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Sugarplum Fairy

"Wir haben unseren Sound gefunden"

Gruppe Sugarplum Fairy

(tsch) Es ist ja schon irgendwie unheimlich, wenn gleich zwei Kinder auf einmal in der Musikbranche Karriere machen - Neneh und Eagle-Eye Cherry zum Beispiel. Oder Liam und Noel Gallagher. Aber wenn gleich alle drei Jungs einer Familie in angesagten Bands rocken, dann ist das ja fast wie - bei den Jacksons ... Nun ja, die Norén-Eltern aus Borlänge (Schweden) jedenfalls haben so ein Glück: Gustaf, der Älteste, ist Teil von Mando Diao, und die beiden Jüngeren, Carl und Victor, sind die Frontmänner von Sugarplum Fairy. Beide Bands bringen ihre neuen Alben fast zeitgleich auf den Markt. Mando Diao mit "Ode To Ocrasy" ihr drittes, Sugarplum Fairy mit "First Round First Minute" ihr zweites. Ein ausgefuchster Plan? Carl, der momentan im Sommerhaus seiner Großeltern außerhalb Stockholms an der Ostküste Schwedens sitzt, verrät im Gespräch, was es damit auf sich hat.

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teleschau: Weißt Du, dass wir gerade sehr neidisch sind?

Carl Norén: Weil ich gerade in unserem Sommerhaus residiere?

teleschau: Ja ...

teleschau: Es ist toll hier! Zum Abhängen und Relaxen, bevor die Tour startet, ist das wunderbar. Gustaf und Victor, unsere jüngere Schwester Josefine, Mama, Papa und unsere Großeltern sind auch hier. Ein Familientreffen also.

teleschau: Nur das, oder seid Ihr Jungs auch kreativ?

Carl: Ich schreibe hier sehr viele Songs. Es ist wahnsinnig inspirierend an diesem Ort. Wenn ich am See sitze und Gitarre spiele, kommen mir viele Ideen.

teleschau: Ihr veröffentlicht nun Euer zweites Album "First Round First Minute"- eine Woche bevor Eurer Bruder Gustaf mit Mando Diao sein drittes Werk herausbringt. War das für den direkten Vergleich so abgemacht? Etwa eine Strategie?

Carl: Nein, das war reiner Zufall, obwohl wir schon über unsere Arbeit sprechen.

teleschau: Also seid Ihr keine Konkurrenten?

Carl: Gar nicht. Wir empfinden eher Freundschaft als Konkurrenz. Daher war es mit den Alben niemals geplant, sich in die Quere zu kommen. Jetzt finden wir es aber alle sehr spannend, dass sie zur fast gleichen Zeit erscheinen.

teleschau: Wenn Ihr dieselben Fans habt, könnte sich das positiv auf beide CD-Verkäufe auswirken ...

Carl: Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, ob wir dieselben Anhänger haben. Aber ich bin mir sicher: Wer Mando Diao mag, mag auch Sugarplum Fairy.

teleschau: Wenn man sich durch Amazon klickt, sieht man, dass Leute, die Eure CD kauften, sich oft auch eine von Mando Diao zulegten und umgekehrt ...

Carl: Sie scheinen unsere Familie zu mögen!

teleschau: Verratet Ihr Euch gegenseitig, was Ihr für Eure Alben plant?

Carl: Wir schreiben uns manchmal sogar gegenseitig Songs! Wenn Gustaf zum Beispiel noch Textzeilen fehlen, gebe ich ihm ein paar von meinen, sofern sie passen. Trotz allem reden wir aber nicht allzu viel über die Details. Wir leben ja auch nicht mehr zusammen in einem Haus - anders als bei unserem ersten Album, als wir uns gegenseitig am Klavier oder mit der Gitarre komponieren hörten.

teleschau: Wolltet Ihr nie alle drei zusammen eine Band gründen?

Carl: Wir fingen sehr früh an, Musik zu machen, auch durchaus gemeinsam. Aber Gustaf, der Älteste, ging meist seine eigenen Wege. Und Victor und ich unternahmen schon immer viel mehr zusammen. Also gründeten wir auch getrennt voneinander die ersten Bands - Gustaf spielte bei den Diamonds und wir bei den Sunbeams. Als diese Gruppen auseinander brachen, hatte Gustaf längere Zeit keine Band, während wir uns in Richtung HipHop orientierten.

teleschau: HipHop?

Carl: Das war damals in Schweden richtig angesagt. Als das aber wieder abflaute, starteten wir 1998 mit Sugarplum Fairy und Gustaf ein Jahr später mit Mando Diao. Er zog recht früh in eine andere Stadt, sodass es schon allein deswegen bequemer und einfacher war, mit Victor ein Ding zu drehen. Außerdem hört Gustaf mehr die Sachen von Sixties-Bands wie Small Faces, Victor und ich mögen hingegen neuere Musik wie Oasis und Nirvana. Das passte einfach besser zusammen.

teleschau: Ihr seid drei Jungs, die alle drei Musik machen. Schätzen sich Eure Eltern da glücklich, oder jammern sie auch mal?

Carl: Ich glaube, sie haben großes Mitleid mit den Eltern ihrer Schwiegertöchter. Du weißt ja, Eltern finden es nicht gerade toll, wenn ihre Töchter mit Rockstars abhängen (lacht). Aber mal im Ernst: Unsere Eltern waren schon immer große Musikfans und sind eher beeindruckt und stolz, dass wir mit unserer Musik erfolgreich sind. Wahrscheinlich fielen wir kurz nach unserer Geburt alle in den gleichen Suppenbottich für Extratalentierte - so wie Obelix einst in den Zaubertrank plumpste (lacht).

teleschau: Nun veröffentlicht Ihr Eure zweite Platte. Was ist neu?

Carl: Sie ist ganz anders als "Young & Armed". Wir hatten weniger Zeit für die Songs - insgesamt eineinhalb Jahre. Für das erste Album verarbeiteten wir Lieder, die sich im Laufe unseres Lebens angesammelt hatten. Da konnte man Dinge hören, die schon sechs Jahre alt waren - also eine Art Kollektion aller Songs, die wir hatten. Es war anfangs gar nicht so einfach, sich hinzusetzen und am Stück Songs zu schreiben. Das musste ich mir erst beibringen. Und dann schrieb ich einfach drauf los.

teleschau: Über welche Themen insbesondere?

Carl: In der Zeit nach dem ersten Album lernten wir sehr viel Neues kennen, hatten Misserfolge mit Mädels, ich zog nach Stockholm, wir hörten viel Musik und spielten oft live. Ich selbst musste persönliche Dramen verarbeiten. Durch all das wurde unser Nachfolgealbum natürlich positiv beeinflusst. Was ihm auch zugute kam: Wir arbeiteten enger zusammen. Im Vergleich zur ersten Platte schrieben wir mehr Songs gemeinsam, wie zum Beispiel "Last Chance".

teleschau: Ihr klingt immer noch nach Oasis ...

Carl: Jede Band klingt immer ein wenig nach einer anderen. Gerade wenn man Musik mit den Grundinstrumenten Gitarre, Bass und Drums macht, kommen oft Vergleiche. Wahrscheinlich liegt es an Victors Stimme, die manchmal an Liam Gallagher erinnert. Aber es macht stolz, zu hören, dass man nach Oasis klingt. Schließlich sind wir große Fans.

teleschau: Diese Art von Musik scheint in Schweden gerade zu boomen. Ist es nicht frustrierend, dass man gegen so viele Konkurrenten wie etwa die Shout Out Lounds, The Hives oder den eigenen Bruder ansingen muss?

Carl: Natürlich ist es immer wichtig, an sich und seine Stärken zu glauben. Außerdem schreibt ja jeder andere Songs und Lyrics. Klar, gibt es in dem Genre bei uns viele andere erfolgreiche Bands, aber jeder hat seine eigene Persönlichkeit. Wir spüren da keinen Neid, keinen Konkurrenzkampf. Wir applaudieren eher den Leuten zu, die tolle Hits schreiben.

teleschau: Ihr veröffentlicht auf Eurer ersten Single gleich zwei Songs auf einmal - "She" und "Last Chance". Warum das?

Carl: Genau, in Deutschland ist die Platte als so genannte Doppel-A-Seite erhältlich: "She" ist ein luftiger Sommersong, und "Last Chance" zeigt die andere, etwas kühlere und nachdenklichere Seite des Albums. Wir dachten, das wäre ein guter Weg, um den Fans zu präsentieren, wie "First Round First Minute" klingen wird.

teleschau: Der Albumtitel erinnert an einen Boxkampf ...

Carl: Richtig, der Name soll eine Reminiszenz an Muhammad Ali in den 60-ern sein. Damals boxte er seinen Gegner (Sonny Liston, Anm. d. Red.) in der ersten Minute der ersten Runde K.o. Übertragen soll das bedeuten: Der Hörer soll schon in der ersten Minute des Albums von der Musik gefangen sein. Außerdem ist es die erste Runde und erste Minute für Sugarplum Fairy, da wir das erste Mal konkret Songs für ein Album geschrieben haben. Und wir haben mit "First Round First Minute" unseren Sound gefunden.

Sugarplum Fairy auf Deutschland-Tour - die Daten:

20.09., Berlin, Kesselhaus

21.09., Hamburg, Molotow Reeperbahn Festival

22.09., Osnabrück, Rosenhof

23.09., Bielefeld, Kamp

24.09., Bochum, Matrix

26.09., Köln, Prime Club

27.09., Freiburg, Jazzhaus

30.09., München, Atomic Café

04.10., Heidelberg, Karlstorbahnhof

05.10., Trier, Forum

06.10., Aschaffenburg, Colos-Saal

07.10., Dresden, Star Club

08.10., Hannover, Musikzentrum

Julia Schöppner


Sugarplum Fairys neues Werk kommt am 18. August. Von links: Carl Norén, Jonas Karlsson, David Hebert, Kristian Gidlund und Victor Norén.
Sugarplum Fairys neues Werk kommt am 18. August. Von links: Carl Norén, Jonas Karlsson, David Hebert, Kristian Gidlund und Victor Norén. (Universal)

Sugarplum Fairy verspüren keinen Konkurrenzkampf.
Sugarplum Fairy verspüren keinen Konkurrenzkampf. (Universal)

"Wer Mando Diao mag, mag auch Sugarplum Fairy." Da ist sich Carl sicher.
"Wer Mando Diao mag, mag auch Sugarplum Fairy." Da ist sich Carl sicher. (Universal)

Datum: 25.08.2006

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Diskussion: "Sugarplum Fairy"

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