(tsch) In gewisser Weise brachte Steven Spielberg mit "Der Soldat James Ryan" 1998 das zu Ende, was er Jahre zuvor mit "Schindlers Liste" begonnen hatte. Damals war es um die Judenverfolgung gegangen, um den Terror des Nazi-Regimes, um Rassenhass und Führerwahn. In "Saving Private Ryan" (Originaltitel) führt der Meisterregisseur die Grauen des Krieges selbst vor Augen. Mit austauschbaren Fronten, und am Ende siegt ... eigentlich niemand.
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Die Geschichte beginnt 1944 mit dem Sturm der Normandie durch die US Army. Die erste Schlachtszene des Films wird niemand mehr vergessen, der sie im Kino gesehen hat. "Der Soldat James Ryan" offenbart die Brutalität des Krieges nicht nur anhand von Einzelschicksalen, sondern auch in Momentaufnahmen. Da prallt eine Kugel wie durch ein Wunder vom Helm des Soldaten ab. Er nimmt ihn ab, blickt fassungslos auf ihn und liegt im nächsten Moment darnieder, im Kopf getroffen.
Angeführt wird die Einheit durch Captain John Miller (Tom Hanks). Er und ein Spezialteam erhalten einen besonderen Auftrag: Sie sollen den Soldaten James Ryan (Matt Damon) ausfindig machen. Drei seiner Brüder sind bereits gefallen. Die Armee will ihn heimbringen zur Mutter, auch, um eine positive Wirkung bei der Öffentlichkeit zu erzielen. Miller und seine Männer schlagen sich durch die feindlichen Reihen.
Dabei lässt Steven Spielberg die Deutschen gesichtslos erscheinen. Kaum einer taucht auf, kaum einer ist erkennbar. Durchaus realistisch, so und nicht anders mag es den Soldaten damals auch erschienen sein. Natürlich gibt es eine Reihe pathetischer Momente im Laufe der überlangen Story. Sie gipfelt darin, dass es am Ende noch eine große Schlacht zu schlagen gilt. Dass der Gesuchte sich weigert, einfach so abzurücken, bevor seine Kameraden nicht in Sicherheit sind. Dieser Kampf wird Opfer kosten - prominente Opfer. Aber auch die braucht der Film, um seine ganze Wirkung zu erzielen. Nur namenlose Tote, das würde niemand glauben.
Bis in die Nebenrollen hinein ist das Epos stark besetzt: Tom Sizemore, Ted Danson, Ed Burns, Vin Diesel und Giovanni Ribisi standen unter anderem vor der Kamera. Zurecht war "Der Soldat James Ryan" einer der erfolgreichsten Filme der Jahre 1998 / 99. Mehr als 3,7 Millionen Deutsche gingen damals ins Kino. Dazu gab es fünf Oscars, die Beweis genug sind für Spielbergs sorgfältigen Umgang mit der Geschichte, den er demnächst ein weiteres Mal unter Beweis stellen will. Derzeit laufen die Vorbereitungen für das nächste große Regie-Projekt des beinahe 60-Jährigen. In "Lincoln" soll "Schindler"-Liam Neeson den 16. US-Präsidenten verkörpern.
Tom Ruder
Nach der Landung in der Normandie im Jahr 1944 versucht Captain Miller (Tom Hanks), einen kühlen Kopf zu bewahren. (ProSieben / United International Pictures)
Captain Miller (Tom Hanks, Mitte) und seine Männer, Mellish (Adam Goldberg, links) und Sergeant Horvath (Tom Sizemore, rechts) finden James Ryan (Matt Damon, dritter von rechts). Doch noch befinden sie sich in Feindesland. (ProSieben / United International Pictures)
Captain Miller (Tom Hanks, links) kann Ryan (Matt Damon) aufspüren. Doch der will zunächst seinen Auftrag erledigen, ehe er nach Hause zurückkehrt. (ProSieben / United International Pictures)
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