ich Deutsch studiert, Japanisch und Russisch."

Der Kontakt zu Tok Tok in der "galerie berlintokyo" war eine normale Clubbekanntschaft, und der Hit "Missy Queen's Gonna Die" in der Tat der erste wirkliche Gesangsversuch der jungen Sophia. Heute glaubt sie, dass der Charme des weltweiten Dancefloor-Fegers eben dieser Naivität geschuldet war: "Der Track fiel auf, weil es eben kein klassisches Stück war. Ich konnte nicht wirklich perfekt singen und auch keine perfekten Texte schreiben. Letztendlich gab es da nur diese Basslinie und eine Melodie. Es hatte Charme, weil es so 'cheap' war." Nach dem Erfolg mit Single und Video folgte ein Album und schließlich eine endlose Tour durch die Clubs dieser Welt. Im Jahr 2004 nahm sich der Instant-Popstar eine Auszeit, ging für anderthalb Jahre zurück nach Schweden und besuchte Freunde und Familie.

Klar war damals schon, dass der persönlichen Erdung ein eigener Sound folgen sollte. Großer Pop statt Techno und Electro. "Ich war schon immer Popfan und dazu eine große Vinylsammlerin. Schweden ist ja voller Pop, von Techno oder elektronischer Szene hat man da nicht so viel mitgekriegt. Das war in Berlin natürlich erst mal neu und spannend für mich, deshalb wollte ich das auch miterleben. Meine größten Favoriten sind jedoch Mädchenbands wie die Ronettes und Shangri-Las. Anderseits liebe ich Funk und Soul von Prince, Sly & The Family Stone oder Parliament." Auf der weiten Reise vom kühlen Technogewitter zum warmen Soulpop-Regen fand Soffy O während ihrer Auszeit einen Gleichgesinnten, den kanadischen Stevie-Wonder-Verehrer Mocky. Der ehemalige Bassstudent einer Jazz-Hochschule nimmt selbst Alben auf, drei sind es mitterweile an der Zahl. Er ist Produzent, Multiinstrumentalist, Gonzales-Freund und - oh Wunder - ebenfalls ein ehemaliger Besucher der "galerie berlin tokyo".

"Mocky kann extrem gut komponieren", schwärmt Soffy O begeistert von ihrem musikalischen Partner. "Ich singe ihm meinen Text mit der Melodie vor, und er spielt sofort Sachen dazu auf dem Klavier. Das ist wichtig für mich, denn ich kann ja kaum Instrumente spielen." Wo die Reise hingehen sollte, war zu Beginn der Arbeit am Album "The Beauty Of It" kurioserweise weder Mocky noch seiner Sängerin klar. " Mocky hat mich einfach spielen lassen. Das war das Gute, wir wollten Songs schreiben, lustige Poplieder machen. Erst mit der Zeit wurde uns klar, welchen Stil das Album haben würde. Es ist reiner Pop, der ganz unterschiedliche Wurzeln besitzt. Das einzige, was immer da ist? Es ist wohl meine Stimme!"

Geholfen haben beim ersten Werk von Soffy O neben Mocky Gonzales, der auf einigen Tracks Klavier und Schlagzeug spielt, dazu der exaltierte Sänger und Funkmeister Jamie Lidell. Insgesamt also doch viele Namen aus dem alten Berliner Kreativ-Umfeld. Hört sich so der Berliner Sound von 2006 an? "Diese Musik passt nicht so gut in die Berliner Szene", gibt sich Soffy O eher skeptisch, "es ist nichts für DJs und kein Liveact, wo ich in einem Keller stehe und zu schrägen Beat singe. Viele Berliner Freunde werden das nicht mögen." Fast klingt es so, als müsse sich Soffy entschuldigen für die sonnendurchstrahlten Songs auf dem Album. Mal klingen sie nach Prince, mal nach fluffigem Girl-Pop der bereits erwähnten Mädchenbands. Dazu verstrahlen sie aber immer auch eine Modernität, die einem modernen Großstadt-Soundtrack gut zu Gesicht stehen könnte. Soffy O hat ihrem Sound befreit von Trends und Szenen, "The Beauty Of It" klingt nach warmen Spätsommertagen und einer leichten Liebe, die man festhalten will. Warum sollte sich nette Schwedin für so einen Sound schämen müssen?

Eric Leimann


Weg von der Disko, rein in den Pop: Soffy O.
Weg von der Disko, rein in den Pop: Soffy O. (Labels)

Soffy O veröffentlicht mit "The Beauty Of It" ihr Debütalbum.
Soffy O veröffentlicht mit "The Beauty Of It" ihr Debütalbum. (Labels)

"Das Einzige, was immer da ist? Es ist wohl meine Stimme", sagt Soffy O über ihr Album.
"Das Einzige, was immer da ist? Es ist wohl meine Stimme", sagt Soffy O über ihr Album. (Labels)

Datum: 25.08.2006

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