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Stacie Orrico

Ein anderer Mensch

Sängerin Stacie Orrico

(tsch) Henry Maske will ein Comeback starten. Das ist zwar ein wenig lächerlich, weil er stets insistiert hat, dass er niemals wieder in den Boxring steigen würde. Aber immerhin kann er auf eine lange und erfolgreiche Karriere blicken. Der US-amerikanischen Sängerin Stacie Orrico gelang einst auch der große Durchbruch mit Hits wie "Stuck" oder "(There's Gotta Be) More To Life". Damals war die Halbitalienerin erst 17 Jahre jung und badete schon ausgiebig im Erfolg. Und im Stress. So sehr, dass sie sich von der Musik distanzierte. Nun, drei Jahre später, kehrt die inzwischen 20-Jährige ins Biz zurück. Kann man in dem Alter schon von einem Comeback reden? Irgendwie schon. Man könnte ihre neue Platte "Beautiful Awakening", wie der Titel schon sagt, als Neuerwachen, als Neustart bezeichnen. Denn wie sie da so sitzt in einem Münchner Nobelhotel, ist von dem ausgelaugten Mädchen von damals nichts mehr übrig. Stacie strotzt nur so vor Energie und Lebensfreude. Angst vor einem Flop hat sie nicht.

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teleschau: Dein neues Album "Beautiful Awakening" steht bald in den Plattenläden. Der Vorgänger "Stacie Orrico" ist drei Jahre alt, damals warst Du erst 17. Viel Zeit ist vergangen - inwiefern hast Du Dich verändert?

Stacie Orrico: Ich fühle mich wie eine komplett andere Person. Im Laufe der Zeit merkt man zwar oft nicht, dass man erwachsen wird und sich wandelt. Erst bei einem konkreten Blick zurück, auf das, was man erlebt und getan hat, wird einem das bewusst. So erlebe ich das gerade während meiner Promo-Tour hier in Europa. Ich sehe dieselben Städte wie damals, dieselben Sehenswürdigkeiten, aber es fühlt sich alles so unglaublich anders an.

teleschau: Besser?

Stacie: Oh ja, ich genieße die Zeit. Ich gehe mittlerweile viel mehr in dem auf, was ich tue. Es ist intensiver als jemals zuvor.

teleschau: Das heißt, dass Du jetzt noch mehr hinter Deiner Musik stehst?

Stacie: In der Tat! Ich liebe dieses Album. Mehr als jedes andere zuvor. Es ist mein Baby. Und genau das motiviert mich natürlich noch stärker, weiterzuarbeiten und Musik zu machen. Ich schrieb an fast allen der zwölf Songs mit. Jeder von ihnen ist tatsächlich eine Geschichte aus meinem Leben und erzählt von meinen Erfahrungen.

teleschau: Was hast Du in den drei Jahren Pause erlebt?

Stacie: Kurz nach dem Erfolg wollte ich erst einmal nichts mit der Musik und meiner Karriere am Hut haben. Ich schaltete weder das Radio noch den Fernseher ein, schrieb keine Songs, schminkte mich nicht und zog mir auch keine schicken Fummel mehr an. Ich verbrachte viel Zeit mit meiner Familie und reiste nach Kalifornien. Meine Schwester fing an, dort zu studieren, und ich wohnte mit ihr und ein paar anderen Kumpels im Wohnheim zusammen.

teleschau: So ein Studentenleben muss für Dich ja etwas ganz Besonderes gewesen sein ...

Stacie: Oh ja, das war großartig! Ich selbst war ja nicht einmal auf der High-School. Ich erfuhr also das erste Mal so richtig, was es heißt, ständig spät ins Bett zu gehen, Sportevents zu verfolgen, zu lachen, mit Menschen zu quatschen, die nichts mit Musik zu tun haben. Völlig normale Dinge eben! Das war so erfrischend für mich. Ich konnte endlich meine eigene Identität formen. All die Freunde, die ich damals hatte, arbeiteten in der Musikindustrie.

teleschau: Dachtest Du damals überhaupt daran, jemals eine neue Platte zu veröffentlichen?

Stacie: Um ehrlich zu sein, machte ich mir zu diesem Zeitpunkt ziemlich wenig Gedanken über die Musik. Obwohl andauernd Leute auf mich einredeten, ich sollte doch mein Talent nutzen, um Songs zu schreiben. "Das kannst Du doch nicht einfach so begraben", sagten sie. "Wisst Ihr was, ich suche mir eine andere Aufgabe, denn ich hasse mein Leben", erwiderte ich damals.

teleschau: Du hast Dein Leben gehasst?

Stacie: Nicht die ganze Zeit. Aber zum Ende hin ging mir der enorme Stress extrem an die Nieren. Sechs Jahre lang tourte ich um die Erde und war komplett von meiner Welt, meiner Familie und meinen Freunden abgeschottet. Das war einfach zu viel für mich. Klar, ich liebe es, zu singen. Aber die Wahrheit ist doch: Es gibt sicher noch andere Dinge, die ich kann, die mir genauso viel Spaß machen und mit denen ich mein Geld verdienen kann. Hauptsache, ich kann dabei ich selbst bleiben!

teleschau: Wann, und vor allem wie kamst Du dann wieder zurück zum Singen?

Stacie: Damals entschloss ich mich dazu, erst wieder Musik zu machen, wenn ich mich tatsächlich inspiriert fühlen würde und wenn ich mir ganz sicher wäre, dass es mir wieder Freude bereitet. Dieser Deal mit mir selbst gab mir eine Art inneren Frieden. Erst zwei Jahre später entschied ich mich bewusst dazu, ein neues Album aufzunehmen. Ich setzte mich vorsichtig ans Klavier und begann zu schreiben. Ich ging wieder ins Studio und erzählte es nicht einmal meinem Label. Das war sehr schön - so ein freies, kreatives Umfeld, in dem ich mich da bewegte.

teleschau: Inwiefern?

Stacie: Ich arbeitete mit Leuten zusammen, die sehr gute Freunde von mir waren, keine Fremden. Und das Songwriting fühlte sich einfach nie an wie eine Verpflichtung. Ich plante meinen Tag selbst, kam und ging, wann ich Lust hatte und ließ den Dingen freien Lauf.

teleschau: Du warst 2003 monatelang auf Tour, bist sogar durch Asien gereist. Das muss für so ein junges Mädchen ein unglaublicher Stress gewesen sein ...

Stacie: Allerdings, sowohl psychisch als auch physisch. Andauernd stand ich im Mittelpunkt und musste meine Musik promoten - nicht nur auf dem internationalen Mainstream-Markt, sondern auch auf dem Gospel-Markt. Ich war so erschöpft und konnte nicht einmal mehr Menschen, denen ich eigentlich vertraute, in mein Leben lassen. Ich dachte damals, ich müsse alles selbst erledigen. Das war einfach zu viel für mich als 17-Jährige.

teleschau: Nun denkst Du anders darüber?

Stacie: Nach der dreijährigen Pause wurde mir klar, dass jetzt zuerst meine Familie kommt, dann die Musik. Und obwohl ich weiß, das mein neues Album nun in den Plattenläden steht, gönnte ich mir Anfang August einen Urlaub mit meinen Eltern und den Geschwistern, um den Geburtstag meines Vaters zu feiern. Dieser Trip war einfach obligatorisch. Mittlerweile empfinde ich Musikmachen als meine freie Wahl und nicht mehr als eine Pflicht.

teleschau: Was wäre aus Dir geworden, wenn Du nicht mit zwölf Jahren ins Musikbiz geschlittert wärst?

Stacie: Meine einzige andere, richtige Leidenschaft ist sozialer Art. Ich liebe es, mit Kindern zu arbeiten und sie zu unterstützen. Vielleicht wäre ich Adoptionshelferin geworden. Vielleicht würde ich aber auch daheim sitzen und meine eigenen Kinder machen (lacht laut), einfach Hausfrau sein.

teleschau: Hast Du einen festen Freund?

Stacie: Nein, im Moment bin ich Single und ganz froh darüber.

teleschau: Du wirst kaum Zeit für eine Beziehung haben.

Stacie: Sicher, es ist nicht leicht, einen Freund zu haben, wenn man Sängerin ist. Aber andererseits, wenn man mit jemandem zusammen ist, den man abgöttisch liebt, dann klappt das auch so. Dann kann man auch Tage ohne zu schlafen verbringen, nur um diese Person zu sehen. Es gab eine Zeit, da war ich sehr verliebt: Selbst wenn ich nur zwei Tage Zeit hatte, flog ich quer übers Land, nur um mit ihm am Flughafen zu frühstücken. Man macht verrückte Dinge. Nun ja, momentan bin ich mit meinem Job liiert. Wir lieben uns sehr!

teleschau: Dein neues Album "Beautiful Awakening" ist ruhiger und friedlicher als "Stacie Orrico", das noch einige Dance-Tracks enthielt. War das ein Plan, um zu zeigen, dass Du nun ein anderer Mensch bist?

Stacie: Es gab eigentlich keine vorgefertigte Idee zu dieser Platte. Das Einzige, was "Beautiful Awakening" ausmachen sollte, war, meine derzeitige Stimmung: Ich bin gerade so glücklich, gelassen und zufrieden mit mir selbst, und wollte dieses Album erst veröffentlichen, wenn ich jeden Song darauf liebe. Auch wenn das zehn Jahre gedauert hätte!

teleschau: Hast Du Angst davor, dass sich die Leute nach drei Jahren Pause nicht mehr an Dich und Deine Musik erinnern?

Stacie: Ich muss sagen, dass ich eher froh über diese Situation bin. Denn das neue Album gibt mir die Möglichkeit, einen völlig neuen Anfang zu machen und mich als erwachsene Person zu präsentieren. Das soll nicht heißen, dass ich mit "Stacie Orrico" nicht zufrieden war. Ich finde, es ist ein tolles Album. Es hat mich schließlich dahin gebracht, wo ich heute bin.

Julia Schöppner


Stacie Orrico versucht mit "Beautiful Awakening" ihr Comeback.
Stacie Orrico versucht mit "Beautiful Awakening" ihr Comeback. (Virgin Music Germany / Kevin Westenberg)

Erst 20 und schon ein Comeback! - Stacie Orrico.
Erst 20 und schon ein Comeback! - Stacie Orrico. (Virgin Music Germany / Kevin Westenberg)

Stacie Orrico findet Halt in der Religion und bei ihrer Familie.
Stacie Orrico findet Halt in der Religion und bei ihrer Familie. (Virgin Music Germany / Kevin Westenberg)

Datum: 25.08.2006

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