(tsch) Norwegen - Italien. Kälte und Lebensfreude. Was für eine Kombination, welch ein Kontrast. Und doch kann beides so nahe beieinander liegen wie "Musik für Hochzeiten und Begräbnisse". Die Norwegerin Unni Straume, Regisseurin des Dramas (2002), lebt seit über zehn Jahren in Italien. Vielleicht passieren deshalb so ungewöhnliche Dinge in ihrem Film. Da sitzt ein Paar in einer offensichtlich kalten Umgebung und macht auf mediterrane Lebensart. Wärme und Kälte begegnen sich in diesem imposanten, stilistisch schlichten Werk ständig. In Wort, in Bild, in Perfektion.
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Sara (Lena Endre) lebt alleine in einem architektonischen Kunstwerk am Meer. Ihr Mann Peter (Bjorn Floberg, "Die Rückkehr des Tanzlehrers", 2004) hat es entworfen. Doch das Paar hat sich getrennt, nachdem in der minimalistischen Design-Gruft der gemeinsame Sohn bei einem Unfall zu Tode kam. Lange hat sich die Schriftstellerin mit den blonden Naturlocken und den ausdrucksstarken Augen dort verkrochen, um ihre Erlebnisse in einem autobiografischen Roman zu verarbeiten. Doch nun ist es an der Zeit: Sie möchte wieder gestört werden.
Sara nimmt einen Untermieter auf, den serbischen Musiker Bogdan (Goran Bregovic). Seine Zigeunerkapelle und ihre Musik beleben das Gebäude - und Sara. Bregovic schrieb und spielte selbst die dezente melodische Untermalung für das norwegische Drama.
Da taucht unerwartet Peter auf. Zu Besuch. In einer langen, kammerspielartigen Begegnung erklären Dialoge die Charaktere und malen mit bloßen Sätzen die Vergangenheit dieser beiden Menschen in die kargen Räumlichkeiten des Untergeschosses. Am Ende wählt Peter, der Perfektionist, den Freitod. Sara begegnet daraufhin den anderen Frauen in seinem Leben und öffnet sich mehr und mehr ihrer Umwelt neu.
Die klare und kühle Bildsprache legt sich stimmig über die artifizielle Handlung, die durchaus der Logik folgt. Alles in diesem Film hat Substanz. Er erzählt von Leichtigkeit und Schwere, Einsamkeit und der Fähigkeit, niemandem etwas nehmen zu wollen. Viele Themen tippt Unni Straume an in diesem kleinen privaten Meisterwerk.
Jasmin Herzog
Um die Ereignisse der Vergangenheit aufzuarbeiten, verkroch sich Sara (Lena Endre) lange in ihrer Designervilla am Meer. Dann nimmt sie den serbischen Musiker Bogdan (Goran Bregovic) dort auf. (ARD / Degeto)
Nach Peters Tod freundet sich Sara (Lena Endre, rechts) mit seiner Geliebten Kaja (Rebecka Hemse) an. (ARD / Degeto)
Bogdans serbische Kapelle bringt Leben in das sterile Haus, den Schauplatz schrecklicher Ereignisse. (ARD / Degeto)
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